Energiewirtschaft

Milliardenverlust beim deutschen Energieriesen EnBW

Jahrzehntelang bescherte die Atomkraft großen Stromriesen üppige Gewinne - jetzt drücken sie die Kosten für den Atommüll und die Entsorgung von Kraftwerken tief in die Verlustzone. Jüngstes Beispiel ist EnBW, dem ein Drittel an der niederösterreichischen EVN gehört.

Die Kosten für den staatlichen Fonds zur Atommülllagerung haben beim drittgrößten deutschen Energiekonzern EnBW ein tiefes Loch die Bilanz gerissen. Der Konzern schrieb 2016 einen Verlust von 1,8 Mrd. Euro nach einem Nettogewinn von 158 Mio. Euro im Vorjahr, wie das Unternehmen mitteilt.

Grund war vor allem der Beitrag der Energie Baden-Württemberg von insgesamt 4,7 Mrd. Euro zum Atommüllfonds. Doch auch niedrige Großhandelspreise für Strom belasteten das Ergebnis. Der Umsatz schrumpfte um knapp 9 Prozent auf 19,4 Mrd. Euro. Vor Zinsen, Steuern und Sonderfaktoren verdienten die Badener mit 1,94 Mrd. Euro rund 9 Prozent weniger als vor Jahresfrist.

Nach jahrelangem Gewinnrückgang will EnBW-Chef Frank Mastiaux 2017 jedoch die Früchte des Umbaus ernten, zu dem der staatlich kontrollierte Versorger durch die Energiewende gezwungen war. "Wir konzentrieren jetzt alle Kraft darauf, unsere Ergebnisentwicklung ab 2017 ins Positive zu wenden", erklärte er. Heuer soll das bereinigte operative Ergebnis zumindest stabil bleiben, womöglich auch um bis zu fünf Prozent zulegen.

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Die staatlichen Eigentümer, vor allem das Land Baden-Württemberg, sollen für das vergangene Jahr keine Dividende erhalten. Manager und Mitarbeiter des Konzerns mit gut 20.000 Beschäftigten wollen auf einen Teil ihres Einkommens verzichten.

"Damit leisten alle im Unternehmen einen solidarischen Beitrag für die langfristige Zukunftssicherung der EnBW", erklärte Finanzvorstand Thomas Kusterer.
In Österreich ist die EnBW mit rund einem Drittel an der niederösterreichischen EVN beteiligt und damit zweitgrößter Aktionär nach dem Mehrheitseigentümer Land Niederösterreich.

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