Energie

Britischer Durchbruch

Die EU-Kommission hat die milliardenschweren Hilfen Großbritanniens für den Bau des neuen AKW Hinkley Point C genehmigt, der 18,9 Milliarden Euro kosten und 2023 ans Netz gehen soll. Die Freunde der Atomkraft fühlen sich wieder so richtig auf dem Vormarsch.

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Energie Atomkraft

Und seit diesem Oktober fühlen sich die Freunde der Atomkraft wieder so richtig auf dem Vormarsch: Die EU-Kommission hat die milliardenschweren Hilfen Großbritanniens für den Bau des neuen AKW Hinkley Point C genehmigt, der 18,9 Milliarden Euro kosten und 2023 ans Netz gehen soll. Das ist der erste Neubau in Europa seit Fukushima. Und das erste europäische Projekt, bei dem neben Areva und EdF aus Frankreich auch zwei chinesische Atomkonzerne federführend beteiligt sind: CGN und CNNC.

Für größte Empörung sorgt allerdings der Umstand, dass die britische Regierung das europäische Subventionsverbot für Atomkraft umgeht und einen Abnahmepreis von 106 Euro pro Megawattastunde garantiert – und das für 35 Jahre. Inklusive Inflationsanpassungen, und inklusive Staatsgarantien für sämtliche Schulden. Das sind Bedingungen, die Lichtjahre von der viel geschmähten Ökostromumlage in Österreich oder in Deutschland entfernt sind.

Man habe nur die Gefahr einer Wettbewerbsverzerrung prüfen können, rechtfertigte sich die Kommission, die selbst noch im Frühjahr dagegen gestimmt hat. Aus Prag und Budapest kam warmer Applaus zur Entscheidung. Umweltschützer wie die Organisation Greenpeace sprechen dagegen vor einem Kniefall vor der Atomlobby – sie befürchten einen Dominoeffekt auf unzählige andere Projekte. Auch aus Wien kommt Protest. Bundeskanzler Werner Faymann und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner kündigten Klage vor dem EuGH an. Und der scheidende Energiekommissar Günther Oettinger nennt das Vorhaben schlicht „sowjetisch“.

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Sowjetisch

Das trifft den Kern. Denn Hinkley Point im Südwesten Englands zeigt vor allem eines: All die vermeintlichen Vorteile, die Anhänger der Atomkraft stets ins Feld führen, reichen nicht aus, damit die Technologie ohne Milliardensubventionen am Markt bestehen kann. Da wäre zum einen die Sicherheit, die spätestens seit dem beyond design base accident in einem so führenden Industrieland wie Japan vom Tisch ist.

Nach Zahlen von Greenpeace beläuft sich das Durchschnittsalter der heute aktiven Kraftwerke auf 28 Jahre – doch viele sind weitaus älter, zum Beispiel stehen zwei der weltweit ältesten Atomkraftwerke in der Schweiz. Das AKW Mühleberg direkt neben Vorarlberg ist seit 1972 in Betrieb und soll noch bis 2019 laufen. Der jüngste Zwischenfall in der Nachbarschaft zu Österreich ist erst wenige Tage alt. Im tschechischen Dukovany blieben zwei Blöcke sowjetischer Bauart bis Ende November zwei Wochen lang abgeschaltet, nachdem herauskam, dass eine Rohrleitung undicht war.

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