Nissans neuer Chef will Kooperation mit Renault stärken

Nissans neuer Chef Makoto Uchida will wieder eng mit dem französischen Partner Renault zusammenarbeiten. In Japan sind massive Kürzungen geplant: Bei Nissan soll die Produktion von Autos und die Zahl der Mitarbeiter um ein Zehntel sinken.

Der neue Nissan-Chef Makoto Uchida will den zweitgrößten japanischen Autobauer wieder in die Spur bringen und eng mit dem französischen Partner Renault zusammenarbeiten. Dabei solle aber die Unabhängigkeit des Konzerns bewahrt bleiben, teilte der am 1. Dezember angetretene Vorstandschef Uchida mit.

Ein Jahr nach der Festnahme des langjährigen Konzernlenkers Carlos Ghosn will Nissan damit einen Schlussstrich unter den Untreue-Skandal ziehen. Mit einem radikalen Sparkurs, dem fast jede zehnte Stelle zum Opfer fällt, sollen die unter Ghosn aufgeblähten Kosten wieder in den Griff bekommen werden.

Massive Einschnitte in Japan geplant

Nissan kämpft noch immer mit dem Imageschaden durch die Festnahme von Ghosn vor einem Jahr wegen des Vorwurfs der Untreue. Zugleich macht den Japanern ihr Billigimage vor allem in den USA zu schaffen, wo Nissan jahrelang mit Schnäppchenpreisen Marktanteile gewinnen wollte. Das neue Führungsteam rund um Uchida will im Rahmen des Sparprogramms nun die Fahrzeugproduktion bis 2023 um zehn Prozent zurückfahren.

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Neuer Generalsekretär von Renault, Nissan und Mitsubishi

Der französisch-libanesische Ingenieur Hadi Zablit wird neuer Generalsekretär der Allianz von Renault, Nissan und Mitsubishi. Der 49-Jährige soll wichtige Projekte der Zusammenarbeit des französisch-japanischen Bündnisses koordinieren, sagten Unternehmensvertreter am Freitag der Nachrichtenagentur AFP. Der neu geschaffene Posten ist Teil einer neuen Unternehmensstrategie, mit der sich die drei Konzerne nach der Verhaftung ihres damaligen Managers Carlos Ghosn vor einem Jahr neu aufstellen wollen.

Zablit leitete bisher den Bereich Geschäftsentwicklung des Bündnisses, das 2017 weltweit 10,6 Millionen Fahrzeuge verkaufte. Er begann 1994 als Ingenieur und Produktmanager bei Renault. 2000 wechselte er zur Boston Consulting Group, kehrte vor fast drei Jahren jedoch zu dem französischen Autokonzern zurück.

Überkreuzbeteiligungen und Sanierung von Nissan

Renault hatte 1999 rund ein Drittel der Anteile des japanischen Autobauers Nissan übernommen, der damals kurz vor dem Bankrott stand. Der damalige Renault-Chef Carlos Ghosn sanierte Nissan nach Vorbild des eigenen Hauses und holte 2016 auch Mitsubishi ins Boot.

Im November 2018 wurde Ghosn festgenommen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem einst gefeierte Automanager in einer Reihe von Punkten finanzielles Fehlverhalten vor. Er soll unter anderem persönliche Verluste auf Nissan übertragen haben. Ghosn saß 130 Tage im Gefängnis, dann wurde er unter strengen Auflagen freigelassen. Der Prozess soll im kommenden Frühjahr beginnen. Ghosn selbst streitet alle Vorwürfe ab. (reuters/afp/apa/red)

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