Konjunktur

Oberster Notenbanker der USA betont Flexibilität der Fed

Der oberste US-Notenbanker Jerome Powell hat erklärt, dass die Wirtschaft weiter wachse, sein Haus bei ihren Zinsentscheidungen die Konjunktur genau im Auge behalten werde und bei ihrem geldpolitischen Pfad nicht festgelegt sei. Zuletzt hatte es die Sorge gegeben, die Notenbank könne mit weiteren Zinsanhebungen 2019 der Konjunktur schaden. Abtreten will Powell auch nicht.

Der Chef der Federal Reserve hat Flexibilität bei der Zinspolitik signalisiert und damit an den Finanzmärkten Sorgen vor einem zu straffen Kurs gedämpft. Jerome Powell bekräftigte auch, der Arbeitsmarkt der USA sei kurz vor der Vollbeschäftigung.

Die Zentralbank sei geldpolitisch nicht auf einen Weg festgelegt, sagte der oberste US-Währungshüter in einer Rede in Atlanta und fügte hinzu: "Wir werden geduldig sein und sehen, wie sich die Wirtschaft entwickelt." Die Notenbank sei stets darauf vorbereitet, ihre geldpolitische Haltung bei Bedarf auch "erheblich" anzupassen.

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Aufschwung am Arbeitsmarkt

Trotz jüngster Anzeichen für eine konjunkturelle Abkühlung in den USA boomt der Arbeitsmarkt so kräftig wie seit fast einem Jahr nicht mehr. Die Regierung in Washington meldete für Dezember 312.000 neue Stellen. Das war das größte Plus seit Februar 2018. Die getrennt ermittelte Arbeitslosenquote stieg von November auf Dezember von 3,7 auf 3,9 Prozent. Dies entspricht dennoch de facto der von der Notenbank angestrebten Vollbeschäftigung.

Die US-Währungshüterin Loretta Mester sprach von einem starken Arbeitsmarkt. Trotz jüngster Sorgen an den Märkten über einen möglicherweise zu straffen geldpolitischen Kurs sehe sie die Notenbank "in einer guten Ausgangslage", sagte die Chefin des Fed-Bezirks Cleveland dem Sender CNBC.

US-Industrie verliert deutlich an Schwung

Trotzdem hatte die US-Industrie jüngst deutlich an Schwung verloren und damit unter Investoren zu Jahresbeginn Sorgen um die Konjunktur geschürt. Powell betonte, die Konjunkturdaten deuteten dennoch daraufhin, dass die Wirtschaft mit Schwung in das neue Jahr gehe.

Angesichts der massiven Kritik von US-Präsident Donald Trump am Zins-Kurs der Fed stellte Powell zudem klar, dass die Notenbank ihre Entscheidungen unabhängig von der Politik treffe.

Druck aus dem Weißen Haus

Falls er vom Präsidenten zum Rücktritt aufgefordert würde, würde er diesem nicht Folge leisten, betonte Powell. Er habe derzeit kein Treffen mit Trump auf seiner Agenda und unterhalte auch keine direkte Kommunikationslinie zum Weißen Haus.

Zentralbank erhöht den Leitzins mehrmals

Angesichts des Booms in den USA haben die Währungshüter den Leitzins sehr zum Leidwesen des auf hohe Wachstumsraten fixierten Präsidenten zuletzt im Dezember auf die Spanne von 2,25 bis 2,5 Prozent erhöht. Es war die vierte Anhebung im Jahr 2018. Zudem hatte sie für 2019 zwei weitere Erhöhungen in Aussicht gestellt. Viele Händler setzen jedoch darauf, dass die Notenbank 2019 keine Straffung mehr folgen lässt, um den Aufschwung nicht zu gefährden.

Die US-Börsen reagierten mit steigenden Kursen auf die Signale Powells, bei Zinserhöhungen nichts zu überstürzen. Auch die Jobdaten haben die US-Börsen beflügelt. (Reuters/dpa/dpa-AFX/APA/red)