Pharmaindustrie

Novartis will US-Lobbyaffäre schnell hinter sich bringen - Chefjurist wirft hin

Rund um die Zahlung von sehr viel Geld an einen Anwalt von Donald Trump, der maßgeblich in die Affäre rund um die Pornodarstellerin Stormy Daniels involviert ist, will Novartis die Angelegenheit so schnell wie möglich aus der Welt schaffen. Konzernchef Vasant Narasimhan verspricht, dass der Pharmariese sich in Zukunft an andere Ethikregeln halten will.

Der Schweizer Pharmariese Novartis will einen Schlussstrich unter die Zusammenarbeit mit einem Anwalt von US-Präsident Donald Trump ziehen. Chefjurist Felix Ehrat trete Anfang Juni zurück, teilte der weltgrößte Hersteller von verschreibungspflichtigen Medikamenten mit. Zuletzt ist auch der Produktionschef von Novartis zurückgetreten >>

Ehrats Ausscheiden erfolge im Zusammenhang mit Diskussionen über die frühere Vereinbarung von Novartis mit Trumps Anwalt Michael Cohen. Ehrats Nachfolgerin wird Shannon Thyme Klinger.

Novartis hat an Trumps Anwalt 1,2 Millionen Dollar überwiesen

Vergangene Woche war bekanntgeworden, dass Novartis die Zusammenarbeit mit der Firma von Cohen beendete, über die auch Zahlungen an die Pornodarstellerin Stormy Daniels geflossen sind. Kurz nach der Wahl Trumps hatte sich Novartis die Dienste von Cohen gesichert, um Einblick in die geplante Gesundheitspolitik der neuen Regierung zu erhalten, und dafür insgesamt 1,2 Millionen Dollar (1,01 Mio. Euro) auf den Tisch gelegt.

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Konzernchef Narasimhan verspricht für die Zukunft andere Regeln

Nachdem die Affäre rund um die Pornodarstellerin Stormy Daniels aufkam, bezeichnete Novartis die Konditionen dieses Vertrags als "marktüblich".

"Dieser Vertrag, obwohl juristisch nicht zu beanstanden, war ein Irrtum", erklärte Ehrat. "Als Mitunterzeichner mit unserem damaligen CEO übernehme ich mit diesem Entscheid persönlich Verantwortung, um die öffentliche Debatte darüber zu beenden."

Novartis-Chef Vasant Narasimhan bezeichnete den Vertrag mit Cohen erneut als großen Fehler und kündigte Ethikregeln an, um Skandale und Korruption zu verhindern.

Firmenchefs wussten von nichts

Der Konzern betonte, dass der seit Februar an der Spitze des Unternehmens stehende Narasimhan in keiner Weise in den Cohen-Vertrag verwickelt sei. Auch der Verwaltungsrat wusste zum Zeitpunkt des Abschlusses nichts vom Vertrag mit dem Trump-Anwalt, sagte Präsident Jörg Reinhardt. Novartis ist in eine Reihe von Schmiergeld-Skandalen in den USA, China und Südkorea verwickelt und hat sei 2015 Hunderte Millionen Dollar Vergleichs-und Strafzahlungen geleistet.

Im Rahmen einer Investorenveranstaltung in Basel bekräftigte Novartis die Zielvorgaben. Bis 2022 werden Umsatzwachstum und eine Margensteigerung angepeilt. Treiber dieser Verbesserungen sollen jüngst eingeführte Arzneien, eine Produktpipeline im späten Entwicklungsstadium und Anstrengungen zur Steigerung der Produktivität sein.

Die zur Disposition stehende Augenheilsparte Alcon dürfte zu langfristigem Wachstum und Margen im Rahmen der anderen Branchenvertreter zurückkehren. Novartis prüft gegenwärtig, ob Alcon abgespalten werden soll. Konkrete Maßnahmen seien nicht vor der ersten Hälfte 2019 zu erwarten, bekräftigte der Konzern frühere Angaben.

Novartis bereitet gerade in den USA den nächsten Milliardendeal vor

Derzeit bereitet Novartis den nächsten Milliardendeal in den USA vor: Der Pharmariese will die amerikanische Gentechnikfirma Avexis übernehmen. Der geplante Kaufpreis: rund 8,7 Milliarden Dollar. Aktuell dazu: Übernahme in den USA: Nächster Milliardendeal bei Novartis >>

Mit Blick auf Zukäufe sieht sich Novartis nach dem jüngsten Mega-Deal in der Branche nicht unter Zugzwang. "Ergänzende Zukäufe sind wirklich die Hauptsache, um unsere Pipeline zu stärken", sagte Finanzchef Harry Kirsch. Der Konzern hält damit an der bisherigen Sprachregelung fest.

Der japanische Pharmakonzern Takeda will für knapp 62 Milliarden Dollar den irischen Arzneimittelhersteller Shire kaufen und steigt damit zu den weltweit führenden Pharmariesen auf. (reuters/apa/red)

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