Deutschland

Neue Verhandlungen bei den Metallern in Sicht

Die Gespräche könnten am Montag weitergehen. Bisher haben Gerichte die Eilanträge der Arbeitgeber abgewiesen. Die IG Metall weitet ihre neuartigen 24-Stunden-Warnstreiks aus.

Im Tarifstreit in der deutschen Metall-und Elektroindustrie wollen sich Arbeitgeber und Gewerkschaft im Südwesten Anfang kommender Woche wieder an einen Tisch setzen. "Die Verhandlungen können am kommenden Montag fortgesetzt werden - sofern die Gegenseite deutliche Bewegung signalisiert", erklärte Baden-Württembergs IG- Metall-Chef Roman Zitzelsberger.

Man habe vorsorglich schon mal in Stuttgart Räume für weitere Gespräche angemietet. Die Arbeitgeber zeigten sich offen für einen neuen Anlauf, nachdem die Verhandlungen am vergangenen Wochenende abgebrochen worden waren und die IG Metall erstmals zu 24-Stunden-Warnstreiks aufgerufen hatte.

"Wir stehen für Verhandlungen am Montag prinzipiell zur Verfügung", sagte ein Sprecher von Südwestmetall. Offen blieb, an welchen Stellen die Arbeitgeber den Forderungen der Gewerkschaft entgegenkommen könnten. Hinter den Kulissen werden aber offenbar schon Kompromisslinien ausgelotet. "Gehen Sie mal davon aus, dass man versucht, eine andere Ausgangsvoraussetzung als vergangenes Wochenende zu schaffen", sagte eine mit den Gesprächen vertraute Person Reuters.

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Arbeitgeber und Gewerkschaft hatten schon länger verabredet, auch nach einer Verschärfung der Warnstreiks noch einen Einigungsversuch zu unternehmen. Gesamtmetall hatte bereits Anfang Jänner erkennen lassen, dass man trotz der weit auseinanderliegenden Positionen bis Fasching auf eine Einigung hoffe.

Unterdessen weitete die IG Metall ihre Tagesstreiks aus, um den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen. Am Donnerstag waren erstmals die Kölner Ford-Werke mit 17.000 Beschäftigten betroffen. Bei Volkswagen, wo über einen Haustarifvertrag verhandelt wird, wurden nach Gewerkschaftsangaben die Werke in Wolfsburg, Emden, Salzburg, Braunschweig, Hannover und Kassel bestreikt. Allein im Wolfsburger Stammwerk nahmen 20.000 Beschäftigte an mehreren Veranstaltungen teil.

Am Freitag sollen die Warnstreiks noch einmal ausgeweitet werden. "Wir sind morgen flächendeckend von Nord bis Süd betroffen von den angekündigten Streiks, über deren Legitimierung noch Diskussionen stattfinden", sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche in Stuttgart. Daimler produziere an der Kapazitätsgrenze, insofern sei ein Aufholen der ausgefallenen Produktion außerordentlich schwierig. Das sei nicht erquicklich, betonte Zetsche. Daher sei der Autobauer an einer Einigung interessiert.

Unterdessen wies das Arbeitsgericht Nürnberg nach Angaben der Gewerkschaft den Antrag des Zulieferers Kennametal aus Lichtenau auf eine einstweilige Verfügung gegen die ganztägigen Streiks als unbegründet ab.

Am Mittwoch hatte bereits das Arbeitsgericht Krefeld einen solchen Antrag eines anderen Zulieferers nicht stattgegeben. Mit Beginn der Tagesstreiks am Mittwoch hatten die Arbeitgeber bundesweit bei mehreren Arbeitsgerichten Klagen gegen die Streiks eingereicht, die sie für unzulässig halten. Dabei verzichteten die Verbände auf Eilverfahren. Sie wollen die ganztägigen Arbeitsniederlegungen untersagen lassen, weil sie die Forderung der IG Metall nach einem Teillohnausgleich für bestimmte Beschäftigungsgruppen für rechtswidrig halten. Bei einem Urteil wollen sie die Möglichkeit haben, wegen der Produktionsausfälle Schadensersatz zu fordern.

Bundesweit will die IG Metall bis Freitag in mehr als 250 Betrieben aller Größen die Produktion lahmlegen. Neben der Fahrzeugindustrie sind auch Maschinen- und Anlagenbauer betroffen. Hauptstreitpunkt in der Tarifrunde sind die von der IG Metall verlangten Zuschüsse für Beschäftigte, die zur Pflege von Angehörigen oder zur Kinderbetreuung die Arbeitszeit verkürzen. Während der Warnstreikwelle liegen die Gespräche der Tarifparteien auf Eis. (apa/red)

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