Energiewirtschaft

Nach erbittertem Kampf: Mehrheit an Uniper gehört jetzt finnischer Fortum

Nach langem Kampf hat sich der finnische Versorger Fortum eine satte Mehrheit am deutschen Energieriesen Uniper gesichert. Jetzt wollen die Finnen den Chefposten im Aufsichtsrat - Wladimir Putin soll dabei helfen.

Der finnische Versorger Fortum hat sich nach langem Tauziehen und erbittertem Streit die Mehrheit am Energiekonzern Uniper gesichert. "Unser Anteil wird auf mindestens 70,5 Prozent ansteigen", sagte Fortum-Chef Pekka Lundmark.

Fortum übernimmt dazu von den aktivistischen Investoren Elliott und Knight Vinke für 2,3 Mrd. Euro mindestens 20,5 Prozent an dem Versorger und stockt sein Paket von knapp 50 Prozent der Aktien auf. Nun will Fortum nach dem Chefposten des Aufsichtsrats bei Uniper greifen, mit Management und Arbeitnehmern streben die Finnen einen Dialog an: "Wir gehen den skandinavischen Weg." Uniper teilte mit, man erwarte konstruktive Gespräche und eine Lösung im besten Interesse des Konzerns. Deutliche Kritik kam von den Arbeitnehmern bei Uniper.

"Wir haben heute einen wichtigen Schritt gemacht, um ein führendes Unternehmen in der europäischen Energiewende zu schaffen", betonte Lundmark. Voraussetzung für die Mehrheitsübernahme ist, dass die Behörden in Russland und den USA die Transaktion freigeben. Ludmark sagte, er sei zuversichtlich, diese Hürde bis Anfang 2020 zu überspringen. Dazu habe er auch ein Gespräch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin geführt.

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"Eine in Deutschland einzigartig negative Vorgehensweise"

Uniper hatte sich zwei Jahre lang gegen eine Übernahme gestemmt, da der Düsseldorfer Versorger eine Zerschlagung befürchtet. "Unser Fokus liegt seit jeher darauf, Lösungen zu finden, die im besten Interesse sind für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Uniper, für unser Geschäft und unsere Kunden, für alle unsere Aktionäre und Partner", sagte ein Uniper-Sprecher.

"Fortum geht weiterhin ohne jegliche Abstimmung oder Einbindung der Beschäftigten vor", sagte Konzernbetriebsratschef Harald Seegatz der Nachrichtenagentur Reuters: "Es ist für uns nach wie vor vollkommen unverständlich und inakzeptabel, dass Fortum seine Strategie (..) den Beschäftigen nicht erläutert hat." Dies sei "eine in Deutschland einzigartig negative Vorgehensweise". Die Arbeitnehmer seien aber zu einem Dialog bereit.

Die Pläne Fortums riefen auch NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart auf den Plan: "Wir stehen sowohl mit dem Management von Uniper als auch von Fortum im direkten Kontakt und setzen uns für eine dauerhaft tragfähige Lösung ein", sagte er. Diese müsse Uniper in seiner Finanzkraft erhalten und Standorte, Arbeitsplätze und Energieversorgung nachhaltig sichern.

Fortum versicherte, zumindest in den nächsten zwei Jahren keinen Beherrschungs- oder Gewinnabführungsvertrag anzustreben. Den Uniper-Mitarbeitern sagte Lundmark zu, bestehende Betriebsvereinbarungen und Tarifverträge zu respektieren. "Ich stehe dafür ein, dass Fortum ein starker und zuverlässiger Eigentümer sein wird, der Uniper und seinen Mitarbeitern attraktive Perspektiven bietet", sagte er. Im Rahmen der Transaktion werde es keine betriebsbedingte Kündigungen geben, der Firmensitz werde nicht aus Düsseldorf verlegt. Die Stillhalte-Frist von 24 Monaten solle für Gespräche über eine gemeinsame Zukunft genutzt werden: "Wir laden Uniper zu einer gemeinsamen Strategie ein."

Finanzfirmen haben ordentlich abkassiert

Für Elliott und Knight Vinke hat sich das Engagement bei Uniper gelohnt. Ihnen zahlt Fortum 29,93 Euro je Aktie - deutlich mehr als der Konzern für die restlichen Papiere auf den Tisch legen musste. Fortum habe "ein Premium für die Mehrheit gezahlt", sagte Lundmark. Für die knapp 47 Prozent, die E.ON an seiner Ex-Tochter hielt, überwiesen die Finnen lediglich 22 Euro je Anteilsschein. Insgesamt hat Fortum nun 6,2 Mrd. Euro in die Uniper-Übernahme gesteckt. Fortum-Papiere legten an der Börse in Helsinki zunächst um zwei Prozent zu, drehten dann aber ins Minus. Die Uniper-Aktie fiel um über sieben Prozent auf 27,73 Euro.

Lundmark warb für die Übernahme: "Ich bin davon überzeugt, dass dies hochinteressante Chancen für beide Unternehmen und ihre Mitarbeiter bieten wird", sagte er. Die Portfolios von Fortum und Uniper in Schweden und Russland ergänzten sich. Die Investition in Uniper biete Fortum zudem Zugang zu Deutschland und anderen Märkten in Kontinentaleuropa, in denen sich die beiden Unternehmen kaum überschneiden. Gemeinsam seien Fortum und Uniper in einer starken Position, um Wachstumschancen zu nutzen - "sofern beide Unternehmen eng koordiniert agieren". Fortum will nun möglichst schnell entsprechend seines Anteils im Aufsichtsrat von Uniper vertreten sein - und reklamiert den Vorsitz für sich. Die Tage von Bernhard Reutersberg an der Spitze des Uniper-Aufsichtsrats sind damit gezählt. "Wir erwarten, dass wir auch den Vorsitz des Aufsichtsrats haben sollten", unterstrich Lundmark.

Lundmark zeigte sich zuversichtlich, bis zum Ende des ersten Quartals 2020 die noch ausstehenden Genehmigungen aus den USA und Russland zu erhalten. Bisher ist Fortum die Mehrheit an Uniper durch eine Regelung in Russland verwehrt. Dort betreiben die Deutschen mehrere Kraftwerke, wozu auch eine von Russland als strategisch erachtete Anlage zur Trinkwasseraufbereitung gehört. Fortum erklärte, der Konzern befinde sich in Gesprächen mit den russischen Behörden. Er sei optimistisch, eine Einigung zu finden, sagte Lundmark: "Wenn das nicht so wäre, hätten wir diese Transaktion nicht gemacht." Putin habe die Behörden gebeten, nach Wegen zu suchen, das Thema zu lösen. (reuters/apa/red)

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