Luftfahrtindustrie

Montana Aerospace: Tojner baut Imperium weiter aus

Investor Michael Tojner schlägt erneut zu und übernimmt mit Montana Aerospace die belgische Asco Industries. Was er sich von der Übernahme erwartet.

Die Montana Aerospace übernimmt die belgische Asco-Gruppe. Asco entwickelt und erzeugt mit 1.200 Mitarbeitenden Systemkomponenten und Strukturen für die Luftfahrtindustrie und produziert in Belgien, Deutschland, den USA und Kanada. Zuletzt lag der Jahresumsatz bei 260 Mio. Euro. Der Kaufpreis wurde nicht bekanntgegeben, Montana Aerospace prüft aber eine Kapitalerhöhung zur Finanzierung des Deals, heißt es in einer Aussendung des Unternehmens.

Für den Fall einer solchen Kapitalerhöhung hat sich die Montana-Aerospace-Mutter Montana Tech Components (MTC) bereit erklärt, diese durch die Zeichnung von bis zu rund 5,4 Millionen Stammaktien zu unterstützen. Auch haben die Verkäufer von Asco unter bestimmten Bedingungen akzeptiert, im Rahmen einer Kapitalerhöhung teilweise in Aktien der Montana Aerospace bezahlt zu werden. Die maximale Anzahl der Aktien, die alle beteiligten Parteien erhalten, beläuft sich auf 6,8 Millionen Stück.

Durch die Übernahme von Asco Industries will Michael Tojners Montana Tech Components ihre Kompetenzen in den Bereichen Produktdesign, Testung- und Herstellung von Hartmetallkomponenten und -baugruppen für Tragflächen- und Rumpfstrukturen weiter ausbauen und hofft auf ein rascheres Wachstum.

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Montana Aerospace plant, die Anlagen von Asco in sein globales Produktionsnetz zu integrieren. Darüber hinaus laufen derzeit Gespräche darüber, bestimmte Zentralfunktionen von Montana Aerospace nach Belgien zu verlagern, heißt es in der Aussendung. Asco hat die Zentrale in Zaventem bei Brüssel, dort sind mehr als 1.000 Mitarbeitende tätig.

Ein Zulieferer von Airbus und Boeing

Montana Aerospace beliefert die Flugzeughersteller Airbus und Boeing sowie viele andere mit Bauteilen aus Aluminium, Titan, Verbundwerkstoffen, Stahl und Kupfer, zählt aber auch Autobauer zu seinen Kunden. Experten zufolge könnte die Firma mit rund 4.800 Mitarbeitern auf einen Börsenwert von rund einer Milliarden Euro kommen.

Angesichts der Coronavirus-Krise sank der Umsatz der Gesellschaft 2020 auf rund 614 Millionen Euro, das bereinigte operative Ergebnis (EBITDA) auf 45 Millionen Euro. Dank eines prall gefüllten Auftragsbuchs rechnet der Börsenkandidat nun aber mit einer Erholung. Zur Montana Aerospace Group gehören neben der Schweizer Traditionsfirma Alu Menziken auch die Bereiche Metal Tech und Asta.

Ein Teil von Montana Tech

Montana Aerospace ist Teil der von Tojner kontrollierten Montana Tech Components Gruppe. Die beiden anderen Divisionen sind die deutsche Batteriehersteller Varta sowie Aluxflexpack. Die Schweizer Firma, die im Juni 2019 an die Schweizer Börse ging, stellt Verpackungen aus Aluminium- und Plastikfolien für die Lebensmittel-und Pharmabranche her. Montana Tech Components will auch nach dem IPO die Mehrheit am Luftfahrt-Zulieferer halten. Aktuell dazu: Michael Tojner: "Montana Tech liefert bestes Ergebnis ihrer Geschichte ab" >>

"Großer Konsolidierungsprozess und massiver Druck von Kunden"

"In der Luft- und Raumfahrtindustrie ist ein großer Konsolidierungsprozess im Gange, mit massivem Druck seitens der Kunden, die Komplexität einer extrem fragmentierten Lieferkette zu reduzieren", sagte Firmenchef Markus Nolte der Nachrichtenagentur Reuters. Die Zahl der derzeit Abertausenden von Lieferanten dürfte sich deutlich reduzieren. Die Kunden wollten mit weniger Zulieferern zusammenarbeiten. (apa/red)

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