Autoindustrie

Neue Spannungen zwischen Renault und Nissan - wegen Fusion mit Fiat

Die seit zwei Jahrzehnten bestehende Allianz zwischen den Autobauern Renault und Nissan sei in Gefahr, sagen Eingeweihte. Die Franzosen stehen offiziell zu diesem Bündnis - in Wirklichkeit würden sie derzeit versuchen, die Allianz zu zerstören, heißt es aus Japan.

Zwischen den Partnern Renault und Nissan Motor brechen einem Insider zufolge Spannungen auf. Renaults jüngster Vorstoß, den geplanten Umbau der Nissan-Führungsstruktur auf der Hauptversammlung Ende Juni zu blockieren, habe die seit zwei Jahrzehnten bestehende Allianz in Gefahr gebracht, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person.

Renault müsse sehr vorsichtig sei, um nicht das japanische Volk und die Aktionäre zu verärgern. Trotz gegenteiliger Worte versuchten die Franzosen derzeit, die Allianz zu zerstören.

Neuer Konfrontationskurs der Franzosen

Die seit 20 Jahren bestehende und von gegenseitigen Kapitalbeteiligungen unterfütterte Allianz von Nissan und Renault, zu der auch die Nissan-Beteiligung Mitsubishi Motors gerechnet wird, ist in schweres Fahrwasser geraten, seit im November Carlos Ghosn, früher Chef beider Konzerne, unter dem Vorwurf der Untreue verhaftet worden war. Er galt als Motor des Firmenbündnisses.

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Vor Kurzem war Renault auf Konfrontationskurs zu seinem langjährigen Partner Nissan gegangen. In einem vom Renault-Vorsitzenden Jean-Dominique Senard unterzeichneten Brief deuteten die Franzosen an, sie könnten mit ihrem Aktienpaket von 43,4 Prozent den seit langem geplanten Umbau der Nissan-Führungsstruktur auf der Hauptversammlung blockieren.

Nissan hat offenbar Fusionsgespräche mit Fiat scheitern lassen

Renault will mehr Vertreter in die neuen Nissan-Gremien entsenden als bisher vorgesehen. Nissan kritisierte den Vorstoß ungewöhnlich deutlich und nannte den Brief in einem Statement "höchst bedauerlich". Das Zögern der Japaner wiederum hatte dazu beigetragen, dass sich die von Fiat Chrysler im Mai angestoßene Fusion mit Renault vorerst zerschlug.

Der Überblick:
Fusion mit Renault: Paris will Verschiebung - da wirft Fiat Chrysler das Handtuch >>

Allerdings sind die Fusionsgespräche offenbar keineswegs endgültig vom Tisch. Aktuell dazu: Paris: Fusion von Fiat Chrysler und Renault bleibt "eine sehr gute Option" >>

Finanzfirmen setzen Konzernchef von Nissan unter Druck

Unterdessen kommt mitten im Streit mit Renault um die Neuordnung der gemeinsamen Autoallianz Nissans Konzernchef Hiroto Saikawa tatsächlich unter Druck - von Aktionären.

Die beiden einflussreichen Stimmrechtsberater ISS und Glass Lewis empfahlen den Nissan-Aktionären, auf der Hauptversammlung am 25. Juni gegen Saikawas Neubestellung zu stimmen. Glass Lewis erklärte, Saikawa könne nicht erneut nominiert werden, denn er habe Aufsichtspflichten verletzt. Nissan lehnte einen Kommentar zu den Empfehlungen ab.

Neuanfang ohne Ghosn und Saikawa gefordert

Sie fordern nach dem Skandal um Finanzverstöße des langjährigen, in Japan unter Anklage stehenden Renault-Nissan-Chefs Carlos Ghosn einen Neuanfang - ohne Saikawa, der viele Jahre mit Ghosn Hand in Hand arbeitete. Nissan müsse mit der Vergangenheit brechen und brauche eine neue, starke Chefetage, hieß es in einer Reuters vorliegenden Empfehlung von Institutional Shareholder Services (ISS): "Die Wiederwahl von Hiroto Saikawa, der 14 Jahre im Vorstand war und eng mit Carlos Ghosn zusammenarbeitete, erscheint nicht angemessen."

Saikawa hatte im November die Vorwürfe gegen Ghosn nach internen Untersuchungen bei Nissan öffentlich gemacht und dafür gesorgt, dass der damalige Renault-Chef als Verwaltungsratschef bei Nissan abgesetzt wurde.

Fall Ghosn brachte alles ins Rollen

Gegen Ghosn erhob die Staatsanwaltschaft in Tokio vier Anklagen wegen Veruntreuung von Firmengeldern und Verstoßes gegen Veröffentlichungspflichten. Der Topmanager bestritt alles und erklärte, er sei Opfer eines Hinterhaltes seiner ehemaligen Vorstandskollegen bei Nissan. Sie hätten die von ihm angestrebte Fusion von Renault und Nissan verhindern wollen.

Aktuell:
Renault: Affäre um ehemaligen Chef Ghosn hört einfach nicht auf >>   

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(reuters/apa/red)

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