Blockchain

"Niemand will auf der Strecke bleiben, was die Blockchain betrifft"

Kaum ein Unternehmen will den Hype um die Blockchain-Technologie verschlafen: Laut einer Studie von PwC haben bereis vier von fünf Führungskräften Blockchain-Initiativen gestartet.

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Thomas Riegler, Digital & Innovation Leader bei PwC Österreich: "Von Geschäftsführern hören wir, dass niemand auf der Strecke bleiben will, was die Blockchain betrifft."

Wird sich die Blockchain durchsetzen oder erleben wir einen simplen Technologie-Hype? Eine aktuelle Studie von PwC unter 600 Führungskräften in 15 Ländern zeigt, dass sich die befragten Unternehmen bereits entschieden haben: Demnach haben 84 Prozent der von PwC befragten Führungskräfte Blockchain-Initiativen eingeleitet, 15 Prozent sind bereits im Echtbetrieb. Zehn Prozent berichten über Pilotprogramme zur Implementierung der Blockchain, beinahe ein Drittel (32 Prozent) hat Entwicklungsprojekte gestartet und ein Fünftel der Befragten (20 Prozent) ist im Forschungsstadium. 

Führend sind dabei, wenig überraschend, zwei Länder: USA und China. Knapp ein Drittel der Befragten geht dabei davon aus, dass innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre China die USA bei der Entwicklung von Blockchain-Projekten überholt haben wird. 

Entwicklung in Österreich

Auch in Österreich bauen sich Industriebetriebe maßgeschneiderte Blockchains selbst. Die Vielfalt der laufenden Projekte ist dabei riesig, die Parameter, damit eine Blockchain wirklich „passt“, sind hingegen nur einige wenige.

Außerdem will aktuelle ein Netzwerk aus nationalen und internationalen Wissenschaftlern Österreich an die Weltspitze für Blockchain-Forschung führen. Das „ABC Austrian Blockchain Center“ soll ein heimischer "One-Stop-Shop" für Blockchain- und blockchainnahe Technologien und Anwendungen schaffen und als Anlaufstelle für internationale F&E-Projekte für Blockchain fungieren. Vor dem Sommer wurde der entsprechende Antrag für ein K1-Zentrum eingereicht.

Gemeinsame Standards

Das World Economic Forum prognostizierte kürzlich, dass schon im Jahr 2025 insgesamt 10 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts mit Hilfe der Blockchain-Technologie abgewickelt werden. Doch dazu brauche es gemeinsame Standards und unternehmensübergreifende Zusammenarbeit - auch mit Konkurrenten. Denn die größten Vorteile der Blockchain würden über gemeinsame branchenweite Plattformen entstehen, so die Informationen der Studie. „Von Geschäftsführern hören wir, dass niemand auf der Strecke bleiben will, was die Blockchain betrifft. Im derzeitigen frühen Entwicklungsstadium bestehen jedoch noch große Bedenken im Zusammenhang mit Vertrauen und regulatorischer Unsicherheit“, erklärt  Thomas Riegler, Digital & Innovation Leader bei PwC Österreich.

Branchen

Die Umfrage spiegelt außerdem die frühe Dominanz von Blockchain-Entwicklungen im Bereich Finanzdienstleistungen wider – 46 Prozent sehen diesen Bereich derzeit und 41 Prozent in naher Zukunft (drei bis fünf Jahre) als führend an. Zu den Branchen, in denen die Befragten innerhalb von drei bis fünf Jahren steigendes Potenzial erkennen, zählen die Energie- und Versorgungswirtschaft (14 Prozent), das Gesundheitswesen (14 Prozent) und die industrielle Fertigung (zwölf Prozent).

