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ÖBAG - Interimistisch: Mit Catasta erstmals Frau an der Spitze

Die ÖBAG-Direktorin löst Thomas Schmid interimistisch ab. Der Rücktritt war für die Oppositionsparteien "längst überfällig".

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Mit Christine Catasta hat die Staatsholding ÖBAG ab morgen, Mittwoch, erstmals eine Frau an ihrer Spitze - wenn auch nach dem vorzeitigen Abgang von Thomas Schmid nur interimistisch. Bisher war Catasta ÖBAG-Direktorin, zuvor war sie von 1982 bis 2020 bei PwC Österreich, hier zuletzt ab 2018 Chefin, bis sie vor knapp einem Jahr in Pension ging.
Die beeidete österreichische Wirtschaftsprüferin und Steuerberaterin absolvierte von 1981 bis 1986 ein Diplom- und Doktoratsstudium an der WU Wien. Ihr Spezialgebiet war Rechnungslegung und Wirtschaftsprüfung.

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Erst seit vorigem Oktober ist Catasta ÖBAG-Direktorin. Als Prokuristin und Leiterin des Beteiligungsmanagements wurde sie Schmid, den sie nun interimistisch ablöst, zur Seite gestellt und zog in Aufsichtsräte von Beteiligungsfirmen ein, um die Interessen der Republik zu vertreten. Auch Digitalisierungsfachmann Maximilian Schnödel wurde zu diesem Zeitpunkt weiterer Prokurist. Vorher war der ÖVP-nahe Bernhard Perner Prokurist, dieser wurde aber Monate zuvor Chef der staatlichen Coronahilfsagentur COFAG.

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Catasta ist Abseits ihrer ÖBAG-Funktion derzeit in den Aufsichtsräten der Erste Bank und Sparkasse, der Verbund, der Casinos Austria und der Austrian Airlines. Vorstandsmitglied ist sie bei der Österreichischen Luftverkehrs-Privatstiftung (ÖLP). Zudem ist sie Mitglied des Instituts österreichischer Wirtschaftsprüfer, im Fachsenat für Betriebswirtschaft und Organisation der Kammer der Wirtschaftstreuhänder und auch der Professional Ethics and Competences Working Party of Accountancy Europe in Brüssel. Dazu kommt noch die Tätigkeit als Präsidentin der Association of Corporate Growth und jene als Beirätin bei Leitbetriebe Austria. Unter weiteren Funktionen ist sie etwa Vorstandsmitglied beim Rotary Club Wien-Belvedere.

Als Kenntnisse gibt Catasta auf der Karriereplattform Linkedin Unternehmensstrategie sowie -beratung und Managementberatung an. Unter den "Interessen" finden sich unter dem Punkt "Influencer:innen" Bundeskanzler Sebastian Kurz und AUA-Chef Alexis von Hoensbroech.

Herrin der Staatsanteile

Die Österreichische Beteiligungs AG (ÖBAG, vormals ÖIAG bzw. ÖBIB) verwaltet die Anteile des Staates an heimischen Großkonzernen, die ehemals im vollständigen Staatsbesitz waren. Die größten sind die nunmehr börsenotierte OMV, Telekom Austria, Post und Verbund sowie die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) und sechs weitere Unternehmen. Damit verwaltet die ÖBAG unter der politischen Zuständigkeit von Finanzminister Gernot Blümel rund 26 Mrd. Euro an Staatsvermögen.

Eines der wertvollsten Assets der ÖBAG ist die OMV, die derzeit eine Marktkapitalisierung von rund 14,2 Mrd. Euro hat. Der Staatsanteil von 31,50 Prozent, den die ÖBAG verwaltet, ist damit mehr als 4,4 Mrd. Euro wert. Schmid war in der OMV bisher Vize-Aufsichtsratspräsident (Präsident ist Mark Garrett). Beim Verbund mit einer Marktkapitalisierung von 10,5 Mrd. Euro war Schmid Chef des Aufsichtsrates. Vorsitzende des Aufsichtsrates der Telekom und der Post AG ist Edith Hlawati. Im Hauptberuf ist sie Senior Partnerin von Cerha Hempel Rechtsanwälte.

Längst überfällig oder noch rechtzeitig?

Als "längst überfällig" haben die Oppositionsparteien SPÖ, NEOS und FPÖ aber auch die Grünen den Rücktritt von ÖBAG-Chef Thomas Schmid am Dienstag im Untersuchungsausschuss bezeichnet. ÖVP-Fraktionsführer Andreas Hanger sah darin hingegen eine "höchstpersönliche Entscheidung". Schmid habe "hervorragende Arbeit" geleistet und sei "letztlich an der Veröffentlichung privater Chats gescheitert", so Hanger.

Für SPÖ-Fraktionsführer Jan Krainer hätte der Rücktritt "eigentlich vor Monaten erfolgen müssen". Kritik übte er am Aufsichtsrat, dieser habe "zu spät" gehandelt und sei im Grunde "Teil des Problems", weil dieser versucht habe "seit Monaten zuzudecken, was nicht mehr zuzudecken war". Für Krainer ist auch der Aufsichtsrat "längst rücktrittsfällig". NEOS-Fraktionsführerin Stephanie Krisper sah als Grund für den Rücktritt, den sie ebenfalls als "überfälligen Schritt" bezeichnete, die Konsequenz der Arbeit des U-Ausschusses: "Endlich hat der Aufsichtsrat Verantwortung übernommen." Nun brauche es eine Neuaufstellung mit einer Doppelspitze, die im Interesse der Republik arbeitet und das Interesse der Steuerzahler vertritt.

"Offensichtlich zerbröselt gerade die Familie von Sebastian Kurz", meinte FPÖ-Fraktionsführer Christian Hafenecker. Schmid wie auch Ex-VfGH-Richter Wolfgang Brandstetter hätten beide im "türkisen Netzwerk" eine "wesentliche Rolle" gespielt. Der Rücktritt des suspendierten Justiz-Sektionschefs Christian Pilnacek sei "längst fällig". Auch für Grünen-Fraktionsführerin Nina Tomaselli habe der Aufsichtsrat "spät aber doch Konsequenzen gezogen". Das, was durch die Chats bekannt wurde, können nicht "im Sinn der Republik sein". Der U-Ausschuss liefere stetig "Belege und Beweise", welches System unter Türkis-Blau geherrscht habe. "Und sie werden immer mehr", so Tomaselli, die auch weitere Rücktritte nicht ausschließen wollte. (apa/red)

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