Oberösterreich

Oberbank: Dank guter Ergebnisse für Corona-Krise gewappnet

Die Linzer Oberbank meldet für das Vorjahr ein höheres Ergebnis und eine Stärkung des Kernkapitals. In Zeiten der Corona-Krise will das Geldinstitut seinen Kunden "als starke Regionalbank und verlässlicher Partner zur Seite stehen", so Generaldirektor Franz Gasselsberger.

Von links: Vorstandsdirektor Mag. Florian Hagenauer, Generaldirektor Dr. Franz Gasselsberger, Vorstandsdirektor Dr. Mag. Josef Weißl.

Die börsenotierte Oberbank mit Sitz in Linz hat im Geschäftsjahr 2019 ihre operativen Ergebnisse erneut gesteigert und die Ausstattung mit Kernkapital weiter gestärkt. Das Zinsergebnis blieb stabil, die Risikovorsorgen hat die Bank nochmals gesenkt und das Dienstleistungsergebnis verbessert.

Das Finanzhaus liegt nach eigenen Angaben mit einer harten Kernkapitalquote von 17,92 Prozent und einer Gesamtkapitalquote von über 20 Prozent im Spitzenfeld der europäischen Banken. "Die Oberbank ist in einer guten Verfassung, um den absehbaren Herausforderungen der aktuellen Corona-Krise zu begegnen", so Generaldirektor Dr Franz Gasselsberger. Das Institut werde "als starke Regionalbank in dieser schwierigen Phase ihren Kunden nach bester Möglichkeit als verlässlicher Partner zur Seite stehen."

Gute operative Entwicklung

Das Zinsergebnis der Oberbank konnte trotz anhaltendem Niedrig-Zinsniveau dank des stark gestiegenen Kreditvolumens um 0,2 Prozent auf 345,8 Mio. Euro verbessert werden. Das Equity-Ergebnis war vom Ergebnisrückgang der Voestalpine belastet und reduzierte sich trotz deutlich gesteigerter Ergebnisbeiträge der Schwesterbanken um 64,2 Prozent auf 29,7 Mio. Euro.

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Die Risikosituation sei exzellent, die Bildung von Risikovorsorgen sei um 52,3 Prozent auf 12,2 Mio. Euro zurückgegangen, teilt die Oberbank mit. Der Anteil der notleidenden Kredite am gesamten Kreditvolumen beträgt demnach nach 2,43 Prozent im Jahr 2018 für das Vorjahr lediglich 1,96 Prozent. Das Provisionsergebnis hat das Finanzhaus um 2,4 Prozent auf 163,0 Mio. Euro gesteigert.

Der Personalaufwand blieb mit 174,9 Mio. Euro nahezu unverändert, der Sachaufwand ging um 8,8 % auf 86,7 Mio. Euro zurück. Obwohl das Unternehmen seit Jahren in die kontinuierliche Expansion investiert, war der Verwaltungsaufwand im Vorjahr mit rund 289 Mio. Euro um lediglich knappe zwei Prozent höher als im Jahr zuvor.

Die Abschreibungen und Wertberichtigungen stiegen von 12,7 Mio. Euro auf 27,4 Mio. Euro deutlich an. Die Cost-Income-Ratio war mit 50,04 Prozent weiterhin besonders günstig. Zum Vergleich: Im Durchschnitt weisen österreichische Banken eine Kosten-Ertrags-Relation von 62,6 Prozent aus.

Coronakrise: Aktuell sind Prognosen schwierig

Die Oberbank ist gut in das Geschäftsjahr 2020 gestartet, das operative Geschäft war in den ersten beiden Monaten sehr zufriedenstellend. Aufgrund der Corona-Krise wird sich diese Entwicklung nicht fortsetzen. Derzeit ist eine belastbare Prognose für das laufende Jahr nicht möglich.

Aktueller Rat an Kunden: Eigenen Berater kontaktieren

In der aktuellen Situation mit der Ausbreitung des Coronavirus rät das Geldinstitut seinen Kunden, den eigenen Bankberater zu kontaktieren und mit diesem den aktuellen Überbrückungsfinanzierungsbedarf abzustimmen. Vor allem kleinere Unternehmen seien massiv bis existenziell betroffen. Die Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws) mit dem rasch installierten KMU-Haftungsprogramm sei hier unverzichtbar. Die Gefahr von Kreditausfällen werde deutlich steigen und die Folgen der Börseturbulenzen für das Wertpapiergeschäft ließen sich noch nicht abschätzen.

