Luftfahrtindustrie

Nach Milliardenverlust: Airbus reduziert Produktion des A350

Nach einem Milliardenverlust im zweiten Quartal wegen der Coronakrise will Airbus die Produktion seiner Erfolgsreihe A350 weiter herunterfahren. In zwei Jahren könnte der Bau von Flugzeugen für die Kurzstrecke hochgefahren werden.

Luftfahrtindustrie Airbus Boeing A350 Coronakrise Guillaume Faury

Nach einem Milliardenverlust im zweiten Quartal wegen der Coronakrise will Airbus die Produktion seiner Erfolgsreihe A350 weiter drosseln. Künftig sollten nur noch fünf der Jets pro Monat gebaut werden, kündigte der Konzern an. Im April hatte er die monatliche Produktionsrate bereits auf sechs von 9,5 Maschinen gesenkt.

Für das zweite Quartal wies Airbus mit einem Minus von rund 1,4 Milliarden Euro einen höheren Verlust aus als erwartet. Im Vorjahreszeitraum hatte der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern noch einen Gewinn von 1,16 Mrd. Euro gemacht. Der Umsatz sank von 30,9 auf 18,9 Mrd. Euro.

Airbus-Chef Guillaume Faury sagte, er rechne mit einer langsamen Erholung der Branche, die lange dauern werde und in unterschiedlichem Tempo bei Inlands- und Langstreckenflügen voranschreiten werde. "Wir verfolgen die Entwicklung", sagte er. "Verglichen mit dem, was wir im Vorquartal erwartet hatten, dauert die Erholung etwas länger, aber nicht sehr." Er gehe nicht davon aus, dass die Produktion kurzfristig, also bis Anfang 2021, wieder hochgefahren werde. Es sei aber recht wahrscheinlich, dass die Produktionsraten bei den Kurzstreckenmaschinen 2022 wieder erhöht würden. Bei den Langstreckenflugzeugen werde es wohl länger dauern.

White Paper zum Thema

Am Vortag hatte auch der amerikanische Konkurrent Boeing angekündigt, die Produktion seiner Erfolgsreihen 787 und 777 weiter zu kürzen. Zudem werde das Hochfahren der 737-MAX-Herstellung verschoben. Der Umsatz von Boeing war im zweiten Quartal um 25 Prozent auf 11,81 Mrd. Dollar (rund 10 Mrd. Euro) abgestürzt.

Airbus-Chef Guillaume Faury sagte, die Konsequenzen der Pandemie für das Geschäft des Unternehmens zeigten sich nun sehr deutlich. Im ersten Halbjahr seien nur noch halb so viele Verkehrsflugzeuge ausgeliefert worden wie im Vorjahreszeitraum. Der operative Mittelabfluss liege bei 12,4 Mrd. Euro, teilte Airbus mit. 4,4 Mrd. Euro davon seien im zweiten Quartal angefallen.

Noch nicht in den Zahlen enthalten seien die Kosten für den wegen der Coronakrise geplanten Stellenabbau. Diese dürften zwischen 1,2 Mrd. Euro und 1,6 Mrd. Euro liegen. Anfang Juli hatte der Konzern mitgeteilt, wegen des Einbruchs der Flugzeugnachfrage 15.000 Arbeitsplätze abbauen zu wollen. Airbus hat die Produktion von Verkehrsflugzeugen um 40 Prozent gedrosselt. Derzeit stehen viele fabrikneue Maschinen auf Halde, weil die Kunden sie nicht mehr abnehmen wollen. Der Flugverkehr war wegen der Pandemie in den vergangenen Monaten weltweit fast zum Erliegen zu kommen.

Den Jahresausblick hatte der Konzern bereits im März zurückgezogen. Angesichts der Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Coronakrise werde aktuell auch keine neue Prognose gegeben. (reuters/apa/red)