Skandal-Investor

Michael Tojner gibt sich im Kampf um B&C Stiftung geschlagen

Michael Tojner gibt sich im Übernahmekampf um die B&C-Stiftung geschlagen. Weil seine Industriepartner von Andritz-Chef Leitner bis KTM-Boss Pierer vom Projekt Abstand genommen haben?

So sehen Sieger aus:  B&C Stifungsvorstandschef Wolfgang Hofer kann jetzt direkt mit der UniCredit Mailand über die künftige Interpretation der Stiftungsurkunde und der Begünstigtenklausel verhandeln.

Es ist in den letzten Tagen still geworden an der medialen Front zwischen Investor Michael Tojner und der B&C-Privatstiftung. Die Mehrheitseigentümer von Lenzing, Semperit und Amag enthalten sich seit Jahreswechsel jeden Kommentars zum Versuch des Investors, den Fuß in die Tür der B&C Stiftung zu zwängen. Auch Tojner selbst hat aufgehört, öffentlich über die Transparenz der Stiftungskonstruktion zu lästern – und damit die Holding „sturmreif zu schiessen“, wie B&C-Boss Hofer im Industriemagazin zuletzt beklagte. Der Titelgeschichte über den „Zocker“ Tojner im Nachrichtenmagazin Profil waren die juristischen Winkelzüge gegen die B&C-Stiftungsurkunde nur mehr ein paar magere Zeilen wert. Der juristische Schlagabtausch hat an Unterhaltungswert verloren.

Partnerlos?

Der Grund ist einfach: Michael Tojner hat genug. Seine Rechtsanwälte haben zugestimmt, dass die B&C-Stiftung direkt mit der UniCredit Mailand über die künftige Interpretation der Stiftungsurkunde und der Begünstigtenklausel verhandeln kann. Die Schwierigkeiten Tojners in seinen Immobiliengeschäften sind zu schwerwiegend, um den medialen Druck auf die Stiftung weiter aufrecht zu halten. Außerdem haben dem Vernehmen nach die Unterstützer aus der heimischen Industrie ihre Unterstützung eingestellt. Andritz-Chef Wolfgang Leitner ist Sauer, weil die Tojner-Attacken die Novellierung des heimischen Stiftungsrechtes negativ beeinflusst haben, Henn-Eigner Martin Ohneberg gab intern zu verstehen, dass er mit dem Deal nie etwas zu tun hatte. KTM-Eigentümer Stefan Pierer sowie "Krone"-Chef Christoph Dichand, die auch immer wieder als „Investoren“ genannt wurden, sind dem Vernehmen nach auf Grund des zunehmenden öffentlichen Gegenwinds auf Tauchstation gegangen.

Kurz vor dem Ziel.

Dabei war Tojners Taktik kurz davor, Früchte zu tragen Tojner hat bei der B&C genau das gemacht, war er laut profil am besten kann: Er hat  ein „Geschäftsmodell aus gesetzlichen und vertraglichen Grauzonen und Lücken“ entwickelt und seine Gegenüber unter Zugzwang gebracht. Mit seinem juristischen Sachverstand, einer gehörigen Portion Chuzpe und angeblichen 100 Mio. Euro hat er der Uni Credit Mailand das Alleinverhandlungsrecht in Sachen Stiftungsbegünstigung abgeschwatzt. So wurde ein Umstand, der für die Italiener vorher völlig wertlos war – sie hatten 2008 die Genussrechte um 1,2 Mrd. Euro an die B& C verkauft - wieder zur disponiblen Verhandlungsmasse. Tojner war bis vor kurzem für die B&C alleiniger Ansprechpartner in allen Themen der Stiftung bzw der Begünstigungsrechte. Damit waren jegliche Gesprächsmöglichkeiten zwischen den Wiener Stiftungsvorständen und den Mailänder UniCredit-Bankern unterbunden – und eine Einigung unter Umgehung von Michael Tojner unmöglich. Damit ist es jetzt vorbei. Geld habe bei dem Rückzug keine Rolle gespielt, heißt es.

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Durchbruch für die B&C.

Die B&C-Stiftungsvorstände Wolfgang Hofer, Erich Hampel und – seit Jahreswechsel – Berndorf-Chef Norbert Zimmermann kommen damit auf festeren juristischen Boden. Sie verhandeln mit den gleichen Vertragspartnern wie 2008, als sie den Begünstigten – der HVB und ihrer Mutter UniCredit – die Genussrechte abgekauft haben. Aus vertraglicher Sicht gibt es wenig Grund, frühere Einigungen für ungültig zu erklären. Über die genauen Verhandlungsthemen zwischen B&C und Unicredit wurden keine Anhaben gemacht.

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