Krise in Griechenland

ÖBB-Chef Kern will sich Griechenlands Bahn "ansehen"

Während Griechenland gegen den Zusammenbruch kämpft, signalisiert ÖBB-Chef Christian Kern Interesse am Bahnbetrieb des Landes - übt zugleich aber auch harte Kritik an den "Fantasiezahlen" von IWF und Weltbank.

Bahn Verkehr TrainOSE ÖBB Christian Kern Privatisierungen

Mitten im Ringen Griechenlands um weitere Milliardenkredite und gegen den Grexit meldet sich völlig überraschend Christian Kern zu Wort. Der ÖBB-Konzernchef gibt sich als Kenner der griechischen Bahn - um dann einen Vorschlag zu machen, der in diesen Minuten international für Schlagzeilen sorgt.

Gegenüber dem Magazin "trend" sagt Kern: "Wir werden da einen Blick drauf werfen. Nur: Ich kenne die griechische Bahn ganz gut. Ich habe mit Verwunderung die Werte gesehen, die man glaubt, erlösen zu können." Dann erwähnt der Konzernchef eine entscheidende Bedingung: "Sollten wir uns die griechische Bahn ernsthaft ansehen, würde ich völlig ausschließen, einen positiven Kaufpreis zu bezahlen."

In anderen Worten: Die ÖBB würden die griechischen Bahnbetriebe vielleicht sogar übernehmen - allerdings höchstens geschenkt.

Harte Kritik an den "Institutionen"

Zugleich übt Kern, der im INDUSTRIEMAGAZIN-Ranking aktuell die Nummer eins der mächtigsten Manager Österreichs ist, nicht nur Kritik an Athen, sondern auch an den Geldgebern Griechenlands. Diese fordern von Griechenland umfassende Privatisierungen - und stellen dabei milliardenschwere Forderungen stellen. Wie berichtet soll Griechenland Privatisierungen im Wert von 50 Milliarden Euro liefern. Die griechische Bahngesellschaft TrainOSE zählt dabei zum "Tafelsilber".

Dabei hat es bereits 2012 Pläne zum Verkauf der Bahngesellschaft gegeben, um die Staatsfinanzen zu konsolidieren, berichtet  die Deutsche Presse Agentur. In der Regierung saß damals der konservative Ministerpräsident Antonis Samaras. Freilich wurde bei den damaligen Plänen ein Erlös von 200 Millionen Euro angepeilt.

"Fantasiezahlen" des IWF

Zur jetzigen Situation meint Kern, die Reformen in dem Land seien notwendig, aber die jetzt erhofften Privatisierungserlöse "unrealistisch". Offenbar sei das Vorgehen von IWF und Weltbank realitätsfremd und weder im Interesse der Griechen noch der Gläubiger.

Auch gegenüber Spiegel Online kritisiert der Topmanager: "Was IWF und EU-Kommission da betreiben, hat mit der Faktenlage nichts zu tun." Wie schon in anderen Ländern würden die Experten des IWF Fantasiezahlen in ihre Dokumente schreiben und damit die Privatisierung eines Sektors betreiben, der nach Kerns Ansicht in staatliche Hände gehört.  (pm)