Organische Chemie

Neues Forschungszentrum für nachwachsende Rohstoffe in Tulln

Das neue Austrian Biorefinery Center Tulln präsentiert seine heuer gestartete Arbeit für Grundlagenforschung. Der Fokus liegt auf auf industrienahen Lösungen rund um nachwachsende Rohstoffe. Das Zentrum verfügt über ein Budget von rund zwei Millionen Euro.

Das ist ein Symbolbild.

Mit dem Austrian Biorefinery Center (ABCT) in Tulln (NÖ) nahm am Jahresbeginn ein neues Zentrum für angewandte Grundlagenforschung den Betrieb auf. Nun stellte das Zentrum die mit mehr als zwei Millionen Euro geförderte Einrichtung mit Fokus auf industrienahe Lösungen rund um nachwachsende Rohstoffe und Bioökonomie zusammen mit anderen Forschungsinitiativen vor Ort vor.

Umwandlung von Holz in Treibstoffe

Das Thema der Umwandlung etwa von Stoffen, die im Rahmen der Holzverarbeitung entstehen, in biobasierte Produkte, Materialien und Treibstoffe in sogenannten Bioraffinerien werde aktuell in Europa stark vorangetrieben, so Thomas Rosenau, Leiter der Abteilung für Chemie nachwachsender Rohstoffe der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien und des ABCT, im Gespräch mit der APA. Solchen Fragen gingen Forschungsgruppen in Zusammenarbeit mit zahlreichen Unternehmen in den vergangenen Jahren im Rahmen eines Christian Doppler-(CD)-Labors nach.

"Leuchtturmprojekt" für österreichische Bioökonomie

Nach dem Auslaufen des Labors bemühte man sich um eine Weiterführung. Eine externe Evaluation des Forschungsbereichs "Bioökonomie" der Boku zeigte überdies, dass die meisten "guten Ansätze" auf dem Gebiet am Universitäts- und Forschungszentrum Tulln (UFT) beheimatet waren. Der Bericht empfahl überdies, die Anstrengungen in einer Art "Leuchtturmprojekt" im Rahmen der österreichischen Bioökonomie-Strategie zu bündeln, sagte Rosenau.

White Paper zum Thema

Das nunmehrige Forschungszentrum sei vor allem im Verbund mit einer international vernetzten Doktoratsschule mit dem Titel "Advanced Biorefineries: Chemistry and Materials" (ABC & M) langfristig konzipiert. "Der wichtigste 'Exportartikel' sind im Prinzip die Leute, die ausgebildet werden", betonte Rosenau. So arbeiten im Rahmen des neuen Zentrums jeweils Firmen mit Doktoranden in insgesamt zwölf Unterprojekten über drei bis vier Jahre zusammen an konkreten Forschungsfragen. Eine Verbindung, die "guten Anklang" bei Unternehmen und Jungforschern finde.

Kooperation mit der Boku, Zellstoffherstellern und Startups

Mit dem Zellstoffhersteller SCA gehe man etwa der Frage nach, wie die im Produktionsprozess anfallende Baumrinde etwa in Isolationsschäume umgewandelt werden kann, um den Rohstoff so nachhaltig zu nutzen, erklärte Rosenau. Mit dem Tullner Start-up Acticell ist auch eine junge Firma dabei, die sich mit einer innovativen und umweltfreundlicheren Methode zum Bleichen von Jeans am Markt behaupten konnte. Weitere Fragestellungen drehen sich zum Beispiel um thermostabile Papiere oder um die sinnvolle Weiterverwendung von Lignin.

Je ein Drittel der Finanzierung - also jeweils 600.000 Euro - kommen von der Boku, vom Land Niederösterreich und den beteiligten Unternehmen. Überdies konnte man bei der "Green Chemistry Challenge" der britischen Royal Society of Chemistry zusätzliche Mittel einwerben.  (apa/red)

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