Wasseraufbereitung

Neues Kompetenzzentrum für Wasseraufbereitung in Klagenfurt eröffnet

Das neue Kompetenzzentrum für Wasseraufbereitung und -desinfektion des Prüfunternehmens OFI verfügt über den modernsten und größten Prüfstand für UV-Desinfektionsanlagen im eurasischen Raum.

Wasserversorgung OFI Standort Kärnten

Damit Trinkwasser immer sauber aus der Leitung kommt, werden Wasseraufbereitungsanlagen vor Inbetriebnahme gründlich geprüft. Dafür sorgt ein neues Kompetenzzentrum für Wasseraufbereitung und -desinfektion des Prüf- und Forschungsunternehmen OFI in Klagenfurt, das am Donnerstag eröffnet worden ist. Herzstück ist der laut OFI modernste und größte Prüfstand für UV-Desinfektionsanlagen im eurasischen Raum.

"Die neue Prüfstelle hat eine Durchflussleistung von bis zu 4.600 Kubikmetern Wasser pro Stunde", erklärt Projektleiter Jürgen Zechner vom OFI im APA-Gespräch die Dimension der Anlage, "um die herum ein Betriebsstandort entstanden ist". Zum Vergleich: Die bisher größte Anlage in Deutschland habe einen Durchfluss von 3.200 Kubikmetern.

Geprüft werden damit Prototypen und neu entwickelte UV-Desinfektionsanlagen aller Größen und Formen, bevor sie in den Verkauf und folglich bei Wasserversorgern für die Desinfektion von Trinkwasser zum Einsatz kommen. Die Experten des OFI kontrollieren dabei, ob die jeweilige Anlage die Anforderungen an die mikrobizide, also Mikroben abtötende Wirkung bei einer bestimmten Durchflussleistung und definierten Wasserqualität erfüllt.

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"Die kleinste Anlage kann einen Durchfluss von einem Kubikmeter pro Stunde haben und ist so groß wie eine Trinkflasche. Die größten Anlagen haben ca. vier Meter Länge, bis zu zweieinhalb Meter Breite und drei Meter Höhe", so Zechner. Für eine Überprüfung wird eine UV-Desinfektionsanlage in eine Prüfstrecke eingebaut, die über die hauseigene Pumpstation mit Testwasser versorgt wird. Der interne Kreislauf wird sodann auf den gewünschten Durchfluss eingestellt und das Wasser gezielt mit Schmutzstoffen wie etwa Testorganismen (Bakteriensporen) verunreinigt, bevor es durch die zu prüfende Anlage geschickt wird.

UV-Desinfektionsgeräte erzeugen Licht mit einer Wellenlänge zwischen 200 und 300 Nanometern. Die mikrobizide Wirkung für Bakterien basiert auf der Aufnahme von Photonen in deren DNA und RNA. Dabei werden photochemische Reaktionen ausgelöst, die die Bakterien deaktivieren. Diese können sich nicht mehr vermehren und so keinen Schaden anrichten. Das Wasser ist nach einer UV-Desinfektion also streng genommen nicht keimfrei, für den Menschen aber unbedenklich konsumierbar.

Neben der Prüfung von UV-Desinfektionsanlagen "nach allen weltweit anerkannten Regelwerken" können mit dem Prüfstand auch "Advanced Oxidation Processes" (AOP) in großtechnischem Maßstab validiert werden. Bei solchen Verfahren werden organische und anorganische Stoffe in Abwässern durch Oxidation aufbereitet. Die Stoffe, etwa Pestizide, werden mithilfe von Chlor, Ozon oder Wasserstoffperoxid in Kombination mit UV-Bestrahlung in einer photochemischen Reaktion wieder abgebaut.

Die bisherige OFI-Prüfanlage für Wasseraufbereitungsgeräte am Firmensitz im Wiener Arsenal wurde zu klein, und hätte künftigen Anforderungen und Prüfrichtlinien langfristig nicht mehr entsprechen können. Eine neue, größere Einrichtung wurde gewünscht, hatte jedoch in Wien keinen Platz. Das "OFI Water Treatment Validation Centre" wurde mit den Stadtwerken Klagenfurt realisiert und beschäftigt vier Mitarbeiter mit Expertisen von Mikrobiologie bis Strahlungsphysik. (APA/red)

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