Pharmaindustrie

Novartis: Digitalisierung in Basel, Skandal in Griechenland

Bei Novartis in Basel stehen die Zeichen auf Wachstum - in Griechenland dagegen auf Sturm. Dort wird der Schweizer Pharmariese für den "größten Skandal in der griechischen Wirtschaftsgeschichte" verantwortlich gemacht.

Bei Novartis in Basel stehen die Zeichen auf Wachstum. Zwar hat der Schweizer Pharmariese schon in den vergangenen drei Jahren ein stabiles Wachstum hingelegt. So legte der Umsatz des Vorjahres ohne Wechselkurseffekte um zwei Prozent auf rund 49 Milliarden Dollar zu.

Neuer Konzernchef setzt auf Rendite durch Digitalisierung

Doch manchen geht das nicht schnell genug. Für das laufende Jahr hatte das Management in Basel bereits im Jänner eine Wachstumsrate des Nettoumsatzes im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich in Aussicht gestellt.

Seit Februar ist nun der neue Konzernchef Vasant Narasimhan im Amt. Er soll das Ruder noch stärker herumreissen und die Renditen des Pharmariesen deutlich nach oben treiben. Wichtiger Bestandteil in der Strategie des neuen Konzernchefs: Eine zunehmende Digitalisierung.

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Zorn in Griechenland wächst

Bei Novartis in Griechenland stehen die Zeichen dagegen auf Sturm. Vor wenigen Tagen haben Unbekannte den Firmeneingang von Novartis in Athen verwüstet. Die Täter warfen Farben auf die Fassade und zerschlugen mit Hammern die Scheiben des Eingangs. Später übernahm eine autonome Gruppierung die Verantwortung.

Freilich reicht der Zorn über Novartis in Griechenland weit über autonome Gruppen hinaus - er beherrscht seit Wochen die Schlagzeilen in dem krisenerschütterten Land. Unter Polizeischutz stehende Zeugen werfen dem Schweizer Pharmariesen vor, für den "bisher größten Skandal in der griechischen Geschichte" verantwortlich zu sein. "Gibt es irgendjemanden, der an den undurchsichtigen Praktiken dieses Unternehmens zweifelt?", so die rhetorische Frage des Ministerpräsidenten Alexis Tsipras.

Verdacht auf millionenschwere Bestechungen

Im Mittelpunkt steht der Verdacht auf millionenschwere Bestechungszahlungen. Das angenommene Ziel dahinter: Die Preise für eigene Medikamente in die Höhe zu treiben und durch deren schnelle Genehmigung den Arzneimittelmarkt zu beherrschen. Gleichzeitig sollen den Anschuldigungen zufolge tausende Ärzte mit Geschenken und Konferenzeinladungen dazu gebracht worden sein, Arzneien von Novartis häufiger zu verschreiben.

Doch offenbar geht es inzwischen um mehr als nur um Anschuldigungen. Nach langer Vorarbeit durch die Staatsanwaltschaft prüft das Parlament in Athen nun offiziell die Korruptionsvorwürfe gegen zehn ehemalige griechische Regierungsmitglieder. Sie sollen gegen Geldzahlungen zwischen 2006 und 2015 den lukrativen Verträgen für den Pharmakonzern sowie überhöhten Medikamentenpreisen zugestimmt haben.

Ermittlungen gegen zehn ehemalige Regierungsmitglieder

Dass ausgerechnet die Volksvertretung in dieser Causa ermittelt, hat einen Grund: In Griechenland hat nur das Parlament das Recht, gegen ehemalige Regierungsmitglieder und zu möglichen Verfehlungen während deren Amtszeit zu ermitteln. Und genau um solche ehemaligen Spitzenpolitiker geht es - etwa Tsipras' Amtsvorgänger Antonis Samaras von der konservativen Partei Nea Dimokatia (ND) oder Ex-Finanzminister Evangelos Venizelos oder Yannis Stournaras, früher ebenfalls Finanzminister und heute Notenbankchef.

Sie alle weisen die Anschuldigungen mit harten Worten zurück und bestehen darauf, mit der Causa nichts zu tun zu haben. Dies seien vielmehr reine Erfindungen und eine Hexenjagd der linken Regierung unter Alexis Tsipras. Samaras warf dem jetzigen Regierungschef gar „Bandenbildung“ vor.

Laut den derzeit im Parlament in Athen öffentlich aufliegenden Akten soll der griechische Staat laut Schätzungen der Regierung wegen überteuerten Medikamenten um rund 23 Milliarden Euro betrogen worden sein, wie die "Presse" hier berichtet.

Novartis will im Fall einer Verurteilung "rasch und bestimmt" reagieren

Falls sich die Vorwürfe als wahr erweisen sollten, hat Novartis jetzt schon angekündigt, "rasch und bestimmt" gegen Korruption im eigenen Haus vorgehen zu wollen.

Doch unabhängig davon, mit welchem Ergebnis die Ermittlungen enden: Den Schaden hat das Unternehmen jetzt schon. Und zwar weit über Griechenland hinaus.

(pm mit Material von APA, sda, dpa, dpa-AFX, AFP, Reuters)

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