Biotechnologie

Nutzung von Stevia: Konzerne der "Biopiraterie" beschuldigt

Große Lebensmittelkonzerne haben das Wissen über den den Stevia-Süßsstoff von den indigenen Völkern der Guarani übernommen. Jetzt fordern die Entdecker des Süßstoffs einen gerechteren Ausgleich von Vorteilen - doch während sich Nestle und Evolva kooperativ zeigen, wollen Lebensmittelriesen wie Coca-Cola und Unilever nichts davon wissen.

Die Entdecker der Stevia-Pflanze als Süßstoff fordern offiziell ihre Rechte ein. Die Schweizer Unternehmen Evolva und Nestle zeigen sich dabei kooperativ. Beim US-Getränkeriese Coca Cola als größten Nutzer will man davon allerdings nichts wissen.

Bereits vor einem Jahr monierten verschiedene Organisationen und Institutionen aus der Schweiz, darunter der unabhängige Verein Public Eye (ehem. Erklärung von Bern) und die Informationsplattform Pro Stevia Schweiz, bei der Süß-Pflanze Stevia Biopiraterie.

Entgegen der UNO-Biodiversitätskonvention und dem Nagoya-Protokoll wurde mit den in der Grenzregion zwischen Paraguay und Brasilien lebenden Guarani-Völker bisher nie eine Vereinbarung über eine gerechte "Aufteilung der Vorteile" getroffen.

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Die Guarani verlangen jetzt für die Nutzung ihres Wissens und der Biodiversität Verhandlungen über einen gerechten Vorteilsausgleich. Die Reaktionen mit den von den Forderungen betroffenen Unternehmen haben Public Eye und seine Partner in einem Bericht veröffentlicht.

Im Zusammenhang mit der geplanten Einführung eines Stevia-basierten Süßstoffs will das Biotechnologieunternehmen Evolva mit den Guarani eine entsprechende Vereinbarung aushandeln. Auch Nestle sprach sich für das Prinzip des Vorteilausgleichs aus. Der weltweit größte Lebensmittelkonzern prüfe nun, sich in Sachen Stevia stärker zu engagieren.

In Bezug auf die Kritik am irreführenden Marketing wollen Schweizer Firmen ebenfalls aktiv werden und künftig auf Bezeichnungen wie "natürlich", "Steviaextrakt" oder "mit Stevia gesüßt" sowie auf die Darstellung von Steviablättern in der Werbung und auf Etiketten verzichten. Dazu gehören der Schokoladenhersteller Bernrain und die Nestle-Tochter Henniez.

Ganz anders sind die Reaktionen bei den multinationalen Schwergewichten Coca-Cola und Unilever. Coca-Cola als größten Nutzer verweigerte sogar die Anerkennung des Problems, wie es in der Mitteilung heißt. Zusammen mit der internationalen Verbraucherbewegung SumOfUs fordert Public Eye den US-Getränkekonzern deshalb in einer Petition zu Verhandlungen mit den Guarani auf. (sda/apa/red)

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