Stahlindustrie

Nach Milliardenverlust - Arcelormittal bittet Aktionäre um Geld

Wegen der eingebrochenen Stahlpreise verbucht der weltgrößte Stahlhersteller für das Vorjahr einen neuen Rekordverlust von knapp rund sieben Milliarden Euro. Weil auch die Rohstoffe immer billiger werden, sitzt Arcelormittal gleich doppelt in der Preisfalle.

Der ungebremste Verfall der Stahl- und Rohstoffpreise hat dem weltgrößten Stahlhersteller Arcelormittal 2015 einen Rekordverlust eingebrockt. Unter dem Strich stand ein Fehlbetrag von fast 8 Mrd. US-Dollar (rund 7 Mrd. Euro), wie der Konzern am Freitag in Luxemburg mitteilte.

Es ist der vierte Jahresverlust nacheinander und der höchste seit der Fusion der Stahlunternehmen Arcelor und Mittal im Jahr 2007. Der Konzern bittet die Aktionäre nun um frisches Geld und streicht die Dividende.

Verkauf von Anteilen, Einschnitte in Spanien und den USA

Um den Schuldenberg abzutragen, plant das niederländische Unternehmen eine Kapitalerhöhung im Umfang von 3 Mrd. Dollar.

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Zudem kündigte das Unternehmen den Verkauf seiner Minderheitsbeteiligung am spanischen Autozulieferer Gestamp für 875 Mio. Euro an. Diese Schritte sollen die Schulden um 4 Mrd. auf unter 12 Mrd. Dollar drücken. An der Börse verlor das Papier zeitweise 5,5 Prozent.

Zudem kündigte der Vorstand Einschnitte in Spanien und den USA an. So wird in Spanien ein kleines Stahlwerk geschlossen. In den USA sollen einige Anlagen verkauft werden. Was das für Arbeitsplätze bedeutet, ließ der Vorstand offen. Bis 2020 sollen die Sanierungsschritte das Ebitda um drei Milliarden Dollar verbessern. In den vergangenen Jahren hatte der Konzern wegen der hohen Überkapazitäten bereits 4 seiner 25 Hochöfen in Europa stillgelegt.

Keine Kürzungen an den vier Standorten in Deutschland

In Deutschland seien dagegen derzeit keine Kürzungen vorgesehen. Arcelormittal ist Deutschland mit 4 Werken vertreten. In Bremen, Eisenhüttenstadt, Duisburg und Hamburg beschäftigt der Konzern gut 9.000 Mitarbeiter.

Konzern will von Aktionären Milliarden einsammeln

Um den bestehenden Schuldenberg zu verkleinern, will sich das Unternehmen nun 3 Mrd. Dollar am Aktienmarkt beschaffen. Die Mittal-Familie - mit 37 Prozent größter Aktionär des Konzerns - kündigte an, voll mitzuziehen und rund 1,1 Mrd. Dollar beizusteuern.

Im vergangenen Jahr war der Umsatz wegen des beschleunigten Preisverfalls um fast ein Fünftel auf 63,6 Mrd. Dollar abgesackt. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) fiel mit 5,2 Mrd. Dollar um rund 2 Mrd. Dollar niedriger aus als im Vorjahr.

Dass unter dem Strich ein Rekordverlust zusammenkam, lag an umfangreichen Aufräumarbeiten in der Bilanz. So korrigierte der Konzern den Wert seiner Beteiligungen an Bergbauprojekten um 3,4 Mrd. Dollar nach unten. Weitere 1,4 Mrd. Dollar schrieb Arcelormittal auf seine Stahlwerke ab. Hinzu kamen 1,3 Mrd. Dollar Wertberichtigungen auf Lagervorräte.

Stahlschwemme bringt Europas Stahlindustrie massiv in Bedrängnis

Wie von INDUSTRIEMAGAZIN.at mehrfach berichtet, kämpft die Stahlbranche seit Jahren vor allem in Europa mit Überkapazitäten und niedrigen Preisen. Die Nachfrage liegt weit unter dem Niveau von 2007.

Im vergangenen Jahr hat sich die Situation verschärft, weil China als größer Stahlproduzent weltweit wegen der eigenen Wirtschaftssorgen massenhaft Stahl auf den Weltmarkt wirft. Das setzt allen Stahlkonzernen zu. Die beiden größten deutschen Stahlhersteller Thyssenkrupp und Salzgitter schrieben zuletzt nur dank harter Sparprogramme noch schwarze Zahlen.

Zugleich haben sich in den vergangenen Wochen mehrere Konzernchefs für einen dringend notwendigen höheren Schutz der europäischen Stahlindustrie ausgesprochen, darunter etwa Voestalpine-Chef Wolfgang Eder,  oder Karl Koehler, Chef des in Europa produzierenden Konzernteils von Tata Steel, der damit den Abbau von tausenden Arbeitsplätzen begründet. Zuletzt warnte auch Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger nicht nur vor den Mehrbelastungen durch den Flüchtlingsansturm in Deutschland, sondern auch vor der aktuellen Politik auf die Stahlindustrie in Europa.

Arcelormittal sitzt doppelt in der Preisfalle

Arcelormittal sitzt gleich doppelt in der Preisfalle. Denn dass die Rohstoffpreise ebenfalls kräftig fallen, bedeutet für den Konzern keine Erleichterung. Das Unternehmen hatte in den vergangenen Jahren, als Rohstoffe zunehmend teurer wurden, in den Ausbau einer eigenen Erzförderung investiert. Das erweist sich nun als Belastung.

Der Konzern bemühte sich am Freitag aber, etwas Hoffnung zu schüren. "Die Preise dürften im vergangenen Quartal ihren Tiefpunkt erreicht haben", sagte Finanzchef Aditya Mittal vor Journalisten. Zudem dürfte die Stahlnachfrage in Europa und den USA in diesem Jahr steigen. Außerdem hofft der Konzern darauf, dass die EU die Branche bald mit effektiven Schutzzöllen vor Dumping-Importen schützt.

Bis sich das allerdings in den Ergebnissen des Konzern niederschlägt, werde es etwas dauern, sagte Mittal. So prognostiziert der Vorstand für dieses Jahr einen weiteren Ebitda-Rückgang auf bis zu 4,5 Mrd. Dollar und ein schwaches ersten Quartal. (dpa/reuters/apa/red)

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