Eigenkapital gestärkt, Dividendenvorschlag erhöht

Nach Berücksichtigung der Risikovorsorgen im Kreditgeschäft wird im Vergleich zum Vorjahr ein um 2,1 Prozent höherer Jahresüberschuss vor Steuern von 276,2 Mio. Euro ausgewiesen. Die Steuern vom Einkommen und Ertrag waren mit 60,1 Mio. Euro um 33,8 Prozent höher als im Vorjahr. Daraus resultiert ein Rückgang des Jahresüberschusses nach Steuern um 4,2 Prozent auf 216,1 Mio. Euro.

Aufgrund der Ergebnisentwicklung stieg die harte Kernkapitalquote um 0,13 Prozent-Punkte auf 17,59 Prozent, die Kernkapitalquote um 0,15 Prozent-Punkte auf 17,92 Prozent und die Gesamtkapitalquote um 0,04 Prozent-Punkte auf 20,23 Prozent. Mit diesen Quoten liegt die Oberbank im Spitzenfeld der europäischen Banken. Der Hauptversammlung soll eine Dividendenerhöhung um fünf Cent auf 1,15 Euro vorgeschlagen werden.

Starker Anstieg bei den Krediten

Wesentliche Treiber des aktuellen Ergebnisses sei das überdurchschnittliche Wachstum des Kreditvolumens, so die Oberbank. Insgesamt stieg es um 5,6 Prozent auf 16,8 Mrd. Euro. Die Kommerzkredite stiegen im Jahr 2019 um 5,0 Prozent auf 13,3 Mrd. Euro, wobei Investitionsfinanzierungen um 4,7 Prozent auf 9,7 Mrd. Euro ausgeweitet wurden, Betriebsmittelfinanzierungen hingegen um 6,0 Prozent auf 3,6 Mrd. Euro.

Bei den Privatkrediten ist ein Anstieg von 7,9 Prozent zu verzeichnen, das Volumen stieg auf 3,5 Mrd. Euro, den höchsten Wert in der Geschichte der Oberbank. Hervorzuheben sind dabei die Wohnbaukredite, deren Volumen um 8,7 Prozent auf 3,1 Mrd. Euro wuchs.

Ein zweiter Faktor bei den vorgelegten Ergebnissen sei das Volumen der betreuten Vermögen, so das Finanzhaus. Demnach blieben die Primäreinlagen mit 14,2 Mrd. Euro trotz Niedrigzinsen nahezu unverändert, die Wertpapiere auf Kundendepots stiegen um 13,0 Prozent auf 16,1 Mrd. Euro.

Neue Filialen in Süddeutschland

Im Jahr 2019 fokussierte die Oberbank ihre Expansion auf Deutschland. Sieben Filialen, vor allem in Baden-Württemberg, wurden eröffnet. Insgesamt betrieb die Oberbank im Jahr 2019 177 Filialen. Im Jahr 2020 sind sechs Filialgründungen geplant, davon vier in Deutschland und je eine in der Slowakei und in Ungarn.

Oberbank © Oberbank

Expansion im Süden und Osten Deutschlands: Im Vorjahr eröffneten sieben neue Filialen in Freiburg, Mannheim, Heilbronn, Böblingen, Schwäbisch-Hall, Ravensburg und Dresden. Ende des Jahres zählte die Oberbank insgesamt 177 Filialen.

Weiterhin keine Einigung mit der Unicredit

Bekanntlich hat die Unicredit die 3-Banken-Gruppe, zu der neben der Oberbank die BTV und BKS gehören, mit sieben Verfahren eingedeckt. Sie behauptet, dass die wechselseitige Beteiligung der 3-Banken-Gruppe aneinander problematisch sei, dass die Teilnahme an den Kapitalerhöhungen der jeweiligen Schwesterbanken nicht rechtmäßig gewesen sei und dass die 3 Banken ihre Kapitalerhöhungen zum Teil unzulässig selbst finanziert hätten.

Diesbezüglich hat die Oberbank in der Vergangenheit wiederholt betont, dass ihre Vorgehensweise korrekt sei und alle bisherigen Urteile und Entscheidungen gegen die Unicredit ausgefallen seien.

Das Linzer Geldhaus hofft nun nach wie vor, dass es zu einem Umdenken bei der bank Austria oder ihrer italienischen Konzernmutter Unicredit in Mailand kommt. "Derzeit sieht es allerdings nicht danach aus, dass die Unicredit den Weg vom Streit wieder zu einem gedeihlichen Miteinander suchen wird", heißt es bei der Oberbank.

(red)