Bahn

ÖBB kehren nächste Woche zum Normalbetrieb zurück

Nach den massiven Einschränkungen wegen des Coronavirus wollen die ÖBB den Bahnverkehr schrittweise verdichten und den Betrieb ab der kommenden Woche auf das ursprüngliche, volle Niveau ausdehnen. Zugleich laufen Verhandlungen über höhere Ticketpreise.

Die schrittweise Rückkehr zur Normalität in der Coronakrise wird auch den ÖBB wieder ein höheres Fahrgastaufkommen bescheren. ÖBB-Vorstandschef Andreas Matthä kündigte vergangene Woche eine Verdichtung des Bahnverkehrs an, am 11. Mai werde man den Betrieb auf das ursprüngliche, volle Niveau ausdehnen. Bei der Einhaltung der Schutzmaßnahmen setzen die ÖBB auch auf die Eigenverantwortung der Fahrgäste.

Rückgänge auch im Güterverkehr

"Wir freuen uns, wenn die Züge wieder voller werden", sagte Matthä. Er erwartet schon ab 4. Mai einen Anstieg im Nah- und Regionalverkehr, da werden die Züge zu den Stoßzeiten verstärkt. Die Fahrgastzahlen liegen aktuell um 80 bis 90 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Mit einem Vollbetrieb der Schulen werde man bis auf zehn Prozent an frühere Werte herankommen, meinte Matthä.

Auch der Güterverkehr der ÖBB ist durch die Unterbrechung der Lieferketten aus dem Ausland stark beeinträchtigt. Die Entwicklung beim Transport von Verbrauchsgütern in Österreich sei positiv, merkte der ÖBB-Vorstandschef an. "Aber die klassischen Produkte wie Erz, Kohle, Stahl und Autos sind derzeit leider nicht in unserem Kundenportfolio."

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Verhandlungen über höhere Fahrschein-Preise

Noch mehr als der Nahverkehr war der Bahnfernverkehr in Österreich von einem Rückgang der Fahrgäste betroffen. "Da wird es noch länger dauern. Wir hoffen aber, dass wir mit Einsetzen der Sommerferien und jedenfalls ab September wieder auf ein vernünftiges Niveau kommen", betonte Matthä.

Diese Rückgänge werden sich natürlich auf das wirtschaftliche Ergebnis der ÖBB auswirken. Die Grundlage in den Verträgen mit den Partnern, die ein bestimmtes Fahrgast- und Ticketerlösniveau vorsehen, hätten sich geändert, sagte Matthä. "Wir diskutieren daher mit unseren Partnern, das sind konstruktive Gespräche."

Die ÖBB hielten den öffentlichen Verkehr am Laufen und stellten die Güterversorgung in Österreich auch international sicher. "Es wird höhere Entgelte für unsere Leistung geben müssen, weil wir Kapazität vorhalten, um sie bei Bedarf entsprechend nutzen zu können", erklärte Matthä in der Wiener Firmenzentrale. Zahlen über das nötige Ausmaß der Unterstützung vorneweg zu nennen, sei aber nicht fair. "Wir sagen dann, das ist unter dem Strich herausgekommen, wir wollen uns ja nicht bereichern."

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Fahrgäste müssen aufpassen

Zum Schutz der Fahrgäste und der Mitarbeiter angesichts der Pandemie wurde bereits eine "Fahrgast-Charta" präsentiert. Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) ist zuversichtlich, dass sich die Coronasituation trotz verstärkten Passagieraufkommens weiter entspannt. "Wir sind im Austausch mit den Verkehrsbetrieben, um das vorsichtige und kontrollierte Hochfahren des öffentlichen Lebens mit gut koordinierten Maßnahmen zu begleiten", betonte Gewessler. Was im Supermarkt funktioniere, solle auch in den Zügen klappen.

Matthä setzt auf Mitarbeit der Kunden durch Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes (- "am besten schon auf dem Bahnsteig" -), durch Nutzen der Züge in ihrer gesamten Länge, durch Abstandhalten beim Ein- und Aussteigen und gleichmäßige Verteilung im Zug. "Gemeinsam mit unseren Desinfektions-und Reinigungsmaßnahmen ist das eine gute Möglichkeit, den öffentlichen Verkehr wieder zu nutzen", sagte der ÖBB-Chef.

Auch Ministerin Gewessler appellierte an die Mitwirkung aller Beteiligten, die für einen sicheren Betrieb im Nahverkehr nötig sei. "Alle können beitragen: Fahrgäste, indem sie versuchen, Stoßzeiten zu vermeiden, Unternehmen, indem man weiter auf Home-Office setzt und Gleitzeit ausgedehnt nutzt", erklärte Gewessler. Auch der Schichtbetrieb der Schulen helfe beim kontrollierten Hochfahren. Man werde die Situation aber genau beobachten. (apa/red)