Konsumgüterindustrie

NÖ. Fahrradhersteller Woom holt Teile der Produktion zurück nach Europa

Der Klosterneuburger Kinderfahrradhersteller Woom holt Teile seiner Produktion aus Asien nach Europa zurück. Für Europa bestimmte Fahrräder lässt Woom seit heuer in einem Werk in Polen bauen. Neu sei, dass nun in Europa für Europa produziert werde, so Unternehmensprecher Matthias Bernold.

Der niederösterreichische Kinderfahrradhersteller Woom lässt einen Teil seiner Fahrräder seit Jahresbeginn in Europa bauen. Heuer kommen 115.000 Woom-Bikes für den europäischen Markt aus Swiebodzin in Polen, wie das Unternehmen mit Sitz in Klosterneuburg mitteilte. Bisher erfolgte die Produktion zur Gänze in drei asiatischen Ländern, in Kambodscha, Vietnam und Bangladesch.

Die Märkte in den USA und Asien würden weiter aus Asien beliefert. Neu sei, dass nun in Europa für Europa produziert werde, sagte Woom-Pressesprecher Matthias Bernold zur APA. Ziel sei es, in Zukunft ein Drittel der Räder in Polen zu fertigen. Die zusätzliche Produktion in Polen war bereits im Vorjahr angekündigt worden.

Das Werk in Swiebodzin im Westen von Polen betreibt die deutsche Firma Sprick Cycle. Dort laufen seit Anfang des Jahres die Kinderfahrräder 1 bis 6 des niederösterreichischen Herstellers vom Band. Mit Sprick habe Woom "einen verlässlichen Partner mit langer Tradition im Fahrradbau gefunden", so das Unternehmen. In zwei kompletten Laufradstraßen für Fahrräder in allen Größen und mit Hilfe von hoch automatisierten Verfahren für Einspeichung und Zentrierung sollen bis Ende 2021 bereits 115.000 Kinderräder endgefertigt werden. Das entspricht knapp 40 Prozent der gesamten Jahresproduktion. Daneben laufen die Vorbereitungen für die polnische Endfertigung von Mountainbikes auf Hochtouren.

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Kürzere Lieferzeiten

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"Die fortschreitende Automatisierung, aber auch die rückläufige Entwicklung bei den Zulieferern der Automobil- und Luftfahrtindustrie eröffnen Möglichkeiten bei der Produktion und Montage von Fahrrädern in Europa. Bisher hat die Bike-Industrie ihre Komponenten fast ausschließlich von Spezialisten aus Asien bezogen. Jetzt wird es möglich, mit Zulieferern in Europa zu entwickeln und zu produzieren. Da sehen wir eine Riesenchance für Woom", so Geschäftsführer Guido Dohm.

Statt die Komponenten 30 Tage auf See von Asien nach Europa zu verschiffen, können diese Komponenten in Zukunft binnen weniger Tage innerhalb der EU per Lkw an die Fertigungslinien gebracht werden.

Coronakrise zeigt Wichtigkeit von Produktionsstandorten in Europa

Die Wichtigkeit, Produktionsstandorte in Europa zu haben, zeigte sich nicht zuletzt während der Coronakrise: Produktionsstätten in Asien wurden aufgrund des Lockdowns teilweise heruntergefahren; Transportwege wurden unverlässlicher. Bis heute leidet die Fahrrad-Branche unter Lieferengpässen bei gängigen Komponenten. Das hat Auswirkungen auf die gesamte Produktion und schlägt sich für Kundinnen und Kunden phasenweise in langen Wartezeiten nieder. Die Lieferzeiten für einzelne Komponenten haben sich verlängert: zum Teil von 90 Tagen auf 600 Tage.

Absatz in der Coronakrise enorm gestiegen

Woom hat im Coronajahr 2020 über 200.000 Kinderfahrräder verkauft, das ist ein Plus von 63 Prozent gegenüber 2019. Die in sechs Größen erhältlichen Räder waren vergangenes Jahr zum Teil ausverkauft oder wegen fehlender Komponenten eine Zeit lang nicht lieferbar.

Die Firma wurde 2013 von Christian Bezdeka und Marcus Ihlenfeld gegründet. 2020 stiegen mehrere Investoren, darunter der Runtastic-Gründer Florian Gschwandtner und die Beteiligungsgesellschaft der hinter C&A stehenden niederländischen Unternehmerfamilie Brenninkmeyer, Bregal, ein.

(red mit apa)

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