Schiffbau

Militärschiffe: Zwei deutsche Werften vereinbaren enge Kooperation

Im deutschen Marine-Schiffbau kommt eine Konsolidierung: Die Werften Lürssen aus Bremen und German Naval Yards Kiel haben eine dauerhafte Zusammenarbeit vereinbart. Thyssenkrupp beteiligt sich nicht daran - vorerst.

Nach jahrelangem Stillstand kommt im deutschen Marine-Schiffbau eine Konsolidierung in Gang. Die Werften Lürssen aus Bremen und German Naval Yards Kiel kündigten an, dauerhaft in dem Bereich zusammenarbeiten. Mit der Rüstungssparte Marine Systems von Thyssenkrupp könnte dieser Kreis erweitert werden.

"Wir begrüßen diese Entwicklung als einen ersten Schritt hin zu einer Konsolidierung der fragmentierten Werften-Landschaft in Deutschland", betonte der Ruhrkonzern. Die deutsche Regierung steht dem ebenfalls positiv gegenüber, hatte sie doch die Gespräche zwischen Lürssen und GNYK moderiert. Die IG Metall signalisierte ebenfalls Zustimmung - vorausgesetzt, Arbeitsplätze und Standorte würden gesichert.

"Die bisherigen Aktivitäten im militärischen und behördlichen Überwasserschiffbau sollen künftig in ein gemeinsames Unternehmen unter Führung der Bremer Lürssen-Gruppe eingebracht werden", teilten Lürssen und GNYK in der Nacht zum Donnerstag mit. "Die Konsolidierung in Deutschland ist längst überfällig", erklärte Iskandar Safa, der Chef der Privinvest Holding SAL, der obersten Konzerngesellschaft der German Naval Yards. Deutschland verfüge über erstklassige Marinewerften und exzellente Technologien. "Aber unsere Kunden brauchen Partner, die über die Größe und die Fähigkeit verfügen, umfangreiche, strategisch wichtige Aufträge zu erfüllen. Das lässt sich besser erreichen, wenn inländische Akteure sich zusammenschließen."

White Paper zum Thema

Friedrich Lürßen von der Lürssen-Gruppe setzt auf eine bessere Wettbewerbsfähigkeit. "Wir sind davon überzeugt, dass eine Konsolidierung unserer Werften im Marineschiffbau sinnvoll und förderlich ist, um dadurch deren Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu stärken", erklärte er.

Thyssenkrupp beteiligt sich derzeit nicht

Thyssenkrupp beteiligt sich zunächst nicht. Sein Konzern sei bereit, weitere Schritte zugehen, schrieb der für die Tochter Marine Systems zuständige Vorstand Oliver Burkhard auf Twitter. Das jetzige Bündnis sei noch nicht der Deutsche Marine Champion.

Am Mittwoch hatte Reuters von einem Insider erfahren, dass Thyssenkrupp selbst verschiedene Optionen für eine Konsolidierung verfolgt: Zum einen die Gründung eines nationalen Champions mit Lürssen und German Naval Yards (GNYK). Parallel führe der Konzern aber auch Gespräche mit der italienischen Fincantieri über ein europäisches Bündnis. Eine Möglichkeit wäre dabei ein 50:50-Joint-Venture. Dadurch ließe sich ein europäischer Champion mit einem Umsatz von über drei Milliarden Euro schmieden.

Details dazu:
Schiffbau bei Thyssenkrupp: Offenbar neue Fusionen und Verbände in Vorbereitung >>

Die IG Metall sprach sich für eine größere Allianz unter Einschluss von Thyssenkrupp aus. Die geplante Fusion könne nur ein erster Schritt sein, sagte der Chef des IG-Metall-Bezirks Küste, Daniel Friedrich. "Bei der weiteren Konsolidierung muss Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) einbezogen werden." Er forderte eine Gesamtlösung für Unter- und Überwasserschiffbau in Deutschland, um dann eine europäische Strategie zu entwickeln. Ziel müsse die Sicherung der Arbeitsplätze in der Schiffbauindustrie sein.

Viele wünschen sich einen europäischen "Airbus der Meere"

Seit Jahren träumen Politik und Teile der Branche nicht nur von einem deutschen Marine-Riesen, sondern auch von einem europäischen Champion, einem "Airbus der Meere". Mit den jetzigen Bestrebungen reagieren die Unternehmen auf den Kostendruck und die stärker werdende Konkurrenz. In Europa spielen Player mit wie die französische Naval Group, die mit 15.000 Beschäftigten auf einen Umsatz von 3,7 Milliarden Euro kommt und neben den U-Boot- und Fregattenbau auch im Ökostromgeschäft auf See tätig ist. Der britische Rüstungskonzern BAE Systems ist zu Lande, zu Wasser und in der Luft unterwegs und beschäftigt mehr als 80.000 Mitarbeiter. Thyssenkrupp Marine Systems erzielte zuletzt mit rund 6.000 Beschäftigten einen Umsatz von 1,8 Milliarden Euro.

Mit der jetzigen Zusammenlegung könnte auch Bewegung in den Streit über die Vergabe des 6 Milliarden Euro schweren Auftrags für Entwicklung und Bau des neuen Mehrzweckkampfschiffes 180 der deutschen Bundeswehr kommen. Das deutsche Verteidigungsministerium hatte Anfang des Jahres der niederländischen Damen-Werft in Kooperation mit Lürssen den Zuschlag erteilt. German Naval Yards hatte mit Thyssenkrupp als Unterauftragnehmer ebenfalls für den Auftrag geboten und leitete gegen die Vergabe-Entscheidung juristische Schritte ein.

Auch die deutsche Regierung setzt nun auf eine Beilegung des Streits. "Ich hoffe sehr, dass mit der Entscheidung jetzt auch der Bau des Mehrzweckkampfschiffs 180 zeitnah starten kann", sagte der Maritime Berater Norbert Brackmann. Er habe als Moderator die Gespräche eng begleitet. "Der Zusammenschluss stärkt den maritimen Standort Deutschland insgesamt, er ist ein gutes Signal für Arbeitsplätze und technologische Innovationen." (reuters/apa/red)