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Neuer Chef für die Voestalpine: Wolfgang Eder geht, Herbert Eibensteiner kommt

Nächstes Jahr übergibt Wolfgang Eder die Führung des zweitgrößten österreichischen Industriekonzerns an Herbert Eibensteiner, derzeit Leiter der Steel Division. Eder wechselt in den Aufsichtsrat. Hier die Details.

Voestalpine-Chef Wolfgang Eder (66) hört mit der Hauptversammlung am 3. Juli 2019 als Vorstandsvorsitzender des Unternehmens auf. Er stehe für eine längere Funktionsperiode nicht mehr zur Verfügung, teilte das Unternehmen mit. Nächstes Jahr soll Eder in den Aufsichtsrat wechseln und könnte nach einer "Abkühlphase" von zwei weiteren Jahren den Vorsitz des Kontrollgremiums übernehmen. Eder arbeitet seit mehr als 41 Jahren bei der Voestalpine - davon 24 Jahre im Vorstand und 15 Jahre als Konzernchef.

Sein Nachfolger wird Herbert Eibensteiner (55), derzeit Leiter der Steel Division. Es sei erfreulich, dass es "nach einer intensiven Diskussion im Aufsichtsrat mit Eibensteiner zu einer internen Lösung kommt", so Joachim Lemppenau, Chef des Aufsichtsrats der Voest.

Maschinenbauingenieur übernimmt ab 2019

Eibensteiner, geboren 1963 in Linz, studierte Maschinenbau und Betriebswissenschaft an der TU Wien und fing 1989 bei der Voestalpine als Betriebsingenieur für Instandhaltung an.

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In den folgenden Jahren arbeitete er in den Bereichen Instandhaltung Kaltwalzwerke, Qualitätsmanagement, Arbeitssicherheit und Umweltschutz. Seit 2012 sitzt der Oberösterreicher im Vorstand des Konzerns. Seit 2014 leitet er mit der Steel Division die umsatzstärkste Konzernsparte. Zudem war Eibensteiner am starken Ausbau der Autozuliefersparte beteiligt.

Eibensteiner wird wohl die Leitung der Stahlsparte abgeben müssen

Ob Eibensteiner neben dem Vorstandsvorsitz auch die Stahlsparte in Personalunion weiterführe, werde im laufenden Geschäftsjahr geklärt, so Lemppenau weiter, merkt dazu aber an: "Die heutige Größe des Konzerns wird aber eine solche Doppelfunktion auf Dauer nicht zulassen.“

Herbert, Eibensteiner, Voestalpine, Personalia © APA/ROBERT JAEGER

Herbert Eibensteiner, derzeit Leiter der Steel Division, übernimmt ab dem Sommer nächsten Jahres die Konzernführung der Voestalpine.

Eder könnte 2021 Chef des Aufsichtsrats werden

Eders Funktion im Vorstand wurde von März 2019 bis zur Hauptversammlung am 3. Juli 2019 verlängert. Er soll nun nächstes Jahr auf der Hauptversammlung in den Aufsichtsrat gewählt werden. Nach einer zweijährigen "Abkühlphase" sei für Eder das Mandalt als Chef des Aufsichtsrats denkbar, heißt es heute aus dem Konzern.

"Der Aufsichtsrat hätte gern, dass Eder dann in den Aufsichtsrat kommt und nach zwei Jahren meine Nachfolge als Aufsichtsratsvorsitzender antreten könnte. Ich habe Hoffnung, dass wir Herrn Eder als Aufsichtsratschef längerfristig an das Unternehmen binden können", so der amtierende Aufsichtsratschef Lemppenau in einer kurzfristig einberufenen Telefonkonferenz.

Anlässlich der Entscheidung hat sich der amtierende Aufsichtsratschef Lemppenau, seit 1999 im Aufsichtsrat der Voestalpine, auch zur eigenen Zukunft geäußert. "Ich sehe 2021 den geeigneten Zeitpunkt gekommen, die Leitung des Aufsichtsrats der Voestalpine AG nach 17 Jahren abzugeben. Ich freue mich sehr, dass Herr Eder in der Hauptversammlung 2019 für den Aufsichtsrat kandidieren wird und sich auch bereit erklärt hat, bei erfolgreicher Wahl und Zustimmung seiner zukünftigen Kollegen den Aufsichtsratsvorsitz zwei Jahre später zu übernehmen." Der gesamte Aufsichtsrat trage diese diese Überlegungen mit, so Lemppenau weiter.

Alle anderen Vorstandsmandate bis 2024 verlängert

Alle anderen Vorstandsmitglieder wurden um fünf Jahre bis zum 31. März 2024 verlängert. Das sind neben Eibensteiner Robert Ottel, (CFO), Franz Rotter (Leitung High Performance Metals Division), Franz Kainersdorfer (Leitung Metal Engineering Division) und Peter Schwab, (Leitung Metal Forming Division).

"Dr. Eder traf die Entscheidung, nicht mehr zur Verfügung zu stehen", so Aufsichtsratschef Joachim Lempenau heute in einer kurzfristig einberufenen Telefonkonferenz. Der Aufsichtsrat (konkret Joachim Lempenau, seit 2004 Chefkontrolleur des oberösterreichischen Industriekonzerns, er vertritt die Voestalpine Mitarbeiterbeteiligung Privatstiftung, sowie Heinrich Schaller, (Raiffeisen Landesbank Oberösterreich RLB) und Franz Gasselsberger (Oberbank) hätten Eder halten wollen, heisst es.

Im Januar hat Eder ein Mandat im Aufsichtsrat des Dax-Konzerns Infineon übernommen, der mit Infineon Österreich auch hierzulande stark vertreten ist. Außerdem sitzt der Manager auch im Kontrollorgan der Oberbank. Er war von 2009 bis 2014 Vorsitzender des europäischen Stahlverbandes Eurofer und von 2016 bis 2017 zwei Jahre lang Präsident des Weltstahlverbands worldsteel. Heuer im Jänner deutete Eder an, er habe noch zeitlichen Spielraum - zumal "der zeitliche Aufwand als Infineon-Aufsichtsrat überschaubar" sei. Mehr dazu: Wolfgang Eder zieht in den Aufsichtsrat von Infineon ein >>

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Überraschend ist die Entscheidung, weil Eder unbestritten auch im Aufsichtsrat als ein erfolgreicher Konzernchef gilt. Der heute 66-Jährige hat die Voestalpine auf einen Expansionskurs ausgerichtet. Aktuell beschäftigt der Hersteller knapp 52.000 Mitarbeiter an 500 Standorten in 50 Ländern. Eine große Investition der vergangenen Jahre war der Bau der riesigen Direktreduktionsanlage in den USA.

Gleichzeitig hat die Voest sich von einem Stahlkocher zu einem Premiumzulieferer gewandelt und beliefert heute Branchen wie den Autobau und die Flugzeuigindustrie. Genau das ist auch der Grund, weshalb die aktuellen Preisschwankungen im Stahlhandel und die Stahlschwemme aus Übersee der Voestalpine weit weniger Sorgen bereiten als anderen Stahlriesen Europas, etwa Thyssenkrupp oder Salzgitter.

(red)

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