Chemieindustrie

Milliardenofferte an Monsanto: Bayer rechnet mit einem "Ja"

"Wir sind vollkommen überzeugt von unserer Offerte", sagt Werner Baumann, Chef des deutschen Chemiekonzerns Bayer, zum 62 Milliarden schweren Übernahmeangebot des umstrittenen amerikanischen Staatgutriesen Monsanto. Hier die Hintergründe.

Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer hofft beim US-Saatgutriesen Monsanto auf Gegenliebe für sein 62 Mrd. Dollar schweres Übernahmeangebot. "Wir befinden uns in konstruktiven Gesprächen mit Monsanto", sagte der neue Bayer-Chef Werner Baumann in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. "Wir sind vollkommen überzeugt von unserer Offerte." Bayer erwarte eine positive Antwort von Monsanto.

Auch eine feindliche Übernahme denkbar

Ob der Leverkusener Konzern gegebenenfalls auch eine feindliche Übernahme, gegen den Willen von Vorstand und Verwaltungsrat des Glyphosat-Herstellers, machen würde, kommentierte Baumann nicht. Die Übernahme sei komplett finanziert, Portfoliomaßnahmen wie etwa ein schnellerer Ausstieg bei der Kunststofftochter Covestro, seien dafür nicht nötig.

Die Monsanto-Übernahme biete für Bayer eine "überzeugende" Gelegenheit, "ein weltweit führendes Unternehmen für Saatgut, Pflanzeneigenschaften und Pflanzenschutz zu schaffen", teilte Bayer mit. Monsanto hatte das Angebot von Bayer in der vergangenen Woche als "ungebeten und unverbindlich" bezeichnet.

Mit der Übernahme von Monsanto - der auch das hoch umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat produziert - würde die Sparte Pflanzenschutz zur größten des Konzerns. Bayer machte mit rund 117.000 Beschäftigten im vergangenen Jahr einen Umsatz von 43,6 Mrd. Euro. Monsanto mit rund 21.000 Mitarbeitern wies im Geschäftsjahr 2014/2015 einen Umsatz von 15 Mrd. aus.

An der Börse waren die Pläne zunächst nicht gut angekommen. Die Bayer-Aktien waren eingebrochen, da die Anleger eine kostspielige Übernahme befürchteten, die mittels Kapitalerhöhung finanziert werden könnte. Am Montagmorgen lagen die Bayer-Aktien bei Lang & Schwarz zwei Prozent im Minus. "Das Angebot ist ziemlich hoch, wenn man bedenkt, dass das der erste Versuch ist", kommentierte ein Aktienhändler die Bayer-Offerte.

Am Image des Übernahmekandidaten ist schwer etwas Positives zu finden

Der weltweite Markt für Pflanzenschutzmittel und Saatgut wird mit Syngenta, Monsanto, Bayer, DuPont Pioneer, Dow Chemical und BASF nur von einer guten Handvoll Firmen kontrolliert. Monsanto und Bayer würden zusammen ein breites Angebot im Pflanzenschutz und Saatgut auf die Beine stellen. Der Zukauf könnte aber vor allem in den USA auf kartellrechtliche Hürden wegen Überlappungen im Saatgutgeschäft, insbesondere bei Sojabohnen, Baumwolle und Raps, stoßen.

Bei einer Übernahme der US-Amerikaner muss sich der neue Bayer-Chef Werner Baumann aber noch auf ganz andere Kritik einstellen: Kein anderer Konzern der Branche hat ein derart schlechtes Image wie Monsanto. Der Saatgutriese steht immer wieder wegen seiner aggressiven Geschäftspraktiken und seiner gentechnisch veränderten Produkte in der Kritik. Die US-Amerikaner sind zudem der Entwickler des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat, das im Verdacht steht, krebserregend zu sein. (APA/Reuters/AFP/red)

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