Luftfahrt

Niki: "Ich geh einmal hin und stell mich vor"

„Das Ganze heißt ab jetzt Laudamotion“, sagt der ursprüngliche und auch neue Besitzer Niki Lauda. Ein Gespräch mit den Mitarbeitern steht noch bevor, ab März jedenfalls sollen 15 Flieger abheben.

"Es war eine lange Nacht, um es kurz zu sagen", sagte Lauda. "Jetzt muss ich alles organisieren und den Niki-Mitarbeitern erklären, wie wir die Niki über Laudamotion neu aufstellen werden." Lauda hatte 2003 Teile der insolventen deutschen Fluggesellschaft Aero Lloyd übernommen und daraus Niki bzw. "flyniki" geformt. Niki sei immer sein Herzblut gewesen. Lauda kündigte an, mit 15 Flugzeugen zu Beginn des Sommerflugplans Ende März wieder abzuheben, der Fokus liege auf touristischen Strecken.

Wie tief Lauda für Niki in die Tasche gegriffen hat, ist nicht bekannt. Darüber sei Stillschweigen vereinbart worden, so Lauda. Beim letzten - nun hinfälligen - Bieterprozess in Deutschland war Lauda der Billigtochter Vueling des britisch-spanischen Luftfahrtkonzern IAG noch um einige Millionen Euro unterlegen gewesen. Lauda dürfte diesmal mehr geboten haben als jene 36,5 Mio. Euro, die IAG zuletzt bereit war zu zahlen.

Niki Lauda als Arbeitgeber

Auch was die Mitarbeiter betrifft, hat Lauda nach Angaben von Niki-Betriebsratschef Stefan Tankovits nachgelegt. Er habe sich zum Standort bekannt, Gesprächsbereitschaft über einen Kollektivvertrag signalisiert sowie erklärt, dass alle rund 1.000 Beschäftigten ein Angebot erhalten werden, so der Belegschaftsvertreter.

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Positiv für die Mitarbeiter sei momentan, "dass eine Entscheidung gefallen ist und es Klarheit gibt. Das Bangen, Hoffen und Zweifeln hat jetzt ein Ende", so der Arbeitnehmer-Vertreter. Er erinnerte aber auch, dass es "in der Vergangenheit gewisse Probleme" mit Lauda als Arbeitgeber gegeben habe.

"Erfahrungen sehr unterschiedlich"

Unter den Mitarbeitern genießt Lauda nicht den besten Ruf, weil er das Flugpersonal lange Zeit als Leiharbeiter über eine Personalleasingfirma anstellte. Dabei sei der Gewerbe-KV angewendet worden, der für die Luftfahrt nicht angebracht sei. Die Erfahrungen mit dem Unternehmer als Arbeitgeber seien "sehr unterschiedlich". Jetzt müsse er, "um Vertrauen zu gewinnen, etwas auf den Tisch legen", so Dürtscher in Richtung Lauda. Die Beschäftigten hatten sich zuletzt für Vueling und gegen Lauda ausgesprochen. 50 bis 100 Flugbegleiter haben der Fluglinie bereits den Rücken gekehrt und viele der rund 220 Piloten haben Angebote von anderen Airlines. 

Die Vorbehalte der Niki-Belegschaft erklärte ein Flugkapitän mit den "unschönen Erlebnissen" des vergangenen Halbjahres. "Wir sind leider sehr leidgeprüft." Wichtig sei nun, dass es eine Perspektive gibt. Ob Niki im Frühjahr ein Pilotenengpass droht, sei schwer zu sagen. Viele hätten aber bereits Angebote von AUA, Eurowings oder Wizz Air, diese würden nun mit jenem von Lauda verglichen.

"Wir erwarten, dass jetzt fix angestellt wird bei Niki, dass es einen KV gibt, der für die Beschäftigten gilt", forderte Dürtscher. Der bestehende Kollektivvertrag von Niki, die Airline gehörte zuletzt der Pleite-Fluglinie Air Berlin, könne weiterverwendet werden. "Momentan ist es wenig vertrauensbildend, wenn Lauda sagt, er kennt den KV nicht. Der ist öffentlich einsehbar."

"Ich geh einmal hin und stell mich vor" 

Niki Lauda wollte sich währenddessen „anschauen“, wie die Stimmung unter den rund 1.000 Mitarbeitern ist, nachdem er die von ihm gegründete Fluglinie aus der Insolvenz übernommen hat. "Ich geh einmal hin und stell mich vor", sagte Lauda  am Wiener Flughafen vor der Mitarbeiterveranstaltung. Er werde sich ansehen, was sich in den vergangenen sieben Jahren abgespielt hat, in denen er weg war, so Lauda. Nun gehe es um eine Bestandsaufnahme und einen Neustart. Die Mitarbeiter will er trotz bestehender Skepsis überzeugen, zu bleiben. "Ich glaub nicht, dass es so schwer sein wird", sagte Lauda vor Journalisten. Die Beschäftigten begrüßte Lauda bei Betreten des Saales mit einem lauten "Morgen".

