Energie

Neuer Klimabericht spaltet Industrie und Politik

Österreich wird von der Klimaerwärmung besonders hart getroffen, so die Ergebnisse des am Mittwoch veröffentlichten österreichischen Klimawandel-Berichts. Am Dienstag diskutierten Industrie-Größen wie Wolfgang Eder und Umweltminister Andrä Rupprechter (ÖVP) über die Energiewende und den Industriestandort Österreich – mit eindeutigen Positionen.

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Der Klimawandel in Österreich gehe rascher vor sich, als im globalen Mittel. Der Grund: Der Alpenraum sei besonders empfindlich für Klimaveränderungen – das geht aus dem am Mittwoch veröffentlichten österreichischen Klimawandel-Sachstandsbericht hervor.

Die Wissenschaftler gehen auch von einem weiteren Temperaturanstieg in Österreich aus: Ohne Gegenmaßnahmen rechnen sie mit einem Plus von 3,5 Grad bis zum Ende des 21. Jahrhunderts. Die Leidtragenden des Klimawandels sind in praktisch allen Bereichen zu finden, vor allem Land- und Forstwirtschaft, Ökosysteme, Biodiversität, aber auch Tourismus und das Gesundheitssystem

Energiewende oder Industriestandort

An dem Projekt haben mehr als 240 österreichische Klimaforscher drei Jahre lang gearbeitet. "Es ist europaweit der erste nationale Sachstandsbericht", betonte Ingmar Höbarth, Geschäftsführer des federführenden Österreichischen Klimafonds.

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Umweltminister Andrä Rupprechter (ÖVP) unterstrich bei einer Diskussionsrunde am Dienstag zum Thema "Energiewende versus Industriestandort", dass der Klimawandel eine wissenschaftlich belegte Tatsache ist. "Wer das leugnet, geht an der Realität vorbei", meinte der Ressortchef.

Voest-Chef Eder: "Österreich bald nicht mehr rentabel"

Auch Wolfgang Eder, Chef der Voestalpine, war geladen. Er kritisierte die mangelnde Wertschätzung der Politik für die Bemühungen der Industrie: "Die Voestalpine war das einzige Stahlunternehmen weltweit, das 20 Millionen Euro für Emissionszertifikate bezahlt hat. Unsere fünf Hochöfen besetzen im weltweiten Emissionsranking die Top-Plätze."

Auch Erich Entstrasser, Vorstandsdirektor der Tiroler Wasserwerke (TIWAG) stimmte Eder zu: "Das CO2-Regime in Europa funktioniert nicht. Man wird es abändern müssen. Von der CO2-Problematik sind vor allem kleine österreichische Gaskraftwerke betroffen, die still gelegt werden müssen, weil sie sich das nicht leisten können."

Rupprechter hielt dagegen: "Wir wollen klimaeffiziente Industrie-Standorte. Für den globalen Klimawandel ist es nicht förderlich, wenn wir uns nicht der Reduktion von CO2-Emissionen widmen. Und was die Reduktion angeht, so ist die Industrie nicht das größte Problem. Der viel größere Emissionserzeuger ist der Verkehr", erklärte Rupprechter vor geladenen Gästen.

Michael Junghans, Vorsitzender der Geschäftsführung der B&C Industrieholding kritisierte die hohen Energie- und Gaskosten. In Asien, exklusive China, seien diese um ein Vielfaches geringer, erklärte Junghans. "Der globalisierte Wettbewerb wird intensiver, wenn das so weiter geht, dann müssen auch wir irgendwann dieselben Schritte setzen wie Herr Eder."

Eder hofft auf die aktuelle EU-Komission: "Wenn die Richtung in den nächsten Jahren eine Industriefreundliche ist, bleiben wir in Europa. Wenn sich nichts ändert, müssen wir umziehen, ansonsten rennen wir in die Pleite." (APA/mato)

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