Luftfahrt

Multimilliardär Thiele könnte Rettung der Lufthansa torpedieren

Bei der Konzernmutter der Austrian Airlines hat der Mehrheitseigner von Knorr-Bremse und dem Bahnkonzern Vossloh in der Krise 15 Prozent aufgekauft - und könnte nun das schwer ausgehandelte Rettungspaket zu Fall bringen.

Heinz Hermann Thiele scheut keine Turbulenzen. Bei Knorr-Bremse arbeitete er sich vom Sachbearbeiter zum Hauptaktionär empor und formte den deutschen Konzern zum weltgrößten Bremsenlieferanten für Züge und Lastwagen. Mit einer Bieterschlacht um den schwedischen Knorr-Rivalen Haldex verhinderte der Unternehmer in den vergangenen Jahren dessen Übernahme durch den Autozulieferer ZF Friedrichshafen.

Thiele regiert bei ZF, Knorr-Bremse und Vossloh mit

Den Bahntechnikhersteller Vossloh übernahm Thiele 2019 gegen alle Widerstände. Dass es bei der Durchsetzung seiner Pläne gelegentlich zum Streit kommt, ist der 79-Jährige gewohnt. "Er hat seinen eigenen Kopf", sagt ein früherer Weggefährte.

Jetzt will es der Selfmademan noch einmal wissen. Thiele, den das Magazin Forbes mit einem Vermögen von 15 Milliarden Dollar (13 Mrd. Euro) auf Platz 91 der reichsten Menschen der Welt führt, ist neuer Großaktionär der Lufthansa. Mitten in der Coronakrise kaufte er 15 Prozent an der angeschlagenen Airline zusammen.

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Die deutsche Regierung und das Lufthansa-Management ließ Thiele per Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) wissen, was bei der Firmenrettung anders laufen soll, und bringt damit den bereits beschlossenen Plan ins Wanken.

Vom Sachbearbeiter zum Multimilliardär

Der geborene Mainzer studierte in München Rechtswissenschaften und begann seine Karriere 1969 als Sachbearbeiter in der Patentabteilung des Traditionsunternehmens Knorr-Bremse. Bald stieg er ins mittlere Management und später zum Vorstandschef auf. Als sich die damaligen Gesellschafter zerstritten, übernahm Thiele ab Ende 1985 sukzessive das kriselnde Unternehmen und brachte es mit einem globalen Expansionskurs wieder in die Spur. Im Jahr 2018 folgte der Börsengang, bei dem der Patriarch mit gut 70 Prozent der Anteile seine Macht behielt. 2019 schrieb der Konzern mit 29.000 Mitarbeitern bei einem Umsatz von 6,9 Milliarden Euro 632 Millionen Euro Gewinn.

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Den Knorr-Bremse-Konzern hat Thiele nicht nur in den vergangenen Jahrzehnten als Eigentümer, Vorstandschef und Aufsichtsratschef geprägt, der auch nach seinem Rückzug vom Chefposten im Jahr 2007 weiter kräftig mitregierte. Thiele sei "ein sehr aktiver Aufsichtsratsvorsitzender der Knorr-Bremse AG, der neben strategischen Fragen gelegentlich auch operative Schwerpunktthemen aufgreift", schrieb das Unternehmen einst zu Thieles 70. Geburtstag. Anfang Mai kündigte er sogar an, von seinem Beraterposten als Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats als aktives Mitglied in das Gremium zurückzukehren.

Thieles Vorstellungen und seine enge Begleitung des Unternehmens führten wiederholt dazu, dass Spitzenmanager den Konzern verließen. Nach dem erfolgreichen Börsengang verabschiedete sich Vorstandschef Klaus Deller Knall auf Fall. Als Grund nannte das Unternehmen "unterschiedliche Auffassungen von Führung und Zusammenarbeit", lobte aber zugleich Dellers Strategie.

Bald darauf kündigte auch Finanzvorstand Ralph Heuwing seinen Rückzug an, nachdem der frühere Linde-Vorstand Bernd Eulitz zum neuen Chef gekürt worden war. Auch mit Gewerkschaften liegt Thiele über Kreuz. Knorr-Bremse verließ vor Jahren den Arbeitgeberverband. Der Haustarifvertrag sieht gegenüber dem Flächentarif sieben Stunden Mehrarbeit in der Woche vor. Die Bedingungen in seinen Unternehmen seien hart für die Arbeitnehmer, so ein Kenner. Dank seines Erfolgs als Unternehmer sei es aber selten zu Kündigungen gekommen. (reuters/apa/red)

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