Doch auch der Handel will in Sachen Blockchain mitmischen, auch wenn die Branche von einer breiten Anwendung noch weit entfernt ist. "Eines der spannendsten Anwendungsfelder ist die Verwendung der Blockchain zur Sicherstellung der Produktqualität im Lebensmittelhandel und in der Zertifizierung", so Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will. "Jetzt ist die Zeit, innovative Pilotprojekte zu starten, um in Zukunft einen Wettbewerbsvorteil zu haben.“ Der grundsätzliche Mehrwert der Blockchain in der Lieferkette bestehe dabei darin, dass ein unveränderbares Verzeichnis aller Aspekte einer Transaktion geschaffen wird - von der Herkunft des Rohstoffs über die Verarbeitung bis zur Verpackungshistorie“, so das Austrian Institute of Technology (AIT) in einer Studie zum Thema.

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Werden schon 2025, wie das World Economic Forum prognostiziert, 10 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts mit Hilfe der Blockchain-Technologie abgewickelt?

Doch: "Um das volle Potenzial der Blockchain und möglicher Folgetechnologien, die wie Hashgraph oder IOTA ohne Verkettung von Blöcken funktionieren, ausschöpfen zu können, braucht es für Unternehmen vor allem Steuer- und Rechtssicherheit", betonte Will. Das zeigt auch die PwC-Studie deutlich. So ist etwa für 45 Prozent der befragten Führungskräfte mangelndes Vertrauen das größte Hindernis für die Einführung der Blockchain, 48 Prozent geben die regulatorische Unsicherheit an. 

„Blockchain sollte per Definition Vertrauen schaffen. Aber in Wirklichkeit sind Unternehmen auf Schritt und Tritt mit Vertrauensthemen konfrontiert. Wenn nicht von Anfang an ein klarer Business Case definiert wird, kommen Projekte ins Stocken”, so Thomas Riegler. „Unternehmen müssen sich mehr anstrengen und Wege in ihr Konzept aufnehmen, um Vertrauen zu schaffen und regulatorische Bedenken auszuräumen.“

Was hält Unternehmen von der Blockchain ab?

Von den Befragten, die über kein oder nur geringes Engagement im Bereich Blockchain berichteten, gab einer von drei als Gründe für den mangelnden Fortschritt in diesem Bereich die Kosten (31 Prozent) an, gefolgt von Unsicherheit darüber, wo man beginnen soll (24 Prozent) sowie Führungsthemen (14 Prozent).
    
„Eine Blockchain zu erstellen, zu implementieren und ihr Potenzial zu realisieren, ist kein IT-Projekt. Es ist eine Umgestaltung von Geschäftsmodellen, Rollen und Prozessen. Dazu ist ein klarer Business Case nötig, ein Ökosystem zur Unterstützung. Es braucht Regeln, Normen und Flexibilität, um regulatorischen Veränderungen Rechnung zu tragen”, so Riegler.

Vier Schwerpunktbereiche 

Die Studie identifizierte schließich vier Schwerpunktbereiche bei der Entwicklung von internen oder branchenweiten Blockchain-Plattformen.
    
1.  Erstellen des Business Case
Organisationen können klein anfangen, aber sie müssen den Zweck der Initiative deutlich machen, damit andere Beteiligte sich damit identifizieren und darauf einstellen können.
2.  Schaffen eines Ökosystems
Die Beteiligten sollten aus verschiedenen Unternehmen einer Branche zusammenkommen und ein gemeinsames Regelwerk zur Verwaltung der Blockchains erarbeiten. Von den 15 Prozent der Umfrageteilnehmer, die bereits über Anwendungen im Echtbetrieb verfügen, waren 88 Prozent entweder leitende oder aktive Mitglieder eines Blockchain-Konsortiums.
3.  Bewusstes Designen rund um das, was Anwender sehen und tun können 
Partner benötigen Regeln und Normen für Zugriffsberechtigungen. Die Einbindung von Risikoexperten wie Juristen, Compliance- und Cybersecurity-Spezialisten von Anfang an schafft Blockchain-Bedingungen, denen Regulatoren und Anwender vertrauen können.
4.  Steuern der regulatorischen Unsicherheit
Die Studie warnt, dass Blockchain-Entwickler nicht warten sollten, sondern beobachten, wie sich regulatorische Anforderungen in den kommenden Jahren entwickeln. Es ist absolut notwendig, sich mit Regulatoren auseinander zu setzen und die Entwicklung der Bedingungen mitzugestalten. (red/apa)

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