Bauindustrie

Milliardenschwere Auftragspolster der Strabag schrumpft

Der Orderbestand des größten heimischen Baukonzerns ist im Vorjahr von 14,4 auf 13,1 Milliarden Euro gesunken. Die Bauleistungen im Kernmarkt Deutschland und auch in Osteuropa ist start, doch in Russland und in Chile gibt es Probleme.

Der österreichische Bauriese Strabag war 2015 mit einer Reihe von Schwierigkeiten konfrontiert. Als Problemkinder erwiesen sich vor allem Russland und Chile. Die "widrigen Rahmenbedingungen in Russland und dessen Nachbarländern" hätten spürbar auf den Auftragsbestand gedrückt, so Konzernchef Thomas Birtel kürzlich in Wien.

Russland und Chile bereiten Probleme

"Mehrere große Projekte, die bei uns im Auftragsbestand waren, wurden storniert", räumte Birtel ein. Die Stornos aus Russland erreichten ein Volumen von rund 200 Mio. Euro, sagte er zur APA. Der Strabag-Chef verwies dabei unter anderem auf die westlichen Wirtschaftssanktionen, den niedrigen Ölpreis, die starke Inflation und den schwachen Rubel als Ursache. An der Lage dürfte sich auch in absehbarer Zeit wenig ändern: "Der Abschwung ist für uns noch nicht mit einem Enddatum versehen", so Birtel.

Auch in Chile läuft es nicht rund: Bei einem bereits angelaufenen Tunnelprojekt sei der Bauriese auf "große geologische Probleme" gestoßen, was 2015 vorerst Verluste bescherte und "das Ergebnis der Strabag erheblich belastete". Derzeit liefen daher Nachverhandlungen mit dem Auftraggeber. Von dem Auftragsvolumen von insgesamt 350 Mio. Euro ist den Unternehmensangaben zufolge inzwischen ein Drittel abgearbeitet.

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Entwicklung auf dem deutschen Kernmarkt stabil

Der Strabag-Gewinn basierte 2015 auf der starken Bauleistung in der Slowakei, aber auch in Polen, Tschechien und Ungarn. "In Osteuropa ist es uns sehr gut gegangen", fasste Finanzvorstand Christian Harder heute, Freitag, zusammen. In der Region bereitete nur Russland Probleme. Das insgesamt schöne Bild trübt allerdings der weltweit um 1,3 Mrd. auf 13,1 Mrd. Euro gesunkene Auftragsbestand.

Dieser Rückgang um 9 Prozent gegenüber dem Jahr davor sei "die Kehrseite der Medaille", sagte Konzernchef Thomas Birtel. Doch für die Strabag zähle "Ergebnis vor Leistung". Es würden möglichst wenig Risiken eingegangen.

Deutschland, neben Österreich, einer der Hauptmärkte der Strabag, entwickelte sich 2015 den Angaben zufolge "auf hohem Niveau stabil". Die Bauleistung sei dort wegen der Verschmelzung mit der Stuttgarter DIW-Gruppe gestiegen, doch "die Aufholjagd im deutschen Straßen- und Infrastrukturbau hat noch nicht begonnen", betonte Birtel.

Der Bundesverkehrswegeplan 2030 des deutschen Verkehrsministers Alexander Dobrindt könnte bereits 2016 für einen Investitionsschub im Straßenbau sorgen, so der Konzernchef. Das lässt die Strabag auf bereits ersehnte, zusätzliche Aufträge in dem Land hoffen. Denn die Fertigstellung einiger deutscher Großprojekte konnte laut Birtel "noch nicht durch neue Straßenbauprojekte ausgeglichen werden." (APA/red)

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