Luftfahrtindustrie

Nach Betrug bei FACC: Erste Verhaftung in China

Nach der spektakulären Cyberattacke auf den oberösterreichischen Flugzeugzulieferer FACC gab es jetzt eine erste Verhaftung in Hongkong, so ein Medienbericht. Firmengründer Walter Stephan kämpft unterdessen weiter gegen seine Entlassung: "Ich will arbeiten."

Nach der Cyber-Attacke auf den oberösterreichischen Flugzeugzulieferer FACC mit Sitz in Ried im Innkreis mit Schaden in zweistelliger Millionenhöhe hat es eine erste Festnahme gegeben. Das berichtete der "trend" unter Berufung auf das Bundeskriminalamt vorab am Donnerstag.

Demnach wurde eine Person in China festgenommen. Diese werde derzeit von den Polizeibehörden in Hongkong vernommen, zitiert das Magazin den Chef des für Betrug, Fälschung und Wirtschaftskriminalität zuständigen Büros im Bundeskriminalamt Claus-Peter Kahn.

Im Jänner war FACC Opfer eines sogenannten "Fake President Fraud" (Geschäftsführer-Trick-Betrugs) geworden. In 48 Mails unter dem Namen des CEO wurde verlangt, über 50 Mio. Euro für ein angebliches Geschäft zu überweisen. Dem wurde Folge geleistet. Schon zuvor hatte es einen ähnlichen Betrugs-Versuch gegeben, im vergangenen Juni wieder.

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Mit dieser Methode haben Wirtschaftsbetrüger in den vergangenen Monaten bereits mehrere andere Unternehmen um große Beträge erleichtert. Mehr dazu hier: FACC ist in Österreich nicht das einzige Opfer >>

Ähnlicher Betrugsfall beim Autozulieferer Leoni vor wenigen Tagen

Vor wenigen Tagen wurde auch der deutsche Autozulieferer Leoni Opfer eines millionenschweren Betrugs. Die bisher unbekannten Täter nutzten dafür gefälschte Dokumente und Identitäten sowie elektronische Kommunikationswege, wie das Unternehmen am Dienstag überraschend mitteilte. Damit sei Geld auf Konten im Ausland transferiert worden. Der Schaden belaufe sich auf rund 40 Mio. Euro. Mehr dazu hier: Millionenbetrug beim Autozulieferer Leoni erinnert stark an Fall bei FACC >>

Deutschland: Über 60 Betrugsfälle im Jahr 2013 waren erfolgreich

Die Masche tauchte vor etwa zwei Jahren zuerst in der Schweiz und im französischsprachigen Europa auf. Hinter dem Betrug soll ein weltweit operierendes Netzwerk der Organisierten Kriminalität stecken. Das FBI bezifferte den weltweiten Schaden auf 3,1 Mrd. US-Dollar (2,8 Mrd. Euro) in 100 Staaten.

Dem deutschen Bundeskriminalamt wurden seit 2013 bundesweit rund 60 Betrugsfälle mit einem Gesamtschaden von 106 Mio. Euro bekannt. Der tatsächliche Schaden könne aber höher liegen, weil es dazu keine Statistik mit Meldepflicht gebe.

FACC-Firmengründer Walter Stephan kämpft weiter gegen seine Entlassung

Im Mai musste der Unternehmensgründer und langjährige FACC-Chef Walter Stephan überraschend seinen Sessel räumen. Er hat Klage gegen seine Entlassung eingereicht, weil er die Begründung dafür nicht verstehen kann. "Meine Klage lautet auf Anfechtung meiner Abberufung. Ich will arbeiten", wird Stephan zitiert, dessen Vertrag bis 2019 läuft. Mehr dazu hier: Klage gegen Entlassung: FACC-Gründer Walter Stephan meint es ernst >>

(apa/red)