"Kein Kommentar"

Die meisten Niki-Mitarbeiter wollten sich nicht vor der Kamera äußern. Mit einem "Kein Kommentar" gingen sie an den wartenden Journalisten vorbei in den Saal, wo die Info-Veranstaltung stattfand. Viele hätten die spanische IAG-Billigtochter Vueling als Käufer bevorzugt. Manche zeigten sich aber auch erfreut, dass es nach den Jahren im deutschen Air-Berlin-Konzern nun wieder unter österreichischer Führung weitergeht. Vertreter von Gewerkschaft und Arbeiterkammer waren unter Verweis auf einen interne Veranstaltung nur für Mitarbeiter nicht willkommen.

Lauda hat den Mitarbeitern auf der Veranstaltung zugesichert, nicht wieder so wie in der Vergangenheit auf Leiharbeitsverträge zu setzen. Er versprach, dass sich die neuen Verträge am bisherigen Stand orientieren werden und es zu keiner Verschlechterung kommt. Vor Medien gab sich der Ex-Rennfahrer und mehrmalige Airlinegründer wortkarg. In Deutschland wurde indes der Weg für den Verkauf an Lauda freigeräumt.

Laudamotion zahlt ab 1. März die Gehälter der Niki-Mitarbeiter, wie es nach der Mitarbeiterveranstaltung hieß. Bis dahin kommt das Geld indirekt von Lauda über die Insolvenzmasse, so wie es auch beim Deal mit Vueling geplant war. Von 1. bis 12. Jänner sprang in Österreich der Insolvenzentgeltfonds ein.

Will IAG gegen die Entscheidung vorgehen?

IAG bedauerte, nicht den Zuschlag bekommen zu haben. "IAG ist enttäuscht, dass Niki nicht in der Lage sein wird, sich als Teil der Gruppe zu entwickeln und zu wachsen", teilte der Konzern in einer kurzen Mitteilung in London mit. Das Unternehmen wollte sich nicht dazu äußern, ob es gegen die Entscheidung vorgehen will.

Der deutsche Airline-Experte Gerald Wissel von der Hamburger Beratungsgesellschaft Airborne sagte gegenüber der deutschen Nachrichtenagentur dpa, Lauda habe im Vorfeld seines Angebots ausführliche Gespräche mit Touristikanbietern geführt, die nun größere Kontingente für ihre Gäste bei der Niki buchen dürften. In erster Linie komme dafür der deutsch-britische Konzern Thomas Cook infrage, aber auch TUI und andere Anbieter hätten ein Interesse an einem Ferienflieger außerhalb des Lufthansa-Konzerns. "Das birgt durchaus die Chance, durch Fusionen einen größeren Ferienflieger zu begründen", meinte Wissel.

Regierung zeigt sich erfreut

Der Reiseveranstalter Thomas Cook und dessen Ferienflieger Condor waren am Angebot entgegen Laudas Aussagen nicht beteiligt. Es gebe allerdings eine Anfrage von Laudamotion, sie beim Flugbetrieb mit verschiedenen operativen Dienstleistungen zu unterstützen. In der Vergangenheit hatte die inzwischen insolvente Air Berlin viele Bereiche ihrer Tochter Niki gemanagt. Thomas Cook und Condor wollen jedenfalls bei Lauda größere Sitzkontingente für Urlaubsangebote buchen.

Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ), selbst einst Flugzeugtechniker bei Lauda Air, begrüßt den Zuschlag an Niki Lauda. Sein Ministerium habe sichergestellt, dass Nikis Luftverkehrsbetreiberzeugnis (AOC) trotz Insolvenz aufrecht bleibt. Es sei gut für den Standort, dass die Fluglinie in österreichische Hände komme. "Es wird nach allen Informationen, die wir jetzt haben, keine rechtlichen Probleme geben. Das ist fast völlig ausgeschlossen. Und die Flugzeuge - ich habe vorhin mit Niki Lauda telefoniert - stehen zur Verfügung", so Hofer. Auch die Regierungsspitze zeigte sich erfreut.

Lauda begibt sich in raues Umfeld

Der Übernahme steht indes auch formal nichts mehr im Weg: Die Niki Luftfahrt GmbH hat in Deutschland ihre Beschwerde gegen die Durchführung des Hauptinsolvenzverfahrens in Österreich zurückgezogen, gleichzeitig wurde in Berlin ein Sekundärinsolvenzverfahren eröffnet. Der deutsche Gläubigerausschuss hat bereits Dienstagabend dem Verkauf an Lauda zugestimmt.

Lauda begibt sich nach Einschätzung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC allerdings in ein besonders raues Umfeld. Nach mehreren Airline-Pleiten und Flughafen-Deals im vergangenen Jahr erwarten die PwC-Berater auch für 2018 eine weitere Konsolidierung im europäischen Luftverkehr. Weitere Pleiten und Übernahmen seien daher wahrscheinlich. Und der Konkurrenzdruck bleibe voraussichtlich hoch, wie die Markteintritte der ungarischen Wizz Air in Österreich und der Easyjet in Deutschland zeigten. (apa)