Energie

Unkalkulierbare Baukosten

Auch das Argument der billigen Preise ist nicht zu halten. „Too cheap to meter“, lautete jahrzehntelang die Losung der Befürworter, doch ihre Errichtung dauerte in Wirklichkeit oft Jahrzehnte.

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Energie Atomkraft

Den traurigen Rekord hält hier das AKW Bar Watts 2 in den USA. Der Bau startete 1972, wurde 1985 wegen explodierender Kosten gestoppt und ging ab 2007 weiter. Die Fertigstellung ist für 2016 geplant. In all den Jahren bekamen die Konzerne weder die Kosten noch die Dauer der Errichtung in den Griff.

Ein berühmtes Beispiel in Europa ist das Kraftwerk Flamanville am Ärmelkanal, gestartet 2007 ausgerechnet als Vorzeigeprojekt von Areva. Diesen November gab der Atomkonzern wieder einmal bekannt, dass sich die Fertigstellung auf 2017 verschieben wird – während sich die Baukosten inzwischen auf 8,5 Milliarden Euro mehr als verdreifacht haben.

Probleme beim Anlagenbau

Dann wäre da auch die Technik. Das französische Flamanville hat sowohl mit dem finnischen Problemkraftwerk Olkilouto als auch mit Hinkley Point in England etwas gemeinsam: Bei allen drei soll die neue Technologie des „Europäischen Druckwasserreaktors“ (EPR) zum Einsatz kommen – doch genauso wie in Flamanville gibt es auch in Finnland seit dem Baustart 2009 massive Verzögerungen. Siemens steckt als Partner von Areva in dem Projekt fest, ist aber inzwischen aus der Atomenergie ausgestiegen. Heute liefern sich beide mit dem finnischen Auftraggeber TVO milliardenschwere Klagen vor einem Schiedsgericht. Der Meiler wird trotzdem weitergebaut – voraussichtlich bis 2018, wie die Parteien im Oktober mitteilten.

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Schwierigkeiten bei EPR macht auch der Anlagenbau selbst. Gelegentlich weisen Fachberichte darauf hin, dass weltweit nur ein einziges Unternehmen in der Lage ist, bestimmte besonders große Bestandteile eines Reaktors zu schmieden – Japan Steel Works. Das sei der Grund dafür, warum Areva immer wieder mit Lieferschwierigkeiten kämpfe.

Nicht versicherbar

Die Frage der Versicherbarkeit führt all diese Effekte zusammen. Rückversicherer wie die Münchner Rück oder Swiss Re sind eigentlich Milliardentanker, die das Risiko eines Erdbebens in Kalifornien genauso mit einem Preis versehen wie die Wahrscheinlichkeit eines Hochwassers in Krems. Doch den Betrieb von Atomkraftwerken halten viele von ihnen für nicht versicherbar, hieß es zuletzt im Oktober bei der Uniqa Re.

Die Folge: Gegen einen ernsten Störfall sind AKW um den Faktor 100 bis 1000 unterversichert. All diese Faktoren plus die weiter weltweit ungelöste Frage der Endlagerung des radioaktiven Abfalls ergeben einen noch weit höheren Preis als die subventionierten 100 Euro pro Megawattstunde von Hinkley Point. Unterschiedliche Studien in Deutschland kommen hier im Schnitt auf einen Wert von 300 Euro pro MWh – und manche von ihnen auf mehr als das Zehnfache.

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