Pharmaindustrie

Neues CD-Labor in Wien erforscht Proteinstrukturen

Forscher eines neuen CD-Labors an der Uni Wien untersuchen die Strukturen von Proteinen, um neue Therapiemethoden zu finden. Pharmakonzerne Boehringer Ingelheim, Arsanis Biosciences und Biomin sind Kooperationspartner.

Der Aufklärung der Struktur von Proteinen widmet sich das diese Woche eröffnete Christian Doppler(CD)-Labor für Wissensbasierte Strukturbiologie und Biotechnologie an der Universität Wien. Die Forscher erhoffen sich davon neue Therapiemethoden für ein breites Spektrum von Krankheiten, das von Alzheimer über Infektionskrankheiten bis zu Krebs reicht, teilte die Uni am Dienstag mit.

In CD-Labors kooperieren Wissenschafter mit Unternehmen im Bereich anwendungsorientierte Grundlagenforschung. Das neue Labor verfügt über ein Budget von 3,3 Mio. Euro, rund 1,8 Mio. Euro davon werden über die zum Wirtschaftsministerium ressortierende Christian Doppler-Gesellschaft (CDG) von der öffentlichen Hand finanziert. Der Rest kommt von den beteiligten Industriepartnern Boehringer Ingelheim, Arsanis Biosciences und Biomin.

Geleitet wird das neue CD-Labor von Kristina Djinovic-Carugo und Robert Konrat vom Department für Strukturbiologie und Computational Biology der Max F. Perutz Laboratories (MFPL) an der Uni Wien. Die Forschung erfolgt in drei Modulen, die jeweils in Zusammenarbeit mit einem der Industriepartner durchgeführt wird.

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Gemeinsam mit dem Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim widmet man sich sogenannten intrinsisch ungeordneten Proteinen als potenzielle Ziele von Medikamenten. Diese falten sich nicht immer in die selbe dreidimensionale Struktur, sondern sind dynamische Ensembles. Der Fokus der Arbeiten liegt auf dem Protoonkogen "c-Myc", das in fehlreguliertem Zustand eine Hauptrolle in den meisten menschlichen Krebsarten spielt.

Mit der Wiener Biotech-Firma Arsanis Biosciences wollen die Forscher Wirkungsmechanismen von Antikörpern auf molekularer Ebene besser verstehen. Damit sollen bessere humane Antikörper entwickelt werden, die als Präzisionsmedikamente gegen Bakterien wie Staphylococcus aureus und medikamentenresistente Stämme von Escherichia coli und Klebsiella pneumoniae dienen sollen.

Mit dem niederösterreichischen Futtermittelzusatz-Erzeuger Biomin will man am CD-Labor die Struktur von Enzymen erforschen und in Folge jene verbessern, die Mycotoxine unschädlich machen. Diese Pilzgifte sind eine Hauptquelle für gesundheitsschädliche Verunreinigungen von Tierfutter in der Landwirtschaft. (apa/red)

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