Luftfahrt

Nach der Pleite hofft Air Berlin jetzt auf Lufthansa und Easyjet

Nachdem Hauptaktionär Etihad kein Geld mehr zahlen will, hat das zweitgrößte deutsche Luftfahrtunternehmen Insolvenzantrag gestellt - und hofft jetzt auf den Konkurrenten Lufthansa. Air Berlin ist die Konzernmutter des österreichischen Ferienfliegers Flyniki.

Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin, Mutterkonzern der heimischen Niki, ist pleite. Mitten in der Urlaubszeit zog Großaktionär und Geldgeber Etihad die Reißleine und drehte den Geldhahn zu. Eine Geldspritze der deutschen Regierung von 150 Mio. Euro sichert nun vorerst den Weiterbetrieb. Letztlich ruhen aber die Hoffnungen auf der AUA-Mutter Lufthansa. Auch Easyjet hat Interesse.

Der Kredit der deutschen Regierung sorgt dafür, dass Air Berlin die nächsten drei Monate überbrücken kann und die Maschinen nicht am Boden bleiben müssen. Das Geld sollte bis Ende November reichen. "Wir vermeiden also eine Einstellung des Flugverkehrs", sagte die deutsche Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD). Eigentlich wäre die Airline nach Insolvenzrecht verpflichtet gewesen, den Flugbetrieb unmittelbar nach Einreichung des Insolvenzantrags einzustellen. Das wäre fatal gewesen, Air Berlin befördert täglich rund 80.000 Passagiere.

Derzeit fliegen Air Berlin wie auch Flyniki weiter

Die Insolvenz gefährdet nach Einschätzung von deutschen Verbraucherschützern vor allem Passagiere, die sich selbst ein Ticket gekauft haben. Wenn die Flüge nicht durchgeführt werden, greife anders als bei Pauschalreisen keine Absicherung, erläuterte die Verbraucherzentrale Bundesverband in Berlin.

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Derzeit fliegt Air Berlin aber weiter. Auch Niki fliege planmäßig, versicherte eine Sprecherin der APA. Für Niki mit seinen 850 Beschäftigten ist derzeit nach Unternehmensangaben nicht beabsichtigt, einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens zu stellen. Im Dezember 2016 war vereinbart worden, dass Air Berlin ihre österreichische Tochter Niki an Etihad verkauft. Etihad wollte im Anschluss die Niki-Beteiligung in ein neues Joint Venture mit dem Reisekonzern TUI einbringen. Der zweite Teil des Deals ist geplatzt.

Der Abschluss des Niki-Verkaufs an Etihad selbst steht noch unter dem Vorbehalt der behördlichen Genehmigung. Erst im Juni hatte Etihad-CEO Ray Gammell erklärt, man wolle die Transaktion in Kürze abschließen. "Unsere Investition in Niki steht."

Araber wollen nicht mehr zahlen

Mit Air Berlin hat die arabische Fluggesellschaft Etihad aber ihre Geduld verloren. Etihad könne kein weiteres Geld bereitstellen, erklärte die Airline aus Abu Dhabi am Dienstag. Die Lage hatte sich Ende vergangener Woche zugespitzt. Air Berlin hatte am Freitagabend bei der deutschen Regierung Alarm geschlagen, nachdem Etihad seine Zusage zurückgezogen hatte, dem deutschen Partner auch in den nächsten 18 Monaten unter die Arme zu greifen, wie der deutsche Verkehrsminister Alexander Dobrindt sagte.

Noch im April hatten die Araber weitere 350 Mio. Euro zugesagt und nach eigenen Angaben Air Berlin für 300 Mio. Euro deren Anteil an der österreichischen Niki abgekauft. Nur dank dieser Zusage hatte die überschuldete Air Berlin einen Insolvenzantrag bisher vermeiden können. Mit dem Rückzug sei die positive Fortführungsprognose aber entfallen, erklärte nun der Vorstand von Air Berlin, der vom ehemaligen Lufthansa-Manager Thomas Winkelmann geführt wird.

Der Insolvenzantrag beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg ist der vorläufige Schlusspunkt eines jahrelangen Siechtums von Air Berlin. Etihad war 2011 bei Air Berlin eingestiegen und hält nur knapp 30 Prozent an Air Berlin, hatte den deutschen Partner aber immer wieder gestützt - unter dem Strich mit Milliarden. Etihad begründete den Schritt mit der Aussichtslosigkeit einer Sanierung: "Das Geschäft von Air Berlin hat sich in einer beispiellosen Geschwindigkeit verschlechtert."

Hoffen auf Lufthansa

Die Hoffnungen ruhen nun vor allem auf der Lufthansa, die seit längerem über die Übernahme von Teilen von Air Berlin verhandelt. Auch mit der Billigfluglinie Easyjet gebe es Gespräche, sagte ein Insider der Nachrichtenagentur Reuters. Damit sollten vor allem die Start- und Landerechte von Air Berlin auf deren Heimatflughafen in Berlin sowie in Düsseldorf gesichert werden. Mit dem Erlös aus dem Verkauf der Slots soll der Staatskredit zurückgezahlt werden, wie die deutsche Wirtschaftsministerin Zypries sagte. Über die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt laufen 30 Prozent des Flugverkehrs von Air Berlin. "Ziel war es, Ryanair draußen zu halten", sagte der Insider. Easyjet wollte sich dazu nicht äußern.

Die Lufthansa hat auch ein Eigeninteresse an dem Weiterbetrieb von Air Berlin. Schon jetzt sind mindestens 30 Mittelstreckenjets von Air Berlin samt Besatzung für den Lufthansa-Konzern im Einsatz. Die gemieteten Maschinen fliegen für die Lufthansa-Billigmarke Eurowings und die österreichische Konzerntochter Austrian Airlines (AUA). Die Lufthansa will mit ihrer Unterstützung auch erreichen, dass der Betrieb dieser Flugzeuge reibungslos weitergeht.

Wie viele der rund 8.600 Mitarbeiter von Air Berlin bleiben können, ist völlig offen. "Wir haben große Sorge um die Arbeitsplätze der Beschäftigten", sagte Bundesvorstandsmitglied Christine Behle von der Gewerkschaft Verdi. Lufthansa erklärte nur, der Erwerb von Unternehmensteilen biete "die Möglichkeit zur Einstellung von Personal".

(APA/Reuters/dpa/dpa-AFX/red)