Standort Österreich

OECD: Viel Lob und einige Kritik zum Forschungssystem Österreichs

Das Forschungssystem Österreichs habe in den vergangenen zwei Jahrzehnten einen "bemerkenswerten" Aufschwung absolviert, so die Organisation wür wirtschaftliche Zusammenarbeit. Schwächen gebe es demnach in der Wirkung des weitlläufigen Systems - und zwar nicht unbedingt mit mehr Geld von außen.

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Österreich wird nur dann ein führendes Innovationsland, wenn es sein Forschungssystem so umbaut, dass es mehr Wirkung erzielt. Das rät die OECD in einem vorgestellten Bericht zum Innovationssystem. Substanziell mehr Geld wird darin nicht gefordert, vielmehr sollen Exzellenz gefördert, Forschungserkenntnisse stärker in die Wirtschaft gebracht und Karrierechancen geboten werden.

OECD, die in Paris ansässige internationale Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, konstatiert Österreich einen "bemerkenswerten" Aufschwung in Forschung und Entwicklung (F&E) seit Ende der 1990er Jahre. 2018 wird die F&E-Quote laut Statistik Austria voraussichtlich 3,19 Prozent des BIP betragen. Die in der von der Regierung beschlossenen Forschungsstrategie (FTI-Strategie) angepeilten 3,76 Prozent bis 2020 werden laut OECD aber höchstwahrscheinlich nicht erreicht.

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Das Wichtigste aus dem Bericht zum Forschungssystem in Kürze: Von den "Stärken" bis zu den "Gefahren" >>

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Die in den vergangenen Jahrzehnten auf starkes Wachstum fokussierte Innovationspolitik brauche nun inhaltliche Veränderungen, heißt es in dem Bericht, der ein wichtiger Orientierungspunkt für das angekündigte Forschungsfinanzierungsgesetz und den Nachfolger der aktuellen FTI-Strategie sein soll. Anstatt sich weiter auf die Erhöhung des "Inputs" zu konzentrieren, raten die Experten zu einem stärkeren Fokus auf "effektivere, wirkungsorientierte" Förderungen und Investitionen. Trotz guter finanzieller Ausstattung liege man im "Output" vielfach hinter den Spitzennationen.

Mehrfach weisen die OECD-Experten auf die im internationalen Vergleich geringe Dotation der im Wettbewerb vergebenen Mittel für die Grundlagenforschung hin. Das wirke sich auch auf die heimischen Universitäten aus, die sich schwertäten, hoch talentierte Forscher und Studenten anzuziehen bzw. zu halten. Dementsprechend sollte der vorrangig in diesem Bereich tätige Wissenschaftsfonds FWF mit einem Budget ähnlich dem vergleichbarer Institutionen in führenden Ländern wie der Schweiz, den Niederlanden oder Dänemark bedacht und eine aktuell in Ausarbeitung befindliche Exzellenzinitiative aus der Taufe gehoben werden.

Bescheidene Budgets pro Student

Im Vergleich mit anderen Ländern müssten die Unis auch mit relativ wenig Budget pro Student auskommen. Das im Zuge der kommenden Leistungsvereinbarungen (2019-2021) deutlich erhöhte Uni-Budget sei zwar ein Schritt vorwärts, die Auswirkungen sollten aber genau analysiert werden. Es sei nämlich fraglich, ob dadurch auch die Forschungsleistung erhöht werde.

Neben dem weiteren Ausbau des Fachhochschulsektors sollten an den Hochschulen Laufbahnstellenmodelle ("Tenure Track") weiterentwickelt, Arbeitsbedingungen verbessert und Jungforscher sowie riskante, ambitionierte Vorhaben gezielter gefördert werden. Vor allem hinke Österreich beim Frauenanteil in der Forschung im Vergleich mit anderen Ländern hinterher: Während der Anteil 2017 im EU-Schnitt 36 Prozent betrug, waren es hierzulande nur 23 Prozent.

Der Bericht ist auf der Homepage des Bildungsministeriums als PDF abrufbar >>

In punkto Übersetzung von Erkenntnissen in Richtung Wirtschaft brauche es mehr staatliche Unterstützung für innovative Firmen mit Wachstumspotenzial mit Fokus auf neue Technologien. Besonderes Augenmerk sollte auf Schlüsselbereiche der "Industrie 4.0", Big-Data oder Künstliche Intelligenz (KI) gelegt werden. Es brauche stärkere Verbindungen zwischen der Forschung und Industrie in neuen Feldern, die radikale Innovationen erfordern. Ein besseres Zusammenspiel zwischen Grundlagen- und angewandter Forschung sei nötig, um die großen gesellschaftlichen Herausforderungen, die etwa die wachsende, alternde Bevölkerung, Armut, die Energiewende oder der Klimawandel mit sich bringen, anzugehen.

Mehr Klarheit bei den Kompetenzen nötig

Wie bereits von der Regierung angekündigt, rät auch die OECD dazu, die drei wissenschaftlichen Beratungsgremien (Forschungsrat, Wissenschaftsrat, ERA-Council) in einer Institution mit klarem Auftrag und Kompetenzen zu bündeln. Bestehende Förderprogramme sollten in Evaluationen verstärkt überprüft werden. Angesichts der weitverbreiteten Förderung von forschenden Unternehmen durch Steuererleichterungen im Rahmen der Forschungsprämie weist die OECD darauf hin, dass direkte Förderungen besser geeignet sind, Aktivitäten in kritischen Bereichen voranzutreiben, die zu wenig Aufmerksamkeit bekommen.

Bei der kommenden FTI-Strategie sollte die Bundesregierung wenige, strategische Ziele setzten, bei denen man Innovationsführerschaft anstrebt. Da das kommende EU-Forschungsrahmenprogramm "Horizon Europe" klare Schwerpunkte auf missionsorientierte Wissenschaft zu zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen legen wird, sollte sich Österreich auch daran orientieren. Außerdem biete die Strategie eine Chance, die Zusammenarbeit der im Innovationssystem engagierten Ministerien, Bundesländer und Förderstellen zu verbessern und zu vereinfachen. (apa/red)

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