Luftfracht

Nach Überfall auf AUA: Albanien schickt Soldaten - und kritisiert Betreiber aus China

Nach dem bewaffneten Überfall auf eine Maschine der Austrian Airlines in der albanischen Hauptstadt Tirana ist der AUA und der Lufthansa Cargo ein hoher Schaden entstanden. Die Regierung Albaniens schickt Soldaten - und kritisiert den Betreiber des Flughafens aus China.

Das ist ein Symbolbild.

Nach dem Überfall auf eine Maschine der Austrian Airlines am internationalen Flughafen von Tirana, bei dem bewaffnete Räuber Millionen an Bargeld erbeuteten, hat die albanische Regierung Truppen herbeibeordert, um den Airport zu sichern.

Luftfrachtgeschäft: Austrian Cargo mit Lufthansa Cargo fusioniert

Formal Geschädigte des Coups ist die Frachttochter der AUA-Mutter Lufthansa, Lufthansa Cargo. Vonseiten der Lufthansa Cargo wird es demnach eine Versicherungsmeldung geben, verlautet aus der AUA.

Die Lufthansa Cargo erledigt seit längerem auch für die AUA die Abwicklung des Luftfrachtgeschäfts. Vor mehr als acht Jahren war die frühere Austrian Cargo mit der damals 20-mal größeren Lufthansa Cargo zusammengelegt worden.

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Maschine war auf dem Weg nach Wien

Die Maschine am Airport von Tirana war gerade vor dem Start Richtung Wien beladen worden. Im Frachtraum sollte ein größerer Werttransport mitgeführt werden, also Bargeldbestände von Banken. Wie viel es gestern Nachmittag war und wie oft solche Sendungen abgehen, wurde bisher aus Sicherheitsgründen öffentlich nicht beziffert.

Räuber wussten Bescheid

Nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP wussten die Räuber offenbar Bescheid, dass Geld in Hartwährungen immer wieder im Flieger nach Wien unterwegs ist. Bewaffnete und maskierte Räuber hatten am Airport der albanischen Hauptstadt zugeschlagen, als der AUA-Airbus gerade beladen wurde, die Passagiere waren schon eingestiegen.

Nach bisherigen Informationen drangen die Täter über eine Feuerwehrzufahrt auf das Flughafengelände, fuhren zur Maschine, zwangen die Bodencrew sich hinzulegen, schnappten sich das Geld und flüchteten. Bei einem anschließenden Schusswechsel mit der Polizei wurde ein Räuber getötet, die Polizei gab in der Nacht die Festnahme der vier Verdächtigen bekannt.

Bei der AUA wird zur Stunde unter Einbeziehung von Versicherungsexperten und Juristen besprochen, wie man nach dem Vorfall in Tirana weiter vorgeht. Noch Dienstagabend war beschlossen worden, dass bis auf weiteres als erste Sicherheitsmaßnahme solche Werttransporte aus Tirana nicht mehr übernommen werden.

Vier Verdächtige verhaftet

Nach dem Überfall nahm die albanische Polizei vier Verdächtige fest. Bewaffnete und maskierte Räuber hatten am Airport zugeschlagen, als die AUA-Maschine gerade beladen wurde. Die Räuber wussten offenbar Bescheid, dass ausländische Banken Geld in Hartwährungen immer wieder per Flieger nach Wien schicken, weil die albanische Zentralbank es nicht annimmt. Sie drangen auf das Flughafengelände ein, zwangen die Bodencrew sich hinzulegen, schnappten sich das Geld - nach unterschiedlichen Angaben zwischen zwei und zehn Millionen Euro - und flüchteten. Bei einem anschließenden Schusswechsel mit der Polizei wurde ein Räuber getötet.

Auch Raiffeisen RBI betroffen

Mitbetroffen von dem Geldraub ist die österreichische Raiffeisen Bank International (RBI), die in Albanien eine Tochterbank (Raiffeisenbank Albanien) betreibt. Natürlich sei auch Raiffeisen versichert, sagte eine Sprecherin der RBI zur APA. Zur Summe hüllt man sich auch bei Raiffeisen in Schweigen, es waren hier jedenfalls Euro und Dollar des so genannten Geldnotenhandels.

Die Gelder fallen in lokalen Banken an, indem etwa Albaner, die im Ausland - vor allem im Euroraum - arbeiten und ihr Geld dann in die lokale Währung umwechseln. Die ausländische Währung wird in der Regel in Albanien wenig gebraucht; daher werden speziell bei Banken mit größerem Netzwerk angefallene Bargeldbestände dorthin geliefert, wo sie konzernintern gebraucht werden.

Aus weiter entfernteren Destinationen ist für Banken ein bewachter Banknoten-Transport im Bauch von Flugzeugen billiger als ein von Security-Firmen erledigter Panzerwagen-Transport über große Distanzen über Land - gerade für Banken mit Auslandsnetz, in dem viel Bargeld durch Umtausch anfällt. Flughäfen, an denen solche Wertguttransporte abgewickelt werden, müssen für diese Art sensibler Lieferungen zertifiziert sein, also über die nötige Infrastruktur und speziell gesicherte Bereiche verfügen. Eigene spezielle Panzer-Lkw für Geldtransporte hat in Österreich nur die Oesterreichische Nationalbank (OeNB).

Albanische Regierung kritisiert Betreiber aus China

Zugleich kritisierte die Regierung den chinesischen Betreiber des Flughafens. Es war das zweite Mal in drei Jahren, dass der Airport Ziel eines Raubüberfalls wurde.

Man werde "nicht länger dulden, dass die Sicherheit der Bürger und das Image des Landes leiden", erklärte Verteidigungsministerin Olta Xhacka. Gemeinsam mit Innenminister Sander Lleshaj beschuldigte sie den in Hongkong ansässigen Finanzdienstleister China Everbright Limited (CEL), der den Flughafen betreibt, der "ständigen Verantwortungslosigkeit". Es war das zweite Mal in drei Jahren, dass der Airport Ziel eines Raubüberfalls wurde.

Chinesische Finanzfirma als Betreiber: "Ständige Verantwortungslosigkeit"

"Ich habe angeordnet, dass Angehörige der Militärpolizei und Truppen der Spezialeinheit der Armee entlang des Sicherheitszaunes des Mutter-Teresa-Flughafens stationiert werden, sagte Xhacka. Der albanische Polizeichef Ardi Veliu kündigte zudem an, dass die Polizei mehr Aufgaben auf dem Flughafen übernehmen werde.

CEL wies den Vorwurf der Nachlässigkeit zurück. Man habe die Sicherheitsvorkehrungen seit einem ähnlichen Raub im Juni 2016 erhöht. "Der Flughafen gehörten nicht den Chinesen, er gehört allen Albanern. Er befindet sich auf albanischem Territorium und wird laut Gesetz von der nationalen Polizei geschützt", so die Finanzfirma. (apa/reuters/red)

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