Luftfahrtindustrie

Neue Partner im Rennen um Waffensparte von Airbus

Finanzinvestor Cinven will offenbar seine Chancen bei der Übernahme der Militärsparte von Airbus in letzter Minute verbessern - mit dem deutschen Raumfahrtkonzern OHB als mit strategischer Partner. Waffenfirma Rheinmetall geht allein ins Rennen.

Airbus verkauft seine Militärsparte "Orlando". Eine Reihe von milliardenschwern Finanzfirmen hat den Deal im Vsier.

Der britische Finanzinvestor Cinven will einem Insider zufolge seine Chancen auf die Sicherheits- und Elektronik-Sparte von Airbus in letzter Minute mit einem strategischen Partner verbessern. Cinven habe ein Gebot gemeinsam mit dem Bremer Raumfahrtkonzern OHB abgegeben, der schon mit der französisch-deutschen Airbus zusammenarbeitet, sagte eine mit dem Bieterprozess vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. OHB wäre dabei der Juniorpartner.

Der Rüstungskonzern Rheinmetall trete dagegen ohne seinen ursprünglichen Partner, den US-Finanzinvestor Blackstone an, sagten drei Insider. Rheinmetall könne die auf bis zu eine Milliarde Euro taxierte Übernahme allein finanzieren. Blackstone biete auch nicht allein.

Die finalen Gebote für Airbus Defence Electronics waren am Donnerstag fällig, wie mehrere Insider berichteten. Im Rennen sind Insidern zufolge auch die US-Finanzinvestoren Carlyle und KKR. Der französische Thales -Konzern habe hingegen einen Rückzieher gemacht, weil er keine Chance sehe. Airbus-Chef Enders will noch in diesem Jahr über den Zuschlag entscheiden. Er hatte im November einen ausländischen Käufer für die Sparte des Flugzeug- und Rüstungskonzerns ausdrücklich nicht ausgeschlossen. Im Kerngeschäft erwartet Airbus Defence Electronics in diesem Jahr ein operatives Ergebnis (Ebitda) von 90 Millionen Euro.

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Rheinmetall für Regierungsmitglieder ein Favorit

Rheinmetall gilt in Teilen der Bundesregierung, die eine deutsche Lösung bevorzugen, als Favorit auf die Airbus-Sparte. Der Staat hat als Aktionär von Airbus und als einer der größten Auftraggeber Einfluss auf den Verkauf. Wenn Airbus Defence Electronics an einen Bieter aus dem Ausland ginge, muss die Regierung zudem prüfen, ob deutsche Sicherheitsbelange berührt sind. Die Bieter wollten sich nicht zu den Informationen äußern, OHB war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar. Eine Airbus-Sprecherin verwies auf die jüngsten Äußerungen von Enders zum Zeitplan, machte aber keine weiteren Angaben.

Eckdaten zu "Orlando"

Airbus will sich von Randgeschäftsfeldern trennen, um sich im Rüstungsgeschäft auf Flugzeuge, Raketen und Satelliten zu konzentrieren. Das unter dem Namen "Orlando" zusammengefasste Elektronikgeschäft umfasst Radarkomponenten, Optronik, Grenzkontrollsysteme und Komponenten zur elektronischen Kriegsführung. Ob die Grenzsicherungssysteme und die Immobilien mit verkauft werden, gilt allerdings als offen. (reuters/apa/red)