Erdgas

Nord Stream 2: Gazprom macht jetzt Nägel mit Köpfen

Vor der deutschen Küste röhren schon die Bagger: Beim umstrittenen Projekt Nord Stream 2 macht Gazprom jetzt Nägel mit Köpfen und hat den Bau schon begonnen. Die OMV ist einer der Partner des Projekts.

Die Gazprom-Tochter Nord Stream 2 macht bei der umstrittenen Ostsee-Pipeline nun Nägel mit Köpfen. Im Greifswalder Bodden an der deutschen Küste hätten die seeseitigen, vorbereitenden Arbeiten für die spätere Rohrverlegung begonnen. "Fünf Baggerschiffe arbeiten ab sofort an der Erstellung des Doppelrohrgrabens", teilte Nord Stream mit.

Die Genehmigung habe das Bergamt Stralsund im März erteilt. Es fehlt aber noch grünes Licht aus Dänemark, Russland und Schweden.

Umweltschützer versuchen den Bau zu stoppen

Deutsche und finnische Umweltschützer versuchen den Bau zu stoppen, weil sie mit massiven Umweltschäden im Meer rechnen. Der Naturschutzbund NABU sprach von einem "schwarzen Tag" für den Meeresschutz und den Klimaschutz.

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Durch zwei jeweils gut 1.200 Kilometer lange Stränge sollen jährlich bis zu 55 Milliarden Kubikmeter russisches Gas durch die Ostsee nach Deutschland gepumpt werden. Damit kann der Energiebedarf von mehr als 26 Millionen europäischen Haushalten gedeckt werden. Die westlichen Partner von Gazprom, die an der Finanzierung der Pipeline beteiligt sind, sind der deutsche Energiekonzern Uniper, die BASF-Tochter Wintershall, der französische Versorger Engie, die niederländisch-britische Shell und die österreichische OMV.

Erheblicher Widerstand quer durch Europa

Gegen Nord Stream 2 - aus Österreich ist die OMV beteiligt - gibt es erheblichen Widerstand, etwa in Polen und im Baltikum. Diese Länder fürchten um die üppigen Transitgebühren, die einen nicht geringen Teil der Staatseinnahmen ausmachen. Infolgedessen warnen sie vor einer zu hohen Abhängigkeit von russischem Gas.

Auch in Deutschland befürchten Kritiker eine zu große Abhängigkeit von russischem Gas. Die deutsche Regierung setzt sich für Nord Stream 2 ein. Regierungssprecher Steffen Seibert bekräftigte in Berlin: "Es ist in unserem deutschen Interesse, im europäischen Interesse, dass die Ukraine weiterhin als Transitland für Gas eine Rolle spielt." Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte zuletzt gesagt, die Ukraine müsse auch weiterhin eine Rolle als Transitland spielen. Kritik an der Pipeline kommt auch von den USA, die selbst wirtschaftliche Interessen in der Region haben - sie drohten bereits mit Sanktionen.

Die Betreiber betonen, die Pipeline sei wichtig für die Versorgungssicherheit. Die Erdgas-Pipeline soll Ende 2019 in Betrieb gehen und eine bereits bestehende Leitung ergänzen.

USA dagegen, weil sie eigenes Flüssiggas verkaufen wollen

Auch die USA hatten die Pläne kritisiert. Sie drängen mit eigenem LNG-Gas auf den europäischen Markt. Die Beziehungen zwischen den USA und Russland sind derzeit angespannt. Die USA hatten ihre Sanktionen gegen Russland zuletzt noch einmal verschärft.

Als nicht ausgeschlossen gilt, dass die USA ihre Sanktionen auch auf die Finanzierung von Nord Stream 2 ausweiten könnten, falls Russland keine Zugeständnisse an die Ukraine macht. Dies könnte erhebliche negative Auswirkungen auf das Projekt haben. Die USA verstehen sich als Schutzmacht Kiews, vor allem infolge der Annexion der Krim durch Moskau und Russlands Rolle im kriegerischen Konflikt in der Ostukraine. (reuters/dpa/apa/red)