Luftfahrt

Niki: „Unter den Umständen war es die beste Lösung“

Wenn die EU-Kommission zustimmt, erhält die British-Airways-Mutter IAG den Zuschlag für die insolvente Fluggesellschaft Niki. Die Beschäftigten atmen auf, Kritik für den „lächerlichen“ Kaufpreis kommt von der deutschen CSU.

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Die geplante Übernahme der insolventen Fluggesellschaft Niki durch die British-Airways-Mutter IAG stößt bei den Beschäftigten auf Erleichterung. Niki-Betriebsratschef Stefan Tankovits begrüßte den Erwerb wesentlicher Teile der österreichischen Air-Berlin-Tochter durch die International Airlines Group (IAG), dem die EU-Kommission noch zustimmen muss, denn: „unter den Umständen war es die beste Lösung", sagte Tankovits im Ö1-Morgenjournal. "Jetzt haben wir die Information, dass es für 750 Mitarbeiter von 1000 auf jeden Fall weitergeht." Um die verbleibenden Angestellten mache er sich keine großen Sorgen. Es gebe sehr gute Jobchancen bei Konkurrenten für das fliegende Personal. Tankovits geht davon aus, dass Niki nicht vor März wieder fliegt. Zunächst müssten IT-Verkaufssysteme umgestellt werden.

Der zu IAG gehörende spanische Billigflieger Vueling will für 20 Millionen Euro große Teile des Niki-Geschäftsbetriebes übernehmen. Zudem erklärte sich IAG bereit, der Fluglinie für die Zeit bis zur Übernahme mit Finanzmitteln von bis zu 16,5 Millionen Euro unter die Arme zu greifen. Damit sollen laufende Betriebskosten gedeckt werden. Ein Verkauf wird bis Ende Februar angestrebt. 

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat erst kürzlich prophezeit, dass Niki nicht als „Ganzes“ überleben werde. 

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Übernahme zum „Schnäppchenpreis“?

Der Verkauf ruf auch gleich Kritiker auf den Plan: "Die EU-Wettbewerbsbehörde hat einen Interessenten vergrault, der bereit war, für Niki rund 200 Millionen Euro zu zahlen. Nun wird die Fluggesellschaft für die lächerliche Summe von 20 Millionen Euro an die britische Holding IAG verscherbelt“, sagt etwa CSU-Finanzpolitiker Hans Michelbach.

Den Schaden hätten die Gläubiger und die deutschen Steuerzahler. Der stellvertretende Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag forderte eine genaue Untersuchung. Das gelte besonders für das Handeln von EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Michelbach warf Brüssel vor, den Abbruch der Gespräche durch Lufthansa provoziert zu haben, "um einem bestimmten Investor eine Übernahme zum Schnäppchenpreis zu ermöglichen". Damit hat die Kommission nach seinen Worten "ihre Neutralitätspflicht in grober Weise verletzt".

Die Lufthansa hatte zuvor eine bereits ausgehandelte Übernahme wegen Bedenken der EU-Wettbewerbshüter abgesagt. Lufthansa wollte für die Air-Berlin-Tochter Niki nach früheren Angaben 190 Millionen Euro zahlen. Deutschland hat bisher erst einen Teil seines Überbrückungskredits von 150 Millionen Euro für die insolvente Air Berlin zurück erhalten. Zur Tilgung sollte auch der Erlös aus dem geplatzten Niki-Verkauf an Lufthansa genutzt werden.

„Niki passt perfekt in die Strategie“

Nach Angaben des vorläufigen Niki-Insolvenzverwalters Lucas Flöther sollen nach der Übernahme durch IAG rund drei Viertel der Arbeitsplätze erhalten bleiben. Nach Darstellung von IAG-Chef Willie Walsh passt Niki perfekt in die Strategie von Vueling. Der Konzern will den Kauf über eine neue, österreichische Tochter von Vueling abwickeln und nach eigenen Angaben 740 der rund 1000 Mitarbeiter übernehmen.

Der Erwerber übernehme die Niki-Markenrechte, alle Start- und Landerechte der Niki Luftfahrt GmbH sowie bis zu 15 Mittelstreckenjets der Typen Airbus A320 und A321, teilte Flöther nach Unterzeichnung des Kaufvertrages am späten Freitagabend weiter mit. Laut IAG soll ein "attraktives" Paket aus Start- und Landerechten an Flughäfen wie Wien, Düsseldorf, München, Palma de Mallorca oder Zürich erworben werden.

Die Flugzeuge selbst sind in dem Kaufpreis nicht enthalten. Die Niki-Jets sind allesamt geleast und gehören teilweise bereits der Lufthansa, die die Übernahme der Niki nach Bedenken der EU-Kommission abgeblasen hatte.

„Sehr gute Lösung“

Gegenüber dem Luftfahrtportal "Austrian Aviation Net" erklärte eine Sprecherin des IAG-Konzerns, dass fünf Flugzeuge in Wien-Schwechat stationiert werden sollen. Details zu den Strecken sollen laut IAG demnächst bekannt gegeben werden. Derzeit steuert die Low-Cost-Airline von Wien aus nach Barcelona, Palma, Paris und Rom.

"Die Übernahme durch Vueling ist für beide Seiten eine sehr gute Lösung", sagte Flöther. Niki erhalte einen finanzstarken Partner mit einem langfristigen Fortführungskonzept. Dies sei neben dem besten Kaufpreisangebot auch der Grund gewesen, warum sich der vorläufige Gläubigerausschuss für Vueling ausgesprochen habe.

IAG-Chef Walsh sagte laut einer Pressemitteilung: "Niki war der wirtschaftlichste Teil von Air Berlin, und die Ausrichtung auf den Freizeitbereich passt perfekt zur Strategie von Vueling." Diese Einigung erlaube Vueling, seine Präsenz in Österreich, Deutschland und der Schweiz zu verstärken.

Die spanisch-britische Holding IAG ist der drittgrößte europäische Luftfahrtkonzern. Zu diesem gehören neben British Airways und Vueling auch Iberia, Aer Lingus und Level. (apa/dpa)