Luftfahrt

Niki: Weiterhin Hoffnung auf "ganzheitliche Fortführung"

Die österreichische Fluggesellschaft Niki könnte den Anzeichen nach an den spanischen Billigflieger Vueling verkauft werden. Medien zufolge müssen sich die Angestellten von Niki jetzt bei den Spaniern "neu bewerben".

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Der spanische Billigflieger Vueling - der wie British Airways und Iberia zum britisch-spanischen Luftfahrtkonzern IAG (International Airline Group) gehört - soll, nach allem was bisher bekannt ist, für die insolvente Niki den Zuschlag erhalten.

Firmenvertreter zu Gesprächen in Wien

IAG/Vueling hat das höchste Angebot abgegeben. Unterschriften unter einen Kaufvertrag standen zuletzt aber noch aus.

Niki soll nun unter dem Dach von Vueling integriert werden, heißt es von informierten Quellen. Die Angestellten der insolventen österreichischen Fluggesellschaft sollen sich neu bewerben, schreibt die "Berliner Morgenpost", die Spanier wollen den Niki-Beschäftigten neue Verträge anbieten. Nach Informationen dieser Zeitung sollen Vueling-Vertreter bereits nach Wien gereist sein.

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Vueling soll schon die Jänner-Gehälter übernehmen

Der neue Niki-Eigentümer soll bereits ab Jänner Gehälter zahlen und den laufenden Betrieb finanzieren. Luftfahrtexperten sehen Niki bei Vueling gut aufgehoben. "Die Spanier verstehen ihr Geschäft", sagte der Hamburger Flugmarkt-Experte Cord Schellenberg in der "Berliner Morgenpost".

Hohe Marktanteile hat der spanische Billigflieger vor allem in seiner Heimat Spanien. Das galt indes auch bei Niki. Als bei Niki heuer die Welt fast noch in Ordnung war, war auch der österreichische Air-Berlin-Ableger ganz massiv im Spanien-Geschäft. Seit Niki im heurigen Frühjahr für Air Berlin den gesamten Mallorca-Verkehr aus dem deutschsprachigen Raum übernommen hatte, galt die Airline als der neue "Mallorca-Shuttle". Aus Österreich, Deutschland und der Schweiz standen für den heurigen Winterflugplan 145 Niki-Flüge pro Woche auf dem Flugplan.

Der Plan der Spanier

Vueling ist IAG-konzernintern die Low-Cost-Alternative zur spanischen Iberia. Beide operieren demnach ähnlich wie die AUA-Mutter Lufthansa mit ihrer Billig-Tochter Eurowings: Iberia zielt stark auch auf Geschäftsreisende ab und fliegt Langstrecken, Vueling fliegt europäische Strecken und Ferienziele.

Mit einem Kauf von Niki könnte Vueling in diesem Segment zulegen - und auch in Deutschland und Österreich Fuß fassen. Vueling bzw. IAG hat auch nach Angaben im "Handelsblatt" wohl keine Probleme, die Flugzeuge von Niki über die eigenen Vertriebskanäle schnell wieder zu füllen und damit Umsatz zu erzielen.

Zur Erinnerung: Niki war in den letzten Jahren eine Art verlängerte Werkbank von Air Berlin, wesentliche Abwicklungen (darunter Streckenplanung, Verkauf) liefen bei der Mutter Air Berlin.

Vueling - 2004 etabliert - sitzt in Barcelona in der nach Unabhängigkeit von Spanien strebenden Region Katalonien. Die Billigairline fliegt viele Ziele in Spanien, Italien, Frankreich und Großbritannien an. Wien-Verbindungen gibt es von Barcelona, Paris und Rom.

Zum Schicksal von Niki hieß es am Freitag zur APA in Wien, dass in diesen Tagen die Drähte heiß liefen, eine große Rolle soll der Verkehrsminister spielen, von dem unter anderem die Gewerkschaften Hilfestellung in der Transformation der Niki erhoffen. Bisher ruht der Flugbetrieb von Niki.

In einem Schreiben an die rund 1.000 Niki-Beschäftigten haben Geschäftsführer Oliver Lackmann und Insolvenzverwalter Lucas Flöther Donnerstagabend erklärt, der vom vorläufigen Gläubigerausschuss ausgewählte Investor strebe eine ganzheitliche Fortführung des Geschäftsbetriebs "mit mindestens einem Großteil der Arbeitsplätze" an: "Eine Zerschlagung von NIKI wird mit diesem Investor definitiv nicht erfolgen." Der Insolvenzverwalter nimmt in seinen Informationen an die Öffentlichkeit den Namen IAG oder Vueling noch nicht in den Mund, offiziell ist nur von einem "renommierten internationalen Investor" die Rede. (apa/red)