Ölpreise

Nach historischem Preissturz: Turbulenzen am Ölmarkt gehen weiter

Die Turbulenzen am Rohölmarkt haben sich auch nach dem historischen Preisrutsch fortgesetzt. Denn eines der großen Probleme besteht weiter: Die Nachfrage ist wegen Corona am Boden - und beim Angebot gibt es eine Ölschwemme.

Die Turbulenzen am Rohölmarkt haben sich nach dem historischen Preisrutsch fortgesetzt. Der am Montag erstmals unter die Nullmarke gefallene Preis für US-Rohöl zur zeitnahen Auslieferung wirkte sich am Dienstag auf weitere Marktsegmente aus. Nicht nur der Preis für amerikanisches Rohöl fiel stark, auch der Preis für europäisches Rohöl sackte ab.

WTI: Immer noch Preise weit unter 20 Dollar

Die amerikanische Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im Juni kostete am Dienstag im Tief 11,59 Dollar (10,67 Euro). Am Abend lag der Preis dann bei 13,74 Dollar, das waren immer noch 7,68 Dollar weniger als am Vortag. Am Montag war der Preis für WTI zur Mai-Lieferung massiv in den negativen Bereich gefallen - so etwas hatte es davor noch nie gegeben. Details: Ölpreise stürzten historisch ab - erstmals negativer Preis bei WTI-Future >>

Zwischenfälle mit Kriegsschiffen des Iran auf hoher See

Zur Wochenmitte erwischte es auch die europäische Sorte Brent. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) fiel am Mittwoch zunächst bis auf 15,98 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit 1999. Auch für die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) ging es zuerst weiter bergab. Am Nachmittag erholten sich die Notierungen dann aber sichtlich.

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Ausschlaggebend für die dann steigenden Ölpreise war eine Drohung von US-Präsident Donald Trump in Richtung Iran. Trump twitterte, er habe die US-Marine angewiesen, iranische Schiffe zu zerstören, falls diese sich amerikanischen Schiffen in den Weg stellen sollten. Hintergrund war ein Zwischenfall auf offener See. Am Ölmarkt stiegen nach Trumps Drohung die Risikoprämien an. Das Verhältnis zwischen den USA und dem ölreichen Iran ist stark belastet.

Angebot und Nachfrage klaffen weit auseinander

Auslöser des Phänomens dürfte zu Beginn dieser Woche eine Mischung aus einer stark fallenden Nachfrage wegen der Corona-Krise und einem viel zu hohen Angebot sein. Details: Ölpreise: Konktrakte waren der Treiber hinter dem Absturz >>  

Der Ausnahmezustand am Ölmarkt geht zurück auf ein stark auseinanderklaffendes Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Auf der Nachfrageseite wiegt schwer, dass die Corona-Pandemie derzeit viele Volkswirtschaften faktisch lahmlegt. Entsprechend gering ist der Bedarf an Rohöl und Ölprodukten wie Benzin, Diesel und Heizöl. Das hat auch Auswirkungen auf die Sprit- und Heizölpreise, die bereits deutlich rückläufig sind.

Auf der Angebotsseite herrscht nach Meinung vieler Fachleute eine Ölschwemme vor. Zwar haben große Fördernationen wie Russland und Saudi-Arabien bereits deutliche Förderkürzungen angekündigt. Diese werden jedoch angesichts des starken Nachfragerückgangs als zu gering erachtet. So entsprechen die avisierten Produktionskürzungen des Ölkartells Opec und verbündeter Staaten gerade mal einem Drittel des befürchteten Nachfrageeinbruchs wegen der Corona-Krise.

Lager sind nahezu voll

Hinzu kommt, dass die Lagerkapazitäten in vielen Ländern knapp werden oder sogar bereits erschöpft sind. In Cushing, dem Auslieferungsort für amerikanisches Rohöl, sind zwar noch freie Kapazitäten vorhanden. Allerdings sind diese in den vergangenen Wochen stark zurückgegangen. Vom größten privaten Anbieter von Öllagerraum, dem in Rotterdam ansässigen Unternehmen Royal Vopak, hieß es, seine Lagerkapazität sei nahezu erschöpft. (dpa/apa/red)

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