Russland-Geschäfte

ÖIAG-Chef gegen "US-Diktat": Aus Siegfried Wolf wird kein Atlantiker mehr

Nach Ansicht des ÖIAG-Aufsichtsratschefs und Ex-Magna-Managers Siegfried Wolf ist den USA wegen der intensiven Wirtschaftsverflechtung Europas mit Russland nicht an einem gutem Verhältnis der beiden Regionen zueinander gelegen. "Wir müssen uns aus dem Diktat der Amerikaner herausbewegen können", forderte er Montagabend an der Wirtschaftsuni in Wien.

ÖIAG Siegfried Wolf

ÖIAG-Aufsichtsratschef Siegfried Wolf: "Hinter den Sanktionen stecken die Amerikaner".

Hinter den westlichen Sanktionen gegen Russland würden die Amerikaner stecken, bejahte Wolf eine entsprechende Frage. Die Sanktionen isoliert betrachtet seien nicht das Problem, denn die Bevölkerung sei "traditionell krisenerprobt". Doch das Zusammenspiel mit Rubel-Verfall, Wirtschaftskrise und Ölpreisverfall setze dem Land schon zu. In der Autoindustrie etwa hätten jene Probleme, die Komponenten teuer importieren müssten, schließlich habe der Rubel die Hälfte seines Wert verloren. Die Notenbank habe zwar voriges Jahr gigantische Stützungskäufe getätigt, "aber schlecht orchestriert". Die Rubel-Talfahrt ist laut Wolf nun aber zum Stillstand gekommen: "Über die letzten sieben Wochen sehen wir doch mit zirka 75 Rubel pro Euro eine Stabilisierung", mit einem solchen Wert kalkuliere man auch bei Russian Machines. Der Konzern verzeichne mit seinem vor einem Jahr eingeführten neuen Lieferwagen antizyklisch einen Marktzugewinn von 8 bis 12 Prozent. Doch wie bei den Nahrungsmitteln mangle es auch bei Kfz am Lokalpatriotismus.

China erkenne angesichts der Abwendung Europas von Russland infolge der Ukraine-Krise seine Chance, stelle sich sehr freigiebig dar und wisse die aktuelle Situation für sich zu nutzen "und der russischen Wirtschaft ihren Stempel aufzudrücken". An Europa appellierte Wolf zur Kooperation: "Noch haben wir 'brain' und Russland Rohstoffe", das solle man "zusammenführen". Russland selbst sollte seine Produktion steigern und seine Rohstoff-Abhängigkeit reduzieren. Dass er für sein letztes Zeitungsinterview Kritik von Bloggern einstecken musste, versteht Wolf nicht: Er würde schon "einmal gern auch persönlich mit denen reden. Denn die sind weit weg von der Realität: Bei denen kommt der Strom aus der Steckdose und das Geld vom Bankkonto der Eltern." Sprachs und machte sich auf zu seiner "mit laufenden Propellern" wartenden Maschine nach Moskau zu einem Treffen mit dem stellvertretenden Ministerpräsidenten. (apa)