Glücksspiel

Novomatic und das Spiel der Seminolen

Die Novomatic-Gruppe will sich künftig verstärkt auf dem US-amerikanischen Markt engagieren - mit einem stark expandierenden Casino-Konzern als Referenzkunden. Die Shopping-Tour des Konzerns ist dagegen vorerst beendet: statt weiterer Zukäufe will man die hunderten Beteiligungen der Gruppe effektiver strukturieren.

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Novomatic Harald Neumann Wirtschaft USA

Gut ausgelastet ist derzeit die Produktion des Glücksspielkonzerns Novomatic im niederösterreichischen Gumpoldskirchen. Denn aus Deutschland kam ein Großauftrag, auf den das Unternehmen aber vermutlich gern verzichtet hätte: 100.000 Automaten für Spielhallen in Deutschland müssen derzeit ausgetauscht werden, weil das neue Glücksspielgesetz beim nördlichen Nachbarn eine ordentliche Spaßbremse ist - vielleicht für Spielhallenbesucher, ganz sicher aber für den österreichischen Konzern. Das Gesetz nämlich sieht unter anderem vor, dass sich Spielautomaten in Deutschland nach einer Stunde Betrieb für fünf Minuten ausschalten müssen und es nach drei Stunden überhaupt einen kompletten Shutdown geben muss, bei dem die Spielstände auf Null gesetzt werden. Das soll verhindern, dass Spieler in einen suchthaften Zustand kommen. Der Novomatic wird die Neubestückung deutscher Spielhallen rund 250 Millionen Euro kosten.

Australier für Amerika

Viele durch die Kreativität der Gesetzgeber bedingte Unsicherheiten bei der Entwicklung europäischer Märkte lenken das Interesse der Gumpoldskirchner nun auf die USA: "Hier erwarten wir das nächste Wachstum", sagte Novomatic-CEO Harald Neumann kürzlich am Rande der Welt-Glücksspielmesse ICE Totally Gaming in London. Für das Entrée auf dem Markt hat man schon gesorgt: mit der Mehrheitsbeteiligung am australischen Konkurrenten Ainsworth zum Jahreswechsel hat man einen etablierten Player am großen amerikanischen Spieltisch. Der Marktanteil der Novomatic soll mit der Unterstützung von Ainsworth jedenfalls mittelfristig von fünf auf zehn Prozent erhöht werden.

Der Stamm der Seminolen

Zwei Faktoren sind es, die der Novomatic in den USA Fortune bringen sollen: der Stamm der Seminolen und - sehr indirekt - Donald Trump. Denn die Seminolen, ein Indianervolk aus Florida, gehören neuerdings zur Kundschaft der Novomatic. In den letzten Jahrzehnten haben sich die Seminolen ein bemerkenswertes Glücksspiel-Imperium zusammengekauft. Bisher letzte Akquisition: das Taj Mahal-Casino in Atlantic City, das Dealmaker Donald Trump im Jahr 1990 für rund 1,2 Milliarden US-Dollar erbaut hatte. Im Mai letzten Jahres verkaufte der bisherige Eigentümer und Multi-Milliardär Carl Icahn der Casino-Gesellschaft der Seminolen das Taj Mahal für gerade einmal 50 Millionen US-Dollar.

White Paper zum Thema

Für Seminole Gaming hat Novomatic nun eine Social Gaming-Plattform entwickelt, bei der Spieler ohne drohenden Echtgeldverlust online zocken und ihre kleinen virtuellen Gewinne in einem echten Casino in Florida einlösen können - etwa Gutscheine für das Casino-Restaurant oder für eine Übernachtung im angeschlossenen Hotel. Mit solchen Projekten bereitet sich die Novomatic auch darauf vor, an einem noch viel größeren Rad zu drehen. US-amerikanische Glücksspielbetreiber werden mehr Online-Casinos eröffnen und damit das Know-how von Lieferanten wie der Novomatic benötigen. Bisher sind Online-Glücksspiele nur in wenigen amerikanischen Bundesstaaten erlaubt. Novomatic erwartet aber, dass bald mehr US-Bundesstaaten das virtuelle Zocken erlauben werden.

Auf der Bremse

Gut gewirtschaftet hat die Novomatic-Gruppe im vergangenen Jahr und ihren Umsatz von 4,4 auf rund 4,8 Milliarden Euro erhöhen können - eine Entwicklung, die vor allem in forscher Akquisitionstätigkeit begründet ist und das Beteiligungsportfolio des Glücksspiel-Konzerns auf 300 Gesellschaften hat anwachsen lassen - 100 Beteiligungen davon alleine in den letzten zwei Jahren. Doch dieses Übernahmetempo wird die Gruppe jedenfalls 2018 nicht halten. Man wolle den Fokus "auf eine Steigerung der Synergien zwischen den Unternehmen und dementsprechend effektivere innere Strukturen legen", so Harald Neumann.