Bahnlogistik

Neue Chefin bei DB Cargo, Führungskrise bei der Deutschen Bahn

Die Deutsche Bahn, ein wichtiger Auftraggeber der heimischen Bahnindustrie und Bauindustrie, will ihre schwer verschuldete ausländische Konzerntochter Arriva nun vorerst doch behalten. Nächste Woche berät der Aufsichtsrat über "die Zukunft" von Finanzvorstand Alexander Doll.

Die Deutsche Bahn stoppt vorerst den geplanten milliardenschweren Verkauf ihrer Auslandsverkehrstochter DB Arriva und kämpft mit einer Führungskrise. Der Aufsichtsrat will in einer Sondersitzung voraussichtlich in der übernächsten Woche über Arriva und die Zukunft von Finanzvorstand Alexander Doll beraten, wie aus Kreisen des Kontrollgremiums verlautete. Doll sollte den Verkauf einfädeln.

Neue Chefin bei DB Cargo

Die Probleme beschäftigten diese Woche die Bahn-Aufseher bei einer Sondersitzung. Sie beschlossen, dass die Berliner Managerin Sigrid Nikutta die verlustreiche Güterbahn sanieren soll.

Die Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wechselt im Jänner in den Konzernvorstand und wird bei DB Cargo Vorstandsvorsitzende. Von dort war Nikutta 2010 zur BVG gegangen, wo sie für die Busse, Straßen- und U-Bahnen der Hauptstadt verantwortlich ist. "Wir brauchen für den Güterverkehr einen neuen Schub", teilte Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) mit.

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Bahn will in drei Jahren 30 weitere Hochgeschwindigkeitszüge kaufen

Der Aufsichtsrat billigte den geplanten Kauf von 30 weiteren Hochgeschwindigkeitszügen ab Ende 2022. Außerdem sollen die ICE-Werke Frankfurt-Griesheim und Cottbus ausgebaut werden. Dort entstehen insgesamt 600 neue Arbeitsplätze, wie die Bahn mitteilte.

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Der Konzernvorstand wächst damit von sechs auf sieben Mitglieder. Eine Gehaltserhöhung für den Vorstand wurde am Donnerstag nicht besprochen. Scheuer hatte sich dagegen ausgesprochen, nachdem der Plan am Wochenende öffentlich geworden war.

Im Personenverkehr betreibt Arriva Busse und Bahnen in 14 europäischen Ländern. Der Verkauf sollte zusätzliche Milliarden für die Eisenbahn in Deutschland bringen. Doch die zu erwartenden Verkaufserlöse lägen erheblich unter dem Buchwert, hieß es.

Ein großes Problem: Die riesigen Schulden

In Medienberichten war von einem möglichen Verkaufserlös von bis zu vier Milliarden Euro für Arriva die Rede gewesen. Davon müssten aber noch Schulden von mehr als einer Mlliarde Euro und Pensionsverpflichtungen abgezogen werden. Die Alternative zu einem Verkauf, ein Börsengang der Tochter mit Sitz in England, erweise sich im Brexit-Chaos ebenfalls als schwierig, hieß es.

Die Bahn ist hoch verschuldet. Nachdem sich der geplante Verkauf hingezogen hatte, entschied der Aufsichtsrat im September, zunächst über eine Anleihe bis zu zwei Milliarden Euro frisches Geld aufzunehmen.

Arriva gehört seit 2010 zum größten deutschen Staatsunternehmen. Vor Jahren wollte die Bahn die Tochter schon einmal teilweise an die Börse bringen. Nach dem Votum der Briten für einen EU-Austritt und einer Finanzspritze des Bundes wurden die Pläne 2016 aber gestoppt. (dpa/apa/red)

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