Maschinenbau

Nach einem Gewinneinbruch im Vorjahr will Palfinger heuer ein Rekordergebnis einfahren

Restrukturierungskosten und mehrere Einmaleffekte belasten das Konzernergebnis. Der österreichische Kranhersteller reagiert mit Dividendenkürzung. Das neue Jahr startete für Palfinger mit vollen Auftragsbüchern.

Trotz voller Auftragsbücher setzte Palfinger bereits Mitte Dezember des Vorjahres eine Gewinnwarnung ab. 

Der börsennotierte Kranhersteller Palfinger verzeichnete 2017 wegen Restrukturierungskosten und mehrerer Einmaleffekte wie erwartet einen markanten Gewinnrückgang, rechnet aber für 2018 bereits wieder mit einem Rekordergebnis. Auch der Umsatz soll auf den bisher höchsten Wert klettern. Der Auftragseingang sei anhaltend gut, erklärte das Salzburger Unternehmen am Donnerstag.

Voriges Jahr brach das Konzernergebnis um 14,2 Prozent auf 52,5 Mio. Euro ein - noch etwas stärker als von Analysten erwartet, die im Schnitt mit 12,5 Prozent Rückgang gerechnet hatten. Die Dividende soll von 57 auf 47 Cent je Aktie gekürzt werden.

Volle Auftragsbücher

Das Betriebsergebnis (EBIT) stieg trotz der Belastungen um 3,9 Prozent auf einen neuen Höchstwert von 110,2 Mio. Euro. Um die Restrukturierung bereinigt wäre das EBITDAn (n=normalized) um 7,8 Prozent auf 186,0 Mio. Euro gestiegen, und das EBIT hätte bereinigt (EBITn) von 123,7 auf 129,7 Mio. Euro zugelegt. Auch wenn die EBITn-Marge aufgrund der Q4-Entwicklungen um 1,2 Prozentpunkte unter der angestrebten 10-Prozent-Marke lag, sehe man sich hinsichtlich der Profitabilitätsverbesserung auf einem guten Weg, wird betont.

In Summe fielen voriges Jahr 19,5 Mio. Euro an Restrukturierungskosten an, etwas mehr als 2016 (17,7 Mio. Euro). Zudem war das Finanzergebnis durch eine Beendigung des Hedge-Accounting der Sicherungsgeschäfte für ein Marine-Projekt belastet.

Rekordumsatz erwartet

Der Konzernumsatz legte im Vorjahr um 8,4 Prozent auf 1,471 Mrd. Euro zu, ebenfalls ein Rekordwert. Der Auftragseingang sei Anfang 2018 anhaltend gut. Ende 2017 habe man einen sehr hohen Auftragsstand ausgewiesen und sei daher für die Geschäftsentwicklung 2018 optimistisch, heißt es im Ausblick. Es werde erwartet, dass die Produktionswerke weiterhin gut ausgelastet sind. Die globale Betrachtung der Wertschöpfungsstrukturen werde zum Ausgleich von Auftragsspitzen beitragen.

Für 2018 rechne man aus heutiger Sicht erneut mit einem Rekordumsatz. Die Restrukturierung in Nordamerika werde voraussichtlich im ersten Halbjahr abgeschlossen; im Marinebereich würden weitere Maßnahmen folgen. "Die bereits 2017 durchgeführten sowie zusätzliche Veränderungen sollten eine überproportionale Ergebnissteigerung und somit auch ein Rekordergebnis ermöglichen."

Nach Bereichen erhöhte sich der Umsatz im "Segment Land" um 6,6 Prozent auf 1,130 Mrd. Euro, getragen vor allem von Europa und hier auch der Übernahme des dänischen Vertriebspartners. In Asien und GUS habe sich das Geschäft ebenfalls erfreulich entwickelt. Das Segment-EBITDAn sei um 14,6 Prozent auf 201,4 Mio. Euro gestiegen, das Segment-EBIT von 128,9 auf 147,5 Mio. Euro. An Restrukturierungskosten seien (vor allem in Nordamerika) 13,3 Mio. Euro angefallen, nach 9,5 Mio. Euro im Jahr davor.

Zielgerichtete Restrukturierung

Die Erlöse des "Segment Sea" wuchsen um 18,6 Prozent auf 240,9 Mio. Euro, primär durch die erst seit Mitte 2016 konsolidierte Harding-Gruppe. Das Segment-EBITDAn schrupfte von 11,5 Mio. auf 3,2 Mio. Euro, das negative Segment-EBIT sank weiter auf -14,8 (-3,2) Mio. Euro. Die Restrukturierung kostete in dem Segment 5,5 (6,1) Mio. Euro. In einigen Produktgruppen habe der niedrige Ölpreis die Investitionsbereitschaft deutlich gebremst, im zweiten Halbjahr habe es aber auf niedrigem Niveau eine Stabilisierung gegeben, erklärte das Unternehmen im Vorfeld des Bilanzpressegesprächs. Der Mitarbeiterstand betrug 10.212 nach 9.846

Mit einer "zielgerichteten Restrukturierung des gesamten Marinebereichs" wolle sich Palfinger "für zukünftige Aufwärtstrends positionieren". In Korea und den Niederlanden seien bereits Konsolidierungsmaßnahmen umgesetzt. Die Integration von Harding werde voraussichtlich noch länger dauern. Weitere Restrukturierungsschritte würden evaluiert und befänden sich in Umsetzung. 2016 hatte Palfinger die norwegische Harding mit damals 140 Mio. Euro Umsatz und knapp 1.000 Mitarbeitern übernommen. 2017 leistete Harding einen Umsatzbeitrag von 101,6 Mio. Euro. Das gesamte SEA-Segment stellte 16,4 (15,0) Prozent der Palfinger-Erlöse.

Aktie gab nach

Das Eigenkapital per Ende 2017 wird mit 575,7 Mio. Euro (-0,7 Prozent) beziffert, die Eigenkapitalquote mit 37,3 (37,7) Prozent. Die Nettofinanzverschuldung stieg leicht von 513,1 auf 513,3 Mio. Euro, die Gearing Ratio betrug damit 89,2 (88,5) Prozent. Investiert wurden voriges Jahr netto 68,3 (71,4) Mio. Euro, vor allem in den Ausbau von Produktionskapazitäten und Ersatzinvestitionen. Der Free Cashflow habe 43,1 Mio. Euro nach -68,7 Mio. Euro im Jahr davor betragen, heißt es.

Geleitet wird Palfinger derzeit von den Vorstandsdirektoren Felix Strohbichler und Martin Zehnder, nachdem der langjährige CEO Herbert Ortner das Unternehmen per Ende Dezember vorzeitig verlassen hatte. Nachfolger gibt es noch keinen. Ortner war mehr als 16 Jahre im Palfinger-Management, davon fast 15 Jahre im Vorstand und knapp 10 Jahre als dessen Vorsitzender.

Die Palfinger-Aktien reagierten negativ auf die Ergebnisbekanntgabe und die avisierte Dividendenkürzung. Bis kurz nach 10.30 Uhr gaben die Titel an der Wiener Börse um 2,16 Prozent auf 34,0 Euro nach. (apa)

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