Stahlindustrie

Nach dem Aus der Fusion mit Tata: Thyssenkrupp sucht andere Partner

Thyssenkrupp-Chef Guido Kerkhoff will auch nach dem gescheiterten Stahl-Joint-Venture mögliche Partnerschaften im Auge behalten. Doch die Linie der EU stehe diesem Wunsch entgegen.

Thyssenkrupp-Chef Guido Kerkhoff will auch nach dem gescheiterten Stahl-Joint-Venture mögliche Partnerschaften im Auge behalten. "Natürlich schauen wir, ob es beim Stahl alternative Konsolidierungsoptionen gibt", sagte er dem deutschen "Handelsblatt" in einem online veröffentlichen Interview.

"Bei der aktuellen Haltung der EU-Kommission sehe ich da allerdings keine Möglichkeiten für große Zusammenschlüsse. Deshalb werden wir da in einer Mehrheitsposition bleiben." Kerkhoff hatte mit Verweis auf Widerstände der EU-Kommission das seit Jahren vorangetriebene Bündnis des deutschen Industriekonzerns Thyssenkrupp mit Tata Steel Europe ebenso abgeblasen wie die von ihm geplante Konzernaufspaltung.

Ertragsperle des Konzerns soll an die Börse

Der Firmenchef will stattdessen die Konzernkasse mit einem Teilbörsengang der lukrativen Aufzugssparte füllen und für weitere Geschäfte Partner ins Boot holen. Zudem will er in den kommenden ein bis zwei Jahren 1,5 Mrd. Euro einsparen und in drei Jahren 6.000 der rund 160.000 Arbeitsplätze abbauen. Wann der Börsengang der Aufzugssparte stattfinden solle, wollte er nicht konkret sagen. "Das werden wir schnellstmöglich angehen und dann sehen, wann der richtige Zeitpunkt dafür ist."

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Auf die Frage nach einer möglichen Sonderdividende aus den Einnahmen erwiderte Kerkhoff: "Wir wollen die Bilanz von Thyssenkrupp stärken, um mehr Spielraum für den Umbau zu bekommen. Das hat absolute Priorität."

Marktexperten zufolge ist die Aufzugssparte deutlich mehr wert als der gesamte Konzern an der Börse, wo Thyssenkrupp derzeit eine Marktkapitalisierung von rund sieben Milliarden Euro hat. Am Wochenende hatte auch der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet nach einem Gespräch mit Kerkhoff und dem stellvertretenden Aufsichtsratschef Markus Grolms darauf gepocht, dass die Einnahmen aus einem Teilbörsengang der Aufzugssparte im Konzern bleiben.

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Geldgeber: Thyssenkrupp hat es jetzt noch schwerer

Nach Ansicht von Anlegervertretern wird es für Thyssenkrupp nun noch schwerer. "Man kann am neuen Ausmaß des Stellenabbaus ermessen, wie wichtig der indische Konkurrent Tata als Fusionspartner gewesen ist", sagte der Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Thomas Hechtfischer, der Deutschen Presse-Agentur. "Man hat drei Jahre rumgebastelt an der Stahlfusion. Das sind jetzt verlorene Jahre", betonte er. Auch in die abgeblasene Aufspaltung des Konzerns in zwei eigenständige, börsennotierte Unternehmen für Werkstoffe und für Industriegüter sei Managementkapazität und Zeit investiert worden. Der Nutzen sei bisher aber nicht sichtbar gewesen.

Verkauf der Aufzugsparte "Notlösung"

Den neuen Vorstandsplan, die profitable Aufzugssparte an die Börse zu bringen, sieht Hechtfischer eher als Notlösung. "Thyssenkrupp braucht das Geld, aber auch die Dividende. Die allerbeste Lösung scheint das nicht zu sein", meinte er. Die Gewinnausschüttung des "Prunkstücks" Aufzugssparte müsste man sich künftig mit anderen Aktionären teilen. (reuters/dpa/apa/red)