Elektroautos

Mitarbeiter von Tesla: Produktionsziele nicht zu halten

Für immer unrentabler Nischenanbieter bleiben oder den Sprung in die Profitabilität schaffen: Für Tesla sei der alles entscheidende Punkt gekommen, sagen Beobachter. Teslas Geldgebern geht langsam die Geduld aus - während Audi, Daimler und BMW immer dichter an die Kalifornier heranrücken.

Wenn Elon Musk die Bühne betrat, feierten ihn seine Anhänger vor wenigen Monaten noch als Vordenker in Sachen Elektromobilität oder gar als Erlöser. Der Jubel, der dem Tesla-Chef entgegenbrandete, kannte keine Grenzen, wenn der Elektroauto-Pionier das Geheimnis um ein neues Elektro-Auto oder eines seiner Raumfahrtprojekte lüftete. Inzwischen ist der Stern des Visionärs allerdings etwas verblasst.

Das liegt nicht nur an mehreren tödlichen Unfällen mit Tesla-Fahrzeugen, die trotz eingeschalteter Autopiloten in Hindernisse gerast sind. Musk selbst droht vielmehr Opfer seiner ehrgeizigen Vorhaben zu werden und wirkt auf Analysten dünnhäutig. Das von ihm bis Ende Juni ausgegebene Produktionsziel von 5.000 Teslas vom Typ Model 3 in der Woche ist zum Knackpunkt für die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens aus dem Silicon Valley geworden.

Mitarbeiter: Produktionsziele nicht zu halten

 Tesla droht nach Informationen aus der Belegschaft sein aktuelles Produktionsziel für den Hoffnungsträger Model 3 zu verfehlen. Der Elektro-Auto-Pionier stelle pro Schicht nicht genügend dieser Fahrzeuge her, um bis Samstag das von Konzernchef Elon Musk ausgegebene Ziel von 5000 Stück pro Woche zu erreichen, sagten drei Bandarbeiter in der Tesla-Fabrik im kalifornischen Fremont zu Reuters.

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Demnach wurden diese Woche in zwei Zwölf-Stunden-Schichten an zwei verschiedenen Tagen einmal 210 und einmal 305 Fahrzeuge montiert und lackiert. Tesla fährt zwei solche Schichten pro Tag, also 14 pro Woche. Wenn von 300 Fahrzeugen pro Schicht ausgegangen wird, käme das Unternehmen so nur auf 4200 Autos. Tesla will mit dem günstigeren Model 3 den Massenmarkt erschließen, hat aber immer wieder mit Schwierigkeiten bei der Produktion zu kämpfen.

Konzernchef Musk schläft angeblich auf dem Fabrikdach

Seit Monaten versucht der ehrgeizige Milliardär Musk mit aller Kraft, das Produktionsziel zu erreichen und legt dazu auch selbst Hand an. Er übernachtete zeitweise sogar in der Fabrik, um Schwachstellen in der automatisierten Produktion zu beheben. Als das nicht reichte, die "Produktionshölle", wie er es selbst nannte, zu beseitigen, ließ er auf einem Parkplatz neben dem Werk in Fremont ein zwei Fußballfelder großes Zelt für eine neue Montagelinie errichten. "Ein neues Gebäude war unmöglich und so bauten wir in zwei Wochen ein riesiges Zelt", begründete der 47-Jährige den Bau via Twitter.

Analysten bezweifeln jedoch, ob das reicht, um dauerhaft 5.000 Autos pro Woche zu produzieren. "Musk nähert sich dem Ziel an - mit viel Aufwand und Wirbel, wie bei Tesla üblich - aber ich glaube nicht, dass er es in absehbarer Zeit schafft", sagt Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Erst Anfang Juni hatte Musk erklärt, zurzeit liefen 3.500 Fahrzeuge pro Woche vom Band. Im April waren es zunächst nur 2.270 Wagen gewesen.

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Analysten: Geldgeber werden langsam nervös

Autoanalyst Pieper verweist darauf, dass zahlreiche Manager das Unternehmen verlassen hätten und Tesla das Unternehmen damit noch stärker von Musk abhänge. Der genieße immer noch hohes Ansehen bei Investoren. Die Geldgeber könnten allerdings die Geduld verlieren, sollte Tesla sein Produktionsziel abermals verpassen.

Hinzu kommt, dass der rastlose Visionär sein Geld in zahlreiche Neuentwicklungen gesteckt hat, die er alle unter einen Hut bringen muss. Musk ist unter anderem Gründer des Raumfahrtunternehmens SpaceX und will Reisen zum Mars möglich machen. In einer offenbar als Werbegag gedachten Aktion schoss er unlängst einen roten Tesla mit einer Rakete ins All. Um den Verkehr auf der Erde zu revolutionieren, lässt Musk zudem eine für den Hochgeschwindigkeitstransport von Passagieren zugeschnittene Rohrpost in Vakuumröhren (Hyperloop) erproben.

Dass er selbst dabei noch nicht an die Grenzen physischer Belastung gekommen ist, wundert manchen Beobachter. Doch Musk ist von seinem Weg überzeugt und schickt selbst zu nächtlicher Zeit über Twitter Botschaften an Mitarbeiter oder beschwert sich über Kritik von Journalisten an seinem Führungsstil. Die Skepsis bei Investoren nimmt allerdings zu. "Bei der Organisation und Ausführung scheint er nicht so gut zu sein wie andere große Führungskräfte", zitierte das "Wall Street Journal" James Anderson, der die Tesla-Beteiligung von Baillie Gifford managt, dem drittgrößten institutionellen Anteilseigner des Autobauers.

Der entscheidende Punkt ist jetzt gekommen

Tesla befindet sich nach Meinung von Experten an einem entscheidenden Punkt. Denn vom Erfolg der Serienfertigung beim Model 3 hängt ab, ob sich das Unternehmen mit rund 40.000 Beschäftigten von einem unrentablen Nischenplayer zu einem profitablen Automobilhersteller wandeln kann. An der Börse ist Tesla mit 58 Mrd. US-Dollar (50 Mrd. Euro) inzwischen mehr wert als der größte US-Autobauer General Motors (56 Mrd. Dollar). Daimler liegt mit 69 Mrd. Dollar in Reichweite.

Musk profitiert von der Hoffnung seiner Geldgeber, dass Tesla der Durchbruch zu einem Massenhersteller gelingt. Dabei spielt für sie weniger eine Rolle, dass das Unternehmen nach wie vor tiefrote Zahlen schreibt. Das könnte sich nach Piepers Meinung ändern, wenn Tesla nicht liefert. "Es gibt auf Dauer kein Unternehmen, das sich gegen seine Fundamentaldaten behaupten kann."

Dazu kommt, dass die deutschen Traditionsautobauer Audi, Daimler oder BMW auch bei Elektroautos immer dichter an den visionären Hersteller heranrücken. "Schon im nächsten Jahr werden einige neue Elektromodelle vorgestellt, die vermutlich in manchen Dingen dem Tesla überlegen sein werden", glaubt Pieper. "Damit würde für Tesla die paradiesische Zeit, als Elektroautobauer auf weiter Flur alleine zu sein, zu ende gehen." (reuters/apa/red)

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