Luftfahrtindustrie

Neue AC Styria-Chefin: Große Chancen bei Nachrüstungen von Flugzeugen

Christa Zengerer, neu in der Geschäftsführung des AC Styria, sieht großes Potenzial für heimische Unternehmen bei der Nachrüstung von Flugzeugen. Schon heute sind mehrere heimische Zulieferer bei Herstellern gefragt.

Neue Materialien, digitale Features und stetiger Wandel - die Luftfahrtbranche wächst: Neue Flugzeuge werden gebaut, alte Modelle überholt, um länger zu fliegen. Speziell diese Nachrüstung von Maschinen dürfte in den kommenden Jahren noch wichtiger werden, sagte die neue ACstyria-Geschäftsführerin Christa Zengerer bei der "Aircontact" 2018 am Flughafen Graz.

Die neue Chefin des Mobilitätsclusters erwartet rund fünf Prozent Wachstum bei den Nachrüstern und davon sollen heimische Unternehmen profitieren. Bisher sind schon einige Firmen bei den Flugzeugherstellern hoch im Kurs: Ames in Peggau, F/List aus Thomasberg bei Edlitz in Niederösterreich, Pankl Aerospace in Kapfenberg oder auch Wollsdorf Leder aus der Oststeiermark.

Holger Lipowsky von Roland Berger ist überzeugt, dass der weltweite Nachrüstmarkt in den kommenden zehn Jahren von 65 Mrd. auf über 100 Mrd. Euro wachsen werde - besonders in den Bereichen Triebwerks- und Komponentenwartung. Und er erkennt - genauso wie Zengerer - einen Trend in Richtung Asien, wo viele über Partnerschaften den Marktzutritt erhoffen.

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Schwerpunkt in den kommenden Jahren werde auch der vermehrte Einbau von Sensoren sein, um Daten zu sammeln und dann zu analysieren. Für Fluggäste dürfte das auch schon in wenigen Jahren zu spüren sein, wenn etwa durch Sensorik in Sitzen festgestellt werden kann, ob ein Platz besetzt ist, ob der Gast angeschnallt ist und ob er beim Starten und Landen seinen Sitz in aufrechte Position gebracht hat.

Spezialisten im Einbau von Sensoren im Leder kommen beispielsweise aus Wollsdorf: Geschäftsführer Andreas Kindermann will allerdings nicht mit Größe und Masse punkten, sondern mit Innovation. Beheizte Ledersitze im Flugzeug gehören da genauso dazu wie etwa induktives Laden von Smartphones. Für Robert Machtlinger von FACC ist das keine Zukunftsmusik, sondern vieles davon befinde sich jetzt schon in Umsetzung. Derartige Angebote seien als Mehrwert der Fluglinien zu betrachten und bieten den Fluggästen zusätzliches Service: "Konnektivität ist auch bei Fluglinien ein großes Thema."

Katharina List-Nagl, Geschäftsführerin von F/List, sieht das ähnlich und spricht unter anderem vom Einbau von Unterhaltungselektronik. Als Ausstatter von Business Jets setzt sie auf leichte und natürliche Materialien wie Holz oder Stein beispielsweise für Böden. Die Schichten seien nur wenige Millimeter dick und daher nicht wesentlich schwerer als Textilbeläge. "Teppiche und Plüsch in Flugzeugen sind am Verschwinden", meinte Stefan Krainer von Primus. Früher war dieser "amerikanische Stil" in, dieser werde nun aber von "italienischem Design" abgelöst. Dabei gehe es um funktionelle und gleichzeitig coole Designs. Business Jets würden immer mehr zu "Mobile Homes". F/List arbeitet ständig an neuen und immer leichteren Materialien: Verwendet werden derzeit etwa Carbon-Bauteile, die furniert werden, sowie besonders kratzfeste Oberflächen.

Noch in den Kinderschuhen stecke dagegen die sogenannte Predictive Maintenance (vorausschauende Wartungstechniken, Anm.): Derzeit wird bei Flugzeugen noch großteils der präventive Modus angewendet, aber künftig sollen Sensoren genaue Daten über die Haltbarkeit des jeweils verbauten Teils liefern. "Das höchste Gut ist die Verfügbarkeit des Flugzeugs", meinte Klaus Schludnig von Austrian Airlines. Exakte Funktionsbeurteilungen von verbauten Teilen sei daher für jede Fluglinie wichtig, um ungeplante Ausfälle zu vermeiden.

Der Mobilitätscluster ACstyria umfasst derzeit rund 300 Unternehmen von denen etwa 80 in der Luftfahrtbranche tätig sind. Zengerer ist seit November neue Geschäftsführerin und eine Kennerin des asiatischen Marktes. (apa/red)