Personalia

Oberster deutscher Autolobbyist tritt überraschend zurück

Bernhard Mattes tritt nach weniger als zwei Jahren als Chef des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) zurück. Dazu gibt es Berichte über Unstimmigkeiten des früheren Topmanagers von Ford mit den Konzernchefs der Autobauer.

Bernhard Mattes bei der Eröffnung der IAA 2019 neben Kanzlerin Angela Merkel.

Deutschlands oberster Autolobbyist Bernhard Mattes tritt nach kaum zwei Jahren als Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) zurück. Mattes wolle das Amt zum Jahresende 2019 niederlegen, "um sich neuen Aufgaben zuzuwenden", erklärte der Verband in einer knappen Mitteilung.

Wenige Stunden zuvor hatte Mattes noch die Automesse IAA in Frankfurt eröffnet und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel durch die Messehallen geführt.

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Ein Daimler-Sprecher sagte: "Wir bedauern diese Entscheidung." Daimler sei mit der Zusammenarbeit zufrieden gewesen. Der Chef des Autozulieferers Continental, Elmar Degenhart, ließ mitteilen, er habe die Ankündigung mit Bedauern zur Kenntnis genommen. Ruhig, sachlich und zielorientiert habe Mattes versucht, dem Verband in einer Phase des Umbruchs eine einheitliche Stimme zu geben. Nun müsse der VDA seine Neuorientierung fortsetzen und die notwendigen Veränderungen einleiten.

"Nicht politisch genug"

Mattes, langjähriger Chef der Kölner Ford-Werke, hatte sein Verbandsamt im März 2018 angetreten und dabei den früheren Verkehrsminister Matthias Wissmann abgelöst. Nun hieß es in Branchenkreisen, er sei manchem Manager "nicht politisch genug" gewesen. In den vergangenen Monaten war immer wieder über Unstimmigkeiten zwischen ihm und den Chefs großer Autobauer berichtet worden. Dabei ging es offenbar um die Außendarstellung der Branche nach dem Dieselskandal und vor dem Umstieg auf die Elektromobilität.

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Günther Oettinger als Nachfolger im Gespräch

Als möglicher Nachfolger an der VDA-Spitze ist Berichten zufolge unter anderem EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger im Gespräch, der der am 1. November startenden neuen EU-Kommission unter Präsidentin Ursula von der Leyen nicht mehr angehören wird. Von ihm hatte es zuletzt in Berichten geheißen, er wolle sich als Wirtschafts- und Politikberater selbstständig machen.

Die Autoindustrie befindet sich derzeit in einem grundlegenden Wandel, hin zu mehr alternativen Antrieben wie der Elektromobilität. Die Hersteller sind wegen strengerer EU-Umweltvorgaben unter Druck. Für den Umbau werden Milliarden benötigt. Zugleich wird aus Klimaschutzgründen die Kritik immer lauter an schweren Sport-Geländewagen (SUV), die aber eine hohe Rendite abwerfen. (reuters/dpa/apa/red)

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