Managed Services

Mondi-CIO Steffl: "Bringen türkische Werke in wenigen Tagen on air"

Mit dem Abschluss der Übernahme des türkischen Wellpappenverpackungserzeugers Olmuksan wird Mondis IT noch einmal um eine Dimension erweitert. Doch große Teile der Anbindung und des laufenden Betriebs der Netzwerke übernimmt ein externer Dienstleister - das entlastet und inspiriert die Truppe von CIO Rainer Steffl.

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"Standards und Blaupausen statt Prozessmonolithen im globalen Verbund." 
Rainer Steffl, CIO Mondi

Wer das Abenteuer in der Ferne sucht, ist bei Mondi an der richtigen Adresse. Mit über 100 Standorten ist der Verpackungs- und Papierhersteller in Südafrika, Mexico, Kolumbien und an so exotischen Plätzen wie in der russischen Kleinstadt Aramil am Ostrand des Mittleren Urals vertreten. Dienstort von Rainer Steffl ist die Marxergasse 4 in Wien. Den Innenstadtzauber in Reichweite, ist auch hier - nebst süßem Gut aus Händen versierter Zuckerbäcker einer unweit domizilierten Kurkonditorei - der Flair eines internationalen Unternehmens mit den Händen zu greifen. 19 Jahre arbeitet Steffl jetzt in den Schaltkreisen der Mondi-IT, seit 2011 bekleidet er das Amt des CIO.

Mit dem Abschluss der Übernahme des türkischen Wellpappenverpackungserzeugers Olmuksan Anfang Juni wird Mondis IT-Reich noch einmal um eine Dimension größer: Wieder einmal gilt es, neue Standorte - in dem Fall fünf an der Zahl – zu integrieren. Dass dies aller Voraussicht nach vergleichsweise locker von der Hand gehen wird, dafür sorgt ein Richtungsentscheid aus dem Jahr 2015: Beim Verpackungsriesen gab es grünes Licht für ein Projekt, bei dem es im Kern darum geht, eine nicht unerhebliche Teilverantwortung der globalen Netzwerk-Infrastruktur - von der Implementierung bis zum laufenden Betrieb - an einen Managed Services Provider abzugeben.

So wird die Kerntruppe der Mondi-IT entlastet - einem Team aus versierten Netzwerktechnikern, deren Aufgabe nicht sein soll, sich mit dem Aufbau oder der Bereitstellung von Basisfunktionalitäten der IT-Infrastruktur herumzuschlagen. Es gelingt Mondi damit aber ferner auch, mit Standards und Blaupausen statt Prozessmonolithen die türkischen Standorte im globalen Verbund "in wenigen Tagen on air zu bringen", sagt Steffl.

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Projekt voller Superlative 

Zur Hand geht dem Verpackungshersteller dabei die Österreich-Tochter des IT-Dienstleisters NTT. Dieser überführte das neue globale Netzwerk mit Kernelementen von Cisco in den seit 2016 gegebenen Regelbetrieb. Dabei folgt man den Gesetzmäßigkeiten des Software-defined Networking, einer konsequenten Trennung von Steuer- und Datenebene. Mirela Linaric, Vice President Services bei NTT in Östereich, muss nicht um Worte ringen, um den Charme des Projekts einzufangen.

Mirela, Linaric, NTT © NTT Austria

"IT ist nunmal nicht notwendigerweise die Kernkompetenz von Unternehmen."
Mirela Linaric, Vice President Support and Managed Services, NTT Austria

Sie erinnere sich noch heute an die "leuchtenden Augen" im Projektteam, welches in der frühen Designphase 2015 an diesem Projekt voller Superlative - und ob der Komplexität der Architektur und seiner geografischen Spannweite - mitwirken durfte. Zumal auch sie die Überzeugung teilt, dass die IT nunmal nicht notwendigerweise Kernkompetenz von Unternehmen zu sein hat.

Zu vernetzen gibt es in einem Unternehmen wie Mondi - wir erinnern uns: über 100 Standorte weltweit - jedenfalls eine Menge. Mit dem SAP-Kernsystem in Österreich, der Finanzkonsolidierung in Holland oder dem Sales Forecast in den USA sind eine Menge Daten im Zu- und Abfluss. Auch Parameter an Produktionsmaschinen wie etwa die Effizienz eines Laugenkessels oder die Performance einer Papiermaschine sind mitunter schon von jedem Ort einseh- und vergleichbar.

Auch eine hohe Kunst der IT: Man muss das richtige Händchen und sinnvolle Automatismen für die Priorisierung von Bandbreite haben. "Surft man in der Mittagspause privat, ist natürlich ein anderer Maßstab anzulegen als bei kritischen Unternehmensprozessen", so Steffl.

Keine Sekunde verloren 

Stabilität und Flexibilität - so fasst NTT-Austria-Managerin Mirela Linaric die Anforderungen an ein betriebliches Netzwerk wie jenem von Mondi denn auch zusammen. Besonders in Pandemiezeiten, in denen hundertprozentige Erreichbarkeit eine neue Bedeutung bekommt und in den zum Zerreißen gespannten Lieferketten Schnelligkeit zum Atout wird. So migrierten bei Mondi im Vorjahr mit einem Schlag tausende Mitarbeiter ins Homeoffice, "ohne die Steuerungshoheit über wertschöpfende Prozesse auch nur eine Sekunde zu verlieren", betont Steffl.

Zugleich wachse die Bandbreitennutzung durch die Digitalisierung eben auch in einem Unternehmen wie Mondi exponentiell. Wohl auch deshalb wurde unlängst die Achse Wien-Landstraße zu Wien-Leopoldstadt gestärkt und die Zusammenarbeit mit NTT Österreich, mit Firmenhauptsitz am neuen Austria Campus in Wien, verlängert.