Außenhandel

Nach Wahlen im Iran: Industrie hofft auf ersehnte Zuwächse

Nach dem Ende der Sanktionen gegen den Iran ist die große Welle neuer Aufträge bisher ausgeblieben und könnte sich unter Trump weiter verzögern. Die Wahlen im Land geben Grund zur Hoffnung - unter anderem für ein Projekt der Autocluster Steiermark und Oberösterreich.

Der Wahlsieg des iranischen Präsidenten Hassan Ruhani lässt die deutsche Wirtschaft hoffen. "Das Wahlergebnis ermutigt zu mehr Handel mit dem Iran und mehr Investitionen im Land", teilte Dieter Kempf, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), am Wochenende mit. Auch Volker Treier vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) wertete das Ergebnis aus Sicht der deutschen Wirtschaft als "hoffnungsvolles Zeichen".

Amtsinhaber Ruhani hat nach Angaben des iranischen Innenministeriums die Präsidentenwahl gewonnen. Bei der Wahl ging es um den Kurs des Gottesstaates: Ruhani steht für die Öffnung des Landes, der unterlegene Spitzenkandidat des Klerus, Ebrahim Raeissi, für Abschottung.

Iran will ein eigenes Auto mit österreichischer Hilfe

Das Land hat zuletzt mit mehreren Industriekonzernen im Westen Kooperationen vereinbart - unter anderem in Österreich. So sollen Autocluster und Zulieferer der österreichischen Autoindustrie den Iran dabei unterstützen, eine eigene Automarke zu entwickeln.

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Bereits am 28. Februar wurde zwischen dem damals amtierenden Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner und dem iranischen Vizepräsidenten Sorena Sattari dazu eine Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) unterzeichnet. Mehr dazu hier: Iran will eine eigene Automarke - mit Hilfe aus Österreich >>

Nach dem 2015 abgeschlossenen Atomabkommen hätten sich die Geschäfte mit dem Iran gut entwickelt, sagte auch Gregor Wolf vom Außenhandelsverband BGA. Der prozentuale Zuwachs trüge dabei etwas, "denn wir kommen von einem sehr niedrigen Niveau". Die deutschen Exporte waren 2016 im Vergleich zum Vorjahr um etwa 25 Prozent auf rund 2,5 Milliarden Euro gestiegen. Im ersten Quartal 2017 legten die Ausfuhren nach DIHK-Angaben nochmals um 40 Prozent zu.

Der Wahlsieg Ruhanis ermögliche "eine weitere Einbindung des Irans in die Weltwirtschaft", sagte Wolf. Er dämpfte allerdings die Erwartungen. Man habe sich zu Beginn deutlich mehr erhofft, als sich bisher wirklich realisiert habe. "Bei vielen Unternehmen ist eine große Ernüchterung eingetreten." Es sei zum Beispiel nach wie vor schwierig, Geschäfte im Iran zu finanzieren.

Zum einen sei es schwierig, eine Bank zu finden, die Geld aus dem Iran annehme. Noch schwieriger werde es, ein Kreditinstitut zu finden, das Garantien oder Kredite für ein Geschäft im Iran stelle, erklärte der Volkswirt. "Das ist der Hauptgrund, warum größere Investitionen im Iran derzeit nicht möglich sind."

Dabei spielen auch noch bestehende US-Sanktionen eine Rolle, die Rechtsunsicherheit etwa für Banken mit sich bringen. Deutsche und europäische Banken, die auch in den USA aktiv sind, schrecken davor zurück, Iran-Deals zu finanzieren. So musste die Commerzbank 2015 auch wegen Verstößen gegen US-amerikanische Sanktionen bei Geschäften mit dem Iran 1,45 Milliarden Dollar an US-Behörden zahlen. Auch die Bank BNP Paribas wurde mit einer Milliarden-Strafe belegt.

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Nach dem Atomabkommen von 2015 hatte eine langsame Öffnung des Irans eingesetzt. Das Wiener Abkommen soll es dem Land unmöglich machen, Atombomben zu bauen. Im Gegenzug wurden die meisten Wirtschaftssanktionen gegen den Iran aufgehoben. Seitdem wurden auch größere Verträge geschlossen: Airbus soll 100 Flugzeuge an Iran Air ausliefern - die Fluggesellschaft will dafür 18 Milliarden Euro überweisen. Siemens hatte angekündigt, Gasturbinen und Lokomotiven im Iran in Lizenz bauen zu lassen.

Für das vergangene Jahr meldeten die deutschen Maschinenbauer steigende Ausfuhren in den Iran. Klaus Friedrich vom Branchenverband VDMA warnte am Sonntag auch, die Finanzierung von Geschäften sei nach wie vor schwierig. Bei der Lösung dieses Problems sei auch die Politik gefragt, sagte Friedrich, der beim VDMA für den Iran zuständig ist. Grundsätzlich habe das Land eine breitaufgestellte Industrie. Dort seien aber auch längst Unternehmen aus China und Südkorea aktiv. "Wir sind nicht konkurrenzlos." (red/dpa/apa